Design-Hotel Provocateur Berlin

Bewusste Provokation

Theaterrote Wände, blaue Samtstühle, angedachte Burlesque-Shows – es mag nur eine Frage der Zeit sein, bis Dita von Teese hier auftritt. Charmant-provokant genug für die Femme Fatale wäre das erste Haus der neuen Lifestyle-Marke Provocateur in Berlin jedenfalls.

Seit Anfang März, rechtzeitig zur ITB, gibt es mit dem 58 Zimmer-Haus unweit des Kurfürstendamms wie auch in Messenähe ein neues Hotelprodukt: das Provocateur der Gekko Group von Alex Urseanu und Micky Rosen. Der Name ist eine bewusste Provokation. Nicht, dass die aushängenden Fotos eines Shootings von Kai Stuht anzüglich wären. Sowohl die Models, als auch Hoteldirektor Ronald Spicale, der ebenfalls vor die Kamera trat, sind bekleidet, spielen aber mit dem Image des verruchten Berlins der 1920er-Jahre. Daher hängt in jedem Zimmer ein weißer Bilderrahmen, der verschwommene, kokette Fotos in Schwarz-Weiß-Optik zeigt. Drückt man den Provocateur Mode-Schalter, geht das Licht aus und der Beamer an. Das Foto tritt in den Hintergrund, es erscheint ein ca. einstündiger Kunstfilm, der das Zimmer in eine sinnliche Stimmung versetzt.

Die Brandenburgische Straße 21 war jahrzehntelang das Domizil des Hotels Savigny. Ursprünglich diente die 1911 erbaute Immobilie aber als hochherrschaftliches Mehrfamilienwohnhaus mit den typischen Alt-Berliner Merkmalen: Parkett, Stuck, hohe Decken. Alex Urseanu und Micky Rosen wollten an diesem Standort eigentlich ein weiteres Haus ihrer Roomers-Hotelmarke eröffnen. Doch kurz nach Umbaubeginn Anfang 2015, so Spicale, sei klar geworden, dass ein Hotel mit Tagungsbereich den Räumlichkeiten nicht gerecht werden würde. Als wesentlich angemessener schien es da, die mit einem Pachtvertrag bezogene Immobilie mit einer neuen Marke samt burleskem Boutique- und Lifestylekonzept zu bespielen. »Interiordesigner Saar Zafrir lässt das Paris der 1920er-Jahre auf das heutige Berlin treffen«, erklärt der 38-jährige GM, der die Traube Tonbach, die Ritz-Carlton Company und zuletzt das Adlon als Director Sales & Marketing in seiner Vita stehen hat.

Die 58 Zimmer und Suiten in sechs Kategorien folgen zwei Farbkonzepten: Petrolblau und Theaterrot. Die außergewöhnliche Einrichtung erinnert an die Burlesque Theater des vergangenen Jahrhunderts: die Betten mit opulenten Kopfteilen, Parkett- oder Dielenböden, bis zu 3,80 Metern Deckenhöhe, auf alt getrimmte Waschbecken und Dusch­armaturen. Das Blau begegnet dem Gast erstmals beim Check-in. Der findet im »blauen Salon« statt, einem wohnzimmerartigen Raum mit Glastisch samt Meerjungfrauen-Sockel  und niedrigen blauen Samtsesseln. Es ist ein Gegenentwurf zur traditionellen Rezeption mit Zutritt auf eine Innenhofterrasse – vis-à-vis der »Rotlichtbezirk«. Der Berliner Szenegastronom Duc Ngo bespielt das frankochinesische Restaurant (40 Plätze) mit Showküche und die Bar (50 Plätze) mit überdimensionalem Tresen und gewundenem roten Samtcouch-Ensemble. Der Gastronom mit vietnamesischen und chinesischen Wurzeln ist bereits durch die »moriki«-Restaurants in Frankfurt und Baden-Baden mit den Roomers Hotels verbandelt.

Ein weiteres Outlet soll im Untergeschoss entstehen. Die ehemalige Kegelbahn – ein großer Raum mit freigelegten Backsteinwänden – wird später im Jahr für interne und externe Events von Cabaret und Burlesque bis zu Parties genutzt. Mit räumlicher Subkultur wäre dann auch das Gesamtpaket geschnürt. »Die Gäste«, sagt der Direktor des neuen Mitglieds der Design Hotels und Chef von 45 bis 50 Mitarbeitern, »begeben sich beim Betreten des Hauses auf eine Reise, die ihnen Berlin mitsamt Food, Drinks, Kunst und Events provokant zu Füßen legt, ohne das Hotel wieder verlassen zu müssen.«