Bildquelle: Hotel Vier Jahreszeiten Iserlohn

F&B-Konzepte
Profitcenter: die hoteleigene Kaffeerösterei

Rund 1200 Kilogramm Röstkaffee pro Jahr werden im 70 Zimmer großen Hotel Vier Jahreszeiten Iserlohn benötigt, um den Kaffeedurst von Tagungsteilnehmern, Restaurantbesuchern und Mitarbeitern zu stillen. Nur einer von vielen Gründen für das Tagungsdomizil, Ende 2011 eine eigene Kaffeerösterei zu eröffnen. Ein Projekt, das Schule machen könnte.

Kategorie: F&B
Text: Kirsten Posautz, 11. April 2012

Geht nicht? Gibt’s nicht. Das Team rund um Geschäftsführer Klaus-Peter Fiebig hatte schon häufiger unkonventionelle Ideen in die Tat umgesetzt. Zum einen, um die Gäste immer wieder aufs Neue zu begeistern. Zum anderen, um das 1999 eröffnete Vier-Sterne-Superior-Hotel zu einer Top-Adresse in der Region zu machen. Und nicht nur im Märkischen Sauerland – auch bundesweit sorgt das Haus regelmäßig für Furore. Seit Jahren gehört es zu den Top 20 der »Ausgewählten Tagungshotels zum Wohlfühlen«.

Dass die Führungsmannschaft offen für Neues ist und gern über den Tellerrand schaut, zeigt beispielsweise der japanische Trakt »Hagakure« inklusive Meditationsgarten, der seit 2008 das Angebot des Veranstaltungs- und Tagungszentrums um »authentische asiatische Kultur« bereichert und den Businessgästen Raum für Kreativität lässt. Kurz nach der Eröffnung des »Hagakure« kam Fiebig die Idee für das nächste Projekt – nämlich eine eigene Kaffeerösterei im Hotel einzurichten. Es folgten ers­te Sondierungsgespräche mit großen und kleinen Röstereien; während der Fachmessen sammelte der Hotelchef unzählige Informationen rund um das Thema Kaffee und Rösten.

Der Besuch einer Gastromesse in Hamburg und eines der ältesten Kaffeehäuser der Hansestadt gab schließlich den Ausschlag, das Projekt in Angriff zu nehmen. Fiebig: »Eine antike, liebevoll gepflegte Probat-Röstmaschine mit Gasbetrieb, die im vorderen Bereich des Kaffeehauses – im Shop – platziert war, ließ mich gedanklich nicht mehr los. Der angenehme Geruch, das Ambiente und die Menschen in diesem Café bestärkten meinen Wunsch nach der Umsetzung der Idee.« Auch der Kaffee schmeckte »völlig anders« als der in seinem und vielen anderen Hotelbetrieben angebotene. »Mit der Umsetzung einer hoteleigenen ­Rösterei wollte ich die Qualität unseres Kaffees spürbar ­verbessern.«

»Je intensiver wir uns damit ­beschäftigten, umso mehr Fragen ­kamen auf.«

Der Entschluss war gefasst. Vor der Umsetzung galt es, eine ganze Reihe wichtiger Fragen zu beantworten: Wie erreicht man die gewünschte Kaffeequalität? Wie sieht die Ausbildung zum Röstmeister aus? Was muss man bei der Rohkaffeebeschaffung beachten? Wie wird dieser gelagert und wie geht man generell mit dem sensiblen Lebensmittel um? Wer muss die Anlage genehmigen? Und welcher Standort innerhalb des Hotels wäre für die Rösterei ideal – auch in Hinblick auf die Aspekte Abluft und Geruch? Der Arbeitsaufwand, den Wartung, Reinigung und Pflege der Röstanlage mit sich bringen würden, musste ebenfalls vorher kalkuliert werden. Ganz wichtig für den Hotelbetrieb war natürlich die Frage nach der Finanzierung des Projektes, also der Wirtschaftlichkeit und den steuerlichen Aspekten – Stichwort: Kaffee als Verbrauchssteuer und Anmeldung eines Kaffeelagers beim Zoll.


»Je intensiver wir uns damit beschäftigten, umso mehr Fragen kamen auf«, sagt Klaus-Peter Fiebig. »Die Antworten waren nicht unmittelbar greifbar, da eine Kaffeerösterei nach unserer Recherche innerhalb eines Hotelbetriebes bislang noch nicht existierte.« Und das obwohl es seiner Ansicht nach bei dem hohen Kaffeekonsum eines Hotels ein durchaus ein naheliegendes Modell ist: An die 1200 Kilogramm Röstkaffee pro Jahr werden im Vier Jahreszeiten für Hotelgäste zum Frühstück, für Tagungsteilnehmer während der Pausen, für Bankett- und Veranstaltungsgäste, für Terrassen- und Restaurantbesucher und last but no least für die rund 50 Mitarbeiter des Hauses benötigt.

Würde der Kaffee außerdem als Verkaufsartikel, Mitbringsel und Give-away eingesetzt, ließe sich die Abverkaufsmenge um circa 500 bis 600 Kilogramm pro Jahr erhöhen. »Ein erfreulicher Gedanke« für Fiebig, der ihn in seinen Plänen bestärkte. Ebenso wie der an eine »neue USP« für das Haus, die sich im Marketing erfolgreich einsetzen ließe. Nach der Festlegung des optimalen innerbetrieblichen Standortes – die Wahl fiel auf den Eingangsbereich des Gastronomie-­Foyers, der unmittelbar vor den beiden Restaurants mit Zugang zur Außenterrasse mit 150 Plätzen liegt – wurden alle weiteren Punkte konzeptionell entwickelt. Von den Abteilungsleitern und Mitarbeitern kam die berechtigte Frage: »Wer von uns soll die Anlage bedienen und den Verkauf organisieren?«. Eine Servicemitarbeiterin sowie eine Auszubildende meldeten sich freiwillig und machten den Ablauf zu ihrem »ganz persönlichen Thema«.

Das »Herz« der Anlage – die Zwei-Kilogramm-Röstmaschine –, die Kaffeesilos und -mühlen, die Lagerbehälter sowie die entsprechende fachliche Unterstützung erhielt das Hotel nach langem Suchen bei einem mittelständischen Unternehmen aus Wassenberg in der Eifel. »Profis auf ihrem Gebiet, die sich seit 15 Jahren intensiv mit dem Thema beschäftigen«, wie Klaus-Peter Fiebig betont.

»Unsere Kaffee-Rösterei ist nicht nur optisches Highlight und USP, sondern bereitet allen Beteiligten Freude.«

Ein erfahrener Kunst-Möbeltischler aus der Gegend wurde engagiert, um nach den Vorgaben des Hotels und nach Vorbild einer historischen Kolonialwarentheke die Verkaufseinheit zu planen und zu bauen. Involviert waren in das Projekt ferner die örtliche Aufsichtsbehörde, der Zoll, ein Lüftungsbauer für die Abluft, ein Elektriker für die Dreh- und Wechselstromanschlüsse sowie die Beleuchtung, ein Sanitärfachmann für die Wasseranschlüsse und -abläufe und letztlich auch die Mitarbeiter.

Bis zum ersten Mal der Duft von frisch geröstetem Kaffee durchs Hotel ziehen konnte, bedurfte es drei Jahre Planung, einer Menge Arbeit und erheblicher Investitionen. Letztere sollen sich in vier bis fünf Jahren amortisiert haben; denn bei allem Herzblut, das in diesem Projekt steckt, geht es wie in allen Bereichen eines Hotels auch hier um Rentabilität. »Dieses betriebswirtschaftliche Argument war für unseren Investor ein wesentlicher Faktor, diesem Vorhaben zuzustimmen«, erklärt Fiebig.

Mittlerweile läuft die Kaffee-Rösterei auf vollen Touren. Zur Auswahl stehen Länderspezialitäten aus 100 Prozent Arabicabohnen aus Indonesien, Brasilien, Äthiopien und Indien. Die Skepsis, mit der im Vorfeld der ein oder andere Fiebigs »dufter« Idee begegnete, war spätestens nach der Eröffnung im Dezember vergangenen Jahres Erstaunen und Begeisterung gewichen. Kaum ein Gast, der das Hotel nicht mit einem röstfrischen Souvenir im Gepäck verlässt. Klaus-Peter Fiebig: »Unsere Kaffee-Rösterei ist nicht nur ein optisches Highlight und eine weitere USP in unserem Hotel, sondern bereitet allen Beteiligten Freude.«
Info: www.vierjahreszeiten-iserlohn.de

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