Spa-Personality

Dr. med. Christine Müller

Die Wertigkeit einer Wellnessanlage hängt nicht nur von der Quadratmeterzahl ab. Ebenso-wenig darf ein umfangreiches Angebot als alleiniges Qualitätsmerkmal gelten. Es sind vielmehr die Spa-Mitarbeiter, die »hautnah« am Gast agieren und ihm Wohlbefinden vermitteln. Tophotel stellt in loser Folge Spa-Persönlichkeiten vor, die durch Erfahrung und »Fingerspitzengefühl« zur Visitenkarte des Hotels wurden.

Jeden Morgen, wenn sie die Kranzbachwiese passiert, fasziniert sie ihr Arbeitsplatz aufs Neue: Dr. med Christine Müller, seit Februar 2010 ärztliche Leiterin des Spas im Hotel & Wellness Refugium Das Kranzbach in der bayerischen Elmau. Sie wohnt und lebt in Innsbruck, fährt einen weiten Weg – aber das macht ihr nichts aus. Im Kranzbach kann sie das realisieren, was sie sich immer erträumt hat: den Menschen nahe sein, näher, als das in jeder Praxis oder Klinik möglich wäre, mit ihnen reden und sich mit ihnen gemeinsam auf die Reise begeben – hin zur Selbstheilung. »Ich sehe mich als das mütterliche Prinzip im Haus«, sagt die 45-Jährige mit einem Lächeln. Als diejenige, die sich kümmert, im bes-ten Sinne. Auch um die Mitarbeiter, die eine kleine Familie bilden, in der jeder mal etwas auf dem Herzen oder einen Schmerz hat. »Das hat sich so ergeben und das ist gut so.«
Zu ihrem Traumberuf kam die gebürtige Frankfurterin auf Umwegen: Nach dem Abitur studierte sie zunächst Kunstgeschichte, ehe sie sich entschloss, zur Medizin zu wechseln. Und weil die Mutter Tirolerin ist, zog es sie für die Arztausbildung in südlichere Gefilde, nach Innsbruck. Dort ist sie »hängen geblieben«, das junge agile Flair der Stadt sagt ihr einfach zu. Um mehr als die klassische Schulmedizin zu beherrschen, absolvierte sie außerdem nicht nur Weiterbildungen in Naturheilkunde und Kurmedizin, sondern machte auch den F.X.-Mayr-Doktor mit Schwerpunkt Darm- und Ernährungsmedizin.

Erste Erfahrungen mit Gästen – also nicht mehr mit traditionellen »Patienten« – machte Dr. Christine Müller von 2005 bis 2009 im Gesundheitszentrum Lanserhof in Tirol. Während dieser Zeit war sie einmal privat mit ihrer Mutter im Hotel & Wellness Refugium Das Kranzbach. »Das Haus ist mir nicht mehr aus dem Sinn gegangen«, sagt sie. »Diese Klarheit, diese Struktur, diese Nähe zur Natur, mit Räumen, die alle eine Blickachse in die Natur hinein haben.« Als sie sich später neu orientieren wollte, bewarb sie sich auch in dem zwischen Garmisch und Mittenwald gelegenen Wellnesshotel. Ihr war klar, dass dieses Haus enormes Potenzial hat. Für Petra Barta, die seit 2008 Direktorin des Kranzbach ist, war wiederum Dr. Christine Müller ein Glücksfall: Mit ihr in der neu geschaffenen Position der ärzlichen Leiterin – zusätzlich zum Spa-Leiter Karsten Hetzheim – bot sich die ideale Chance, das in diesem Jahr vergrößerte Spa durch noch mehr Kompetenz aufzuwerten.

Dr. Christine Müller selbst will den Gästen des Hotels Impulse zur Selbstheilung geben. Ihr Hauptaugenmerk legt sie auf die Entlastung des Magen-Darmtrakts, »weil dort oft die Wurzel allen Übels zu finden ist«. Sie hat dafür ein entgiftendes Detox-Kurprogramm mit ausgewählten Behandlungen erarbeitet, das sie persönlich betreut. Dabei wird bewusst auch Küchenchef Thomas Reichl involviert. »Ernährung ist ein zentrales Thema«, betont die Medizinerin, »und die Menschen haben ja auch seelisch meist etwas zu verdauen.« Längst ist nachgewiesen, dass sich die Psyche auf den Magen-Darmtrakt – und umgekehrt – auswirkt. Daher setzt die Ärztin auf das Know-how von Reichl, der das Thema sehr ernst nimmt. Und jeder, der ihn kennt, weiß, dass der Genuss trotzdem nicht zu kurz kommt.

Natürlich betreibt Dr. Christine Müller im Kranzbach keine Diagnostik im herkömmlichen Sinn, mit Labor und Geräten. Dennoch erkennt sie die Probleme der Menschen: »Ein Mayr-Arzt hat eine andere Form der Wahrnehmung. Er fragt nicht: ›Wie geht es Ihnen?‹ Er fühlt den Bauch und weiß, wie es dem Menschen geht.« Speziell für ihre Arbeit im Kranzbach betrachtet es die Ärztin als besonderen Vorzug, dass sie kein »Label« berücksichtigen muss. Sie ist frei und kann aus den verschiedenen medizinischen Ansätzen und Therapien für den Gast das Optimale herausziehen. So gehört zum Detox-Programm je nach Bedarf etwa die
Colonhydrotherapie zur Darmreinigung – ebenso wie ein individueller Kurplan, Bewegung, gezielte Entspannung und vor allem die manuelle Bauchbehandlung. Letztere ist eine sanfte Massage im Uhrzeiger- sinn – wunderbar entspannend und entlas-tend. »Dabei«, erzählt die Medizinerin, »öffnen sich die Menschen oft ganz automatisch, viele fangen an zu reden, erzählen von sich und fühlen sich spontan wohl.« Sie weiß, dass viele Menschen heute in ihrem Alltag gar nicht mehr berührt werden. Auch im übertragenen Sinne. Da will sie ansetzen, um etwas zu bewegen, um die Gäste auf sanfte Weise ein wenig wachzurütteln – und letztlich in ihrer Mitte zu stärken. Mittlerweile kommen die Gäste sogar spontan in ihr kleines Ärztezimmer im »Badehaus«-Spa, wenn sie irgendein körperliches Problem haben. Dr. Christine Müller ist zur »Ansprechpartnerin« geworden. Genau das ist es, was sie immer sein und tun wollte: Nicht von oben herab etwas verordnen und Rezepte ausschreiben, sondern direkten Kontakt mit den Menschen aufnehmen, auf Augenhöhe mit ihnen reden.

Nach Ansicht der Allgemeinmedizinerin wird ärztliche Fachkompetenz in Zukunft in der Wellnesshotellerie immer bedeutender werden. Und möglicherweise die Spreu vom Weizen trennen. Noch mag ein Arzt im Hotel ein Luxus sein, die Zunahme von Volkskrankheiten wie Rückenschmerzen, Lebensmittelunverträglichkeiten, Allergien, Überlastung und Stresserkrankungen wird einen derartigen »Luxus« künftig jedoch unabdingbar machen. Auch die wenige Zeit, die Arbeitnehmer heute für sich selbst haben, spielt hierbei eine Rolle. Schon jetzt zieht die Anwesenheit von Dr. Christine Müller im Kranzbach »etwas andere Kundschaft« an. Oft sind es Gäste, die schon viele Wellnesshotels und -therapien kennen und nun das Besondere suchen. Vor allem Burnout ist dabei zum Thema geworden. Eine Auszeit vom Alltag wird für den Erhalt der psychischen Gesundheit immer wichtiger – insbesondere, wenn sie betreut und fachlich begleitet wird. »In nur wenigen Tagen ist zwar keine große Lebensstiländerung möglich«, sagt Dr. Christine Müller, »aber vielleicht weisen erste kleine, konkrete Schritte einen neuen Weg. Das allein bringt ja schon etwas.«

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