Henri Berlin

Neues Haus, alter Charme

Zeitreise mitten in Berlin: Im neuen Henri wird auf Gründerzeit gesetzt – bis hin zu den Uniformen der Mitarbeiter.

Auf dem auf Alt getrimmten Plattenspieler dreht sich das Vinyl. Edith Piaf singt »La vie en rose«. Das Parkett knarzt, wenn man nebenan im Damenzimmer zum Samowar läuft. Im alten, dunkelbraunen Buffet in der Lobby vis-à-vis der Standuhr von 1770 baumeln mittig die Zimmerschlüssel. Die Herren tragen gestreifte Hosen mit hohem Bund, die Damen lange Röcke und Spitzenblusen. Nostalgie par excellence, nicht aufgesetzt, es sei vielmehr, wie Eckart Buss, Geschäftsführer der Boutique-Hotelgruppe Henri in der Deutschen Hotel & Resort Holding, erzählt, dem Charakter des Gebäudes geschuldet. Wie im ersten Henri Hotel in Hamburg sei man in eine Bestandsimmobilie gegangen. An der Alster war es ein ehemaliges Bürogebäude, das im Stil der 1950er-Jahre aufgezogen wurde. In der deutschen Hauptstadt, im alten West-Berliner Bezirk Charlottenburg, befindet sich das zweite Henri in einem denkmalgeschützten Altbau mit Jugendstilfassade und bemalten Stuckdecken von 1899/1900. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs fungierte es als Beherbergungsbetrieb; Anfang der 1980er-Jahre erwarb Unger-Flugreisen-Chef Hans-Peter Unger das Gebäude und baute es zum Hotel Residenz aus. »Wir haben die 20 Mitarbeiter übernommen und die erste Umbauphase im laufenden Betrieb durchgeführt. So konnten wir Residenz-Stammgästen das neue Produkt vorstellen«, erklärt Buss. Rund 1,7 Millionen Euro wurden für die Umwandlung in ein Haus der Marke Henri veranschlagt. Das Gebäude ist weiterhin im Alteigentümerbesitz, es gibt einen 20-Jahres-Mietvertrag. Die architektonischen Strukturen bleiben erhalten, ansonsten ist vom alten Betrieb nicht mehr viel wiederzuerkennen. Im Erdgeschoss mit Lobby, Roten und Blauem Salon sowie Damenzimmer mit Samowar-Ecke, die den Gästen wie eine Lounge zur Verfügung stehen, wurde die Henri-typische »Hausküche« hinzugefügt, passend zum dortigen Ambiente im Gründerzeit-Look. Selbstbedienung ist hier angesagt, sowohl beim Frühstücksbuffet (16 Euro) als auch beim Kaffee. Angeboten wird auch eine Croissant-Kaffee-Start in den Tag (4,50 Euro). Im Zimmerpreis inkludiert hingegen ist das kalte Abendbrot.

In den 68 rund 13 bis 34 Quadratmeter großen Gästezimmern in den Kategorien»Kabinett«, »Les Chambres« und »Salon-Zimmer« auf vier Etagen blieben die zunächst als störend wirkenden »Badkuben« erhalten. »Statt sie zu kaschieren, betonen wir sie. Der Innenarchitekt Marc-Ludolf von Schmarsow hat dafür Mustertapeten gewählt, in den größten Zimmern, den Salons sind Pfauenmotive erkennbar«, erklärt Buss. Gut ein Drittel der Zimmer ist bereits grundsaniert. Die Parkett- und Dielenböden wurden freigelegt, die Zimmer mit Gründerzeit-Antiquitäten und handgeknüpften Teppichen aus Indien ausgestattet. W-LAN, Kaffee- und Teeofferten stehen für modernen Komfort. »Die Mitarbeiter tragen eigens kreierte und maßgeschneiderte Uniformen im Belle Époque-Stil von dem Hamburger Designer Oliver Kresse«, nennt der Geschäftsführer eine weitere Besonderheit des Hauses.

Noch rund anderthalb Jahre wird der Umbau dauern; man rechne, so Buss, mit der vollständigen Fertigstellung im ersten Quartal 2018. Kurze Zeit später steht das nächste Henri-Opening an, diesmal in Düsseldorf-Pempelfort. Auch dort hat der Charakter des Gebäudes den Stil vorgeben: In dem einstigen Büro-Hochhaus aus den 1960-/1970-er Jahren solle, so Buss, mit den späten 1960er-Jahren und Thema »(m)ad men« des einstigen Werber-Konglomerats an der Madison Avenue in New York gespielt werden.

Für die Expansion der Marke werden Großstädte wie Frankfurt, Stuttgart und München ins Auge gefasst, außerhalb von Deutschland Städte wie Wien, Kopenhagen, Amsterdam, Basel oder Stockholm, ebenfalls in zentralen Lagen, interessanten Immobilien und mit einer Maximalzimmerzahl von 100, im Idealfall 60 bis 80 Zimmern.

 

Henri Berlin
Meinekestraße 9
10719 Berlin-Charlottenburg
Telefon 030-884430
www.henri-berlin.com

Kategorie: Boutiquehotel
Direktor Raik: Unbenannt
Logis: 68
Preise: EZ ab 78 €, DZ ab 98 €