Spa-Persönlichkeit

Brigitte Bünder

Tophotel stellt in loser Folge Spa-Persönlichkeiten vor, die durch Erfahrung und »Fingerspitzengefühl« zur Visitenkarte des Hotels wurden.

Wenn Brigitte Bünder morgens aufsteht, hält sie es wie viele andere auch: Dann schlappt sie erst mal in die Küche, macht sich einen Kaffee, knautscht sich auf ihr Kuhfell-Sofa – das ist zwar nicht übermäßig bequem, aber ein Geschenk ihres Schwiegervaters – und genießt das überwältigende Panorama vor ihrem Küchenfenster: den smaragdgrün funkelnden Vierwaldstätter See und die ihn umgebenden Berge. »Diese viertel bis halbe Stunde für mich, die brauche ich einfach.«

Anders als bei den meisten Menschen ist dies bei Brigitte Bünder jedoch eine Art Ruhe vor dem Sturm. Denn sobald die 48-Jährige den Schlaf abgeschüttelt hat, sobald die strubbelige Schlafmütze wach ist, verwandelt sie sich in eine Naturgewalt: mitreißend wie ein Tsunami, überwältigend wie ein Wirbelwind, strahlend wie ein Wetterleuchten, faszinierend wie ein Regenbogen. Das liegt zum Teil an ihrem Aussehen: an den ratzekurzen, weißblonden Haaren und den ausdrucksvollen Brauen über den funkelnd blauen Augen; an ihrer fast unheimlichen Ähnlichkeit mit der großen Annie Lennox. Vor allem aber ist es diese Energie, die in und aus ihr brodelt. Diese schier unerschütterliche Lebensfreude. »Ich liebe Menschen«, erklärt sie. Und dies ist nur einer von vielen Sätzen, den Brigitte Bünder mit einem leidenschaftlichen »Ich liebe …« beginnt. Mag auch ihr Vater mit 50 Jahren viel zu früh gestorben sein, ihre beiden »großen Lieben« sich in der Ehe als endlich erwiesen und das Leben der gebürtigen Baslerin so manch andere schwere Aufgabe auferlegt haben: Brigitte Bünder sieht immer nur das Beste. »Jammern bringt doch nichts«, wischt sie allein den Gedanken daran weg. »Ich arbeite lösungsorientiert – dann gibt’s auch nie Frust.«

Nein, »Frust« hat einfach keinen Platz in ihrem Leben. Dafür gibt es einfach zu viel zu tun für BB: Da sind zum einen ihre beiden Töchter Bettina (23) und Madleina (14), deren Wohlergehen für die engagierte Mutter an absolut erster Stelle steht. Die eine Tochter ist zukünftige Professorin für Vogelkunde, die andere gelernte Köchin und begeis­terte Refa-Anwärterin. Dann sind da ihre 16 Mitarbeiter im Spa des Park Weggis, um die sie sich ebenfalls »kümmert wie um meine Kinder«.

Außerdem ist sie ja verantwortlich für den wirtschaftlichen Erfolg des Spa und seiner medizinischen Beauty-Abteilung. Gerade jetzt, wo aufgrund des starken Schweizer Franken die Gästezahlen bröckeln. Mehr denn je setzt Brigitte Bünder alles daran, für den asiatischen Spa in der Jugendstil-Perle am Vierwaldstätter See Gäste zu halten und neue zu gewinnen. Lässt ihrer Kreativität freien Lauf und plant mit ihrem Team Veranstaltungen wie das »Tibetische Event«, zu der ein Wochenende lang die Kultur des einstigen Königreichs vorgestellt werden soll. Entwickelt neue außergewöhnliche Specials und Packages.

»Ich kann arbeiten wie selbstständig«, schwärmt sie nun. »Für mich wäre es ein Drama, wenn ich immer gebremst würde.« Doch Gott sei Dank genieße sie das Vertrauen und die Wertschätzung ihrer beiden Chefs: des Eigentümers Martin Denz und des Direktors Peter Kämpfer. »Das ist wie Benzin für meine Kreativität.« Überhaupt seien die beiden das Beste, was ihr in puncto Chefs je passiert sei. »Vertrauen zu haben und zu delegieren, ist eine Gabe, die du im oberen Management nicht oft findest«, weiß sie. Ebensowenig wie »einen Chef, der sich vor sein Team stellt«. Doch genau das täten Kämpfer und Denz. Daher sei es für sie »wie nach Hause kommen«, wenn sie morgens den Spa betritt.

Natürlich, so räumt die vom Schweizer Magazin »Bilanz« zur »Wellness-Leiterin des Jahres 2010« gekürte Brigitte Bünder ein, laufe auch in ihrem Team nicht immer alles rund. Und sicher ist die Arbeit unter diesem Kreativ-Vulkan für ihre Mitarbeiter nicht immer nur einfach. Doch Brigitte Bünder ist sicher: »Erfolg ist an Leidenschaft für die Arbeit gekoppelt. Und wenn die Mitarbeiter das spüren, dann ziehen sie mit.«