Frühstück & Brunch

Kein Bruch dank Brunch

Der Brunch ist ein besonderes Ereignis: Man nimmt sich Zeit für Freunde und Familie und greift dafür auch gern mal tiefer in die Tasche. Diesen anhaltenden Trend sollten auch Hoteliers nutzen und den Brunch nicht nur anbieten, sondern »zelebrieren«. Wie das geht und wie sich der Brunch für das Hotel auszahlt, zeigen  ausgewählte Beispiele aus ganz Deutschland.

Lang ist’s her.Damals, als Großbritannien noch von Königin Viktoria regiert wurde und das Land inmitten der industriellen Revolution steckte; damals, Ende des 19. Jahrhunderts, begann auf der Insel die Geschichte des Brunchs. Zunächst hatte der aber keinen guten Ruf. Schließlich war es mit den Tugenden der bürgerlichen Lebensführung nur schwer zu vereinbaren, Frühstück und Mittagessen miteinander zu verbinden. Das Satiremagazin »Punch« schrieb sogar: »Wer sein Frühstück erst zur Mittagszeit einnimmt, muss Angehöriger jener müßiggängigen Subkultur sein, die vorwiegend aus Schriftstellern, bildenden Künstlern, Musikern und Studenten besteht – der Bohème.«

Kein Wunder also, dass sich dieses »anrüchige« Frühstück nicht im traditionsbewuss­ten Vereinigten Königreich, sondern in der Neuen Welt durchsetzte. Hochschulen und Jugendherbergen waren die ersten, die in den Vereinigten Staaten das »mittägliche Frühstück« anboten. In Europa hingegen galt das Mittagessen weiterhin als die wichtigste Mahlzeit, die man nicht einfach so ersetzen konnte. Schon gar nicht am heiligen Sonntag. Erst zur Mitte der 1980er-Jahre, als sich die Pluralisierung der Lebensstile auch hierzulande immer mehr durchsetzte, begann in Deutschland die Zeit der Brunchkultur.

Diese hat seitdem einen Wandel durchlaufen: »Während der Brunch in der Vergangenheit als Gelegenheit genutzt wurde, einen Geburtstag, eine Taufe etc. zu feiern, ist er mittlerweile immer öfter Anlass, ›Familie zu pflegen‹, sich mit Freunden zu treffen oder einfach der Muße zu frönen«, berichtet Olaf Feuerstein. Der Geschäftsführer des Freizeit In Göttingen offeriert in seinem Haus schon seit Mitte der 90er-Jahre jeden Sonntag den »Brunch mit Spezialitäten der Saison«. Im Frühjahr gibt es zum Beispiel den »Lamm- und Spanferkel-Brunch« sowie den »Spargel-Erdbeer- Brunch«, im Sommer »Feurig Gegrilltes« und im Herbst »Kürbis- und Wildspezialitäten«. Nach dem Prinzip »Why not?« habe er die Idee damals aufgegriffen und umgesetzt. Der Anfang war nicht leicht, musste doch einiges investiert werden – vor allem in die Werbung –, um das Angebot bekannt zu machen. Mittlerweile sei der Brunch ein »Erfolgsfaktor« für das Hotel, das im Dezember den 175.000. Brunch-Gast kürte. Durchschnittlich kommen jeden Sonntag 200 bis 230 Gäste in das Freizeit In, um spät und ausgiebig zu frühstücken. An Feiertagen wie Ostern und Weihnachten sind es sogar bis zu 600.

Doch lohnt sich das überhaupt? Schließlich dürfen die Gäste so viel essen, wie sie können und bleiben gerade sonntags gern länger sitzen. »Die Wareneinsätze sind mit 38 Prozent relativ hoch und die Renditen bewegen sich im niedrigen Bereich. »Trotzdem zahlt sich der Sonntagsbrunch aus: »Er fördert Umsätze und Beschäftigung, da er das für Hotels schwierige Sonntagmittaggeschäft belebt. Außerdem bringt er eine hohe Imagewerbung und Weiterempfehlungsrate für das Unternehmen«, berichtet Feuerstein. In seinem Hotel gehöre der Brunch mittlerweile zum Sonntag »wie das Gebet in der Kirche«. Er ist sich sicher: »Ein erhöhter Spin von Event und ›Being‹ wird den Brunch in den kommenden Jahren als wichtigen Faktor in der Gesellschaft entwickeln.«