Spa-Personality Justinian Ciolacu

Heilen mit Wissen und Intuition

Die Wertigkeit einer Wellnessanlage hängt nicht allein von der Quadratmeterzahl und einem hochwertigen Angebot ab. Es sind vielmehr die Spa-Mitarbeiter, die »hautnah« am Gast agieren und ihm Wohlbefinden vermitteln. Tophotel stellt in loser Folge Spa-Persönlichkeiten vor, die sich durch Erfahrung und besonderes »Fingerspitzengefühl« hervortun – diesmal: Justinian Ciolacu aus dem Sporthotel Stock in Tirol

Ein kräftiger Händedruck, dunkle, warme Stimme, aufmerksamer Blick: Dieser Mensch strahlt etwas aus, das allein schon wohltuend auf sein Gegenüber wirken kann. Justinian Ciolacu ist dem Menschen zugewandt mit all seinem Wissen – und das ist nicht wenig – und all seinen Sinnen. Der Masseur und Shiatsu-Therapeut im Spa-Team des renommierten Sporthotels Stock im Zillertal beeindruckt mit seinen Behandlungen auch sehr erfahrene Wellnessgäste. »Wenn der Gast offen ist, bin ich es ebenso«, erklärt Ciolacu. Bei seinen Behandlungen sei er getragen von einer »Idee der Absichtslosigkeit«. Er lasse sich einfach ein auf den Gast, die Situation, die Behandlung. »Ich will zunächst mal nichts«, sagt er. Das allerdings klingt sehr bescheiden. Schon so mancher Hotelgast hat die Erfahrung gemacht, dass Justinian mit einer einzigen Behandlung einen Schmerz im Körper auflösen kann wie einen lästigen Knoten. Mit großer Sensibilität spürt er schnell, was der Gast gerade braucht und wie er helfen kann. Manchmal kommt es auch vor, dass er eine schmerzende Körperstelle des Gastes mit seinen Händen berührt und dabei selbst eine körperliche Reaktion zeigt. Wenn das passiere, müsse er sich zum Selbstschutz zunächst wieder kurz zurückziehen – um dann mit gesammelter Energie den betreffenden Schmerz anzugehen. Einige seiner Klienten halten Justi­- nian deshalb für einen Heiler. Er selbst liebt seine Tätigkeit. »Auch wenn ich einen anderen Beruf ausüben würde, wäre Therapie trotzdem ein wichtiger Bereich meines Lebens.« Den Begriff Wellness interpretiert er in diesem Zusammenhang als eine Reihe von Möglichkeiten, um einer Therapie auch menschliche Wärme zu geben. »Die fehlt ja im modernen Gesundheitssystem leider oft«, bedauert Ciolacu. Sich selbst erholen kann er am besten mit Yoga, beim Fotografieren oder in der Natur. »Die wunderbaren Berge hier in Tirol erinnern mich an meine Heimat.«

Um die Intensität seiner Arbeit zu verstehen, hilft ein Blick auf Justinian Ciolacus Lebensgeschichte. Der heute 47-Jährige kommt aus Rumänien, wo er vor mehr als 20 Jahren mit Yoga in Berührung kam. »Damals konnten wir Yoga in Bukarest nur im Untergrund praktizieren, denn unter Ceausescus Regime war es verboten«, erinnert sich Justinian an diese Zeit. »Aber umso intensiver war für uns das Yoga-Erlebnis, auch eine Art Widerstand gegen das Regime.« Dann kam im Dezember 1989 die politische Wende und schon ein Jahr später wurde offiziell eine Yoga-Schule gegründet, bei der Justinian von Anfang an Schüler war. Schon damals beschäftigte er sich auch sehr mit der Philosophie des Yoga, belegte Kurse in energetischer Massage. Parallel zu diesen zum Teil sehr spirituellen Erfahrungen war er aber unter anderem durch sein Studium zum Wasserbauingenieur immer auch in den Strukturen der kognitiven Welt verankert. Das Rationale und das Irrationale bei seiner Arbeit miteinander zu verbinden, ist ihm auch heute noch ein Anliegen. Er behält die Schulmedizin genauso im Auge wie die breite Palette der alternativen Heilmethoden bis hin zum Schamanismus: »Ich versuche, ideologisch in der Mitte zu stehen«, erklärt er seinen Standpunkt. Je nachdem, welches »Werkzeug« bei einem Gast benötigt wird, bewege er sich dann jeweils in die eine oder die andere Richtung. Oft bedauert er es, dass er nicht mehr Zeit hat für jeden Einzelnen, der sich von ihm behandeln lassen möchte: »Eigentlich würde ich gerne erst einmal ausführlich mit jedem reden, damit ich besser verstehe, was er gerade braucht und wie ich ihm dabei helfen kann.« Mit mehr Zeit könne er seine Klienten außerdem viel besser erklären, was sie bei der nachfolgenden Behandlung erwartet. Meis­-tens würden die sich dann viel besser auf neue Erfahrungen einlassen.