Quality Check von Top hotel
So präsentierte sich das Riva Konstanz im aktuellen Hoteltest

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In traumhafter Lage direkt am Bodensee liegt das Luxushotel RIVA Konstanz. Für die Inhaber ist mit dem Haus laut Homepage ein Traum in Erfüllung gegangen. Ob dieser auch für die Gäste wahr wird, zeigt der anonyme Hoteltest von Top hotel.

MO. 03/07 - Telefonische Reservierung: Symbadisch

Mit samtenem Schmelz, »symbadischem« Zungenschlag und einem hörbaren Lächeln in der Stimme verkauft mir Frau F. das letzte verfügbare Zimmer – ein Superior-Zimmer mit seitlichem Seeblick für 372 Euro die Nacht inklusive Frühstück. Hört sie, wie ich schnappatme? Es muss an Frau F.’s Charme liegen, mit dem sie mir schildert, was ich im Hotel Riva alles Schönes machen kann, dass ich diesen Preis akzeptiere. Er kommt mir für eine einzelne Person sehr hoch vor. Aber es ist schließlich Hauptsaison und dann: das letzte Zimmer… Tatsächlich stellt sich bei Anreise heraus, dass der genannte Preis für zwei Personen gilt. Er wird nach unten korrigiert (282 Euro).
Wertung: sehr gut

Internet-Auftritt: Adäquat

Bildschirmfüllende Fotos transportieren Atmosphäre, die Navigation ist einfach und übersichtlich, prägnante Texte sagen alles, was gesagt werden muss. Mehr muss auch über diese Website nicht gesagt werden.
Wertung: sehr gut

Vorab-Telefonat: Chance verpasst

Dieser Name macht mich neugierig: »Time to come down« heißt eine Gesichts- und Fußmassage in der luxuriösen Spa-Broschüre, die sich mit einer Gesichtsbehandlung kombinieren lässt. Frau W. vom Spa hat am Telefon im Nu die gewünschte Behandlung zum gewünschten Termin reserviert. In das von ihr genannte Zeitfenster würde prima auch noch die Gesichtsbehandlung passen, doch auf die Idee, mir diese anzubieten, kommt Frau W. leider nicht. Dafür strahlt sie durchs Telefon: »Wir freuen uns auf Sie!«
Wertung: sehr gut

Lage und Anreise: Schön, schöner, direkt am See

So ein Hotelgrundstück direkt am Bodensee ist schon ein Sahneschnittchen. Zwischen Yachthafen und Casino an der Konstanzer Uferpromenade gelegen, ein bisschen weg vom Innenstadttrubel, aber noch nah genug dran, um zu Fuß dorthin zu gelangen, ist das Riva mehr als »gut situiert«. Wer wie ich an einem heißen Sommertag anreist, hinter den blendend weißen Gebäuden und dem grünen Platanendach das Blau des Wassers hervorlugen und dahinter die Schweizer Berge thronen sieht, dem geht nahezu zwangsläufig das Herz auf. Vor diesem Magic Moment hat mich ganz profan die A 81 bis Singen gebracht und anschließend ging es über die Bundesstraße den Untersee entlang. Hier staut sich der Verkehr schon einmal gerne, wie überhaupt zur Hauptsaison rund um den See. Bahnhof, Hafen und Innenstadt liegen etwa zweieinhalb Kilometer vom Hotel entfernt, zum nächsten – kleineren – Flughafen (Friedrichshafen) sind es 35 Kilometer. Das Riva bietet auf Anfrage einen Abholservice an.
Wertung: sehr gut

MI, 02/08, 13:48 - Check-in: Fast perfekt

Um die alte Jugendstilvilla, die früher einmal zum bekannten Seehotel Siber gehörte, haben die Eigentümer Birgit und Peter Kolb einen modernen Neubau in L-Form gesetzt. Dessen Eingang ist verwaist, als ich vorfahre, von einem Portier, Pagen oder Wagenmeister ist nichts zu sehen. Ich parke deshalb zunächst einmal am Straßenrand und betrete das zeitgenössisch geschmackvoll möblierte Entree. Gleich drei junge Männer lächeln mich hemdsärmelig an. Hemdsärmelig deshalb, weil ihre Uniform aus schwarzen Hosen und weißen Hemden mit hoch gekrempelten Ärmeln besteht. Das sieht ordentlich aus und ist trotzdem leger. Und ganz sicher bequem. Herr R. lächelt am breitesten, weshalb ich mich ihm zuwende. Er heißt mich herzlich willkommen. Ein gekühltes Tüchlein erfrischt mich auf die Schnelle, der Frage nach meiner Anreise folgt ein kurzes Plaudern. Mein Zimmer ist in etwa 15 Minuten bezugsbereit – »Möchten Sie vielleicht solange einen Kaffee trinken?« Nachdem wir noch geklärt haben, dass ich allein reise und auch der Zimmerpreis korrigiert ist, nehme ich ein Erinnerungskärtchen für die Spa-Behandlung in Empfang und auch meine Reservierung im Gourmetrestaurant wird noch einmal bestätigt. Dann händige ich Herrn R. meinen Autoschlüssel aus und begebe mich frohgemut auf die Terrasse.
Wertung: sehr gut


 13:53 - Terrasse: Bilderbuchmäßig

 

Es wird nicht das letzte Mal sein, dass ich von diesem Ambiente schwärme. Die Terrasse auf zwei Ebenen, beschirmt von Sonnendächern und Platanen und mit direktem Blick zum See, zumindest von der oberen Ebene aus, ist wahrlich ein schöner Platz zum Entspannen und Genießen. Bequeme Korbmöbel stehen vor Teakholz-Tischen, die nonchalant eingedeckt sind mit Tischsets, Stoffservietten und einem Rosmarin-Topf. Obwohl es schon kurz vor zwei ist, darf ich sowohl aus der großen (bis 14 Uhr) als auch aus der kleinen Karte wählen. Das Rindercarpaccio mit Waldpfifferlingen, Kopfsalatherzen und Schalotten-Vinaigrette ist genau das Richtige für diesen heißen Mittag – ein bisschen mehr Vinaigrette hätte es allerdings schon sein dürfen. Viel Spaß macht mir Herr K., ein kommunikativer, ohrberingter und wie seine Kollegen hemdsärmeliger junger Mann, der hier perfekt Badisch plaudert, dort Stammgäste verabschiedet und dennoch mit den Augen überall ist. Mir schenkt er Wasser nach, bietet Kaffee an, erkundigt sich nach meinen Plänen für den Aufenthalt und erzählt von seiner vor Kurzem beendeten Zeit auf der MS Europa. Mitarbeiter wie Herr K. bereichern ein Restaurant ungemein. Und seine Freude scheint ehrlich, als ich bei ihm einen Tisch für den Abend bestelle.
Wertung: sehr gut

Öffentliche Bereiche: Gekonnt, gestylt, gepflegt

»Riva« heißt »Ufer« – und Wasser spielt eine wichtige thematische Rolle im Hotel. An vielen Stellen begegnet man der Welle als Gestaltungselement und wo immer es möglich ist, orientieren sich die Räume hin zum See. Als mich Herr R. vom Empfang aufs Zimmer begleitet, nehmen wir die Treppe nach oben: ein freitragendes, oval gewendeltes Prachtstück, das doch tatsächlich einem Wasserbassin im Untergeschoss entspringt. Hohe, weite Flure, hier ein lila Sofa, dort eine Granitkonsole voller Orchideen, große moderne Gemälde an den Wänden – überall in diesem lichten, geradlinigen Gebäude stößt man auf stylishe Hingucker und innenarchitektonische Highlights. Geschmackvoll, gekonnt und – wichtig – bestens gepflegt. Anders, aber ebenfalls schön und gut: das Ambiente der Jugendstilvilla, in der einige Zimmer und das Gourmetrestaurant untergebracht sind.
Wertung: sehr gut

Zimmer 303: Luftig, licht und komfortabel

Mein Gepäck ist schon da, als wir das Zimmer betreten. Als erstes bittet mich Herr R. auf den Balkon, um mir den schönen – seitlichen – Blick auf den See zu zeigen. Dann erklärt er mir die Minibar (kostenlos) und die Klimaanlage (einfach zu bedienen). Er macht mich auf das separate WC aufmerksam (»Das haben wir in allen Zimmern«) und auf die beiden Bademäntel in unterschiedlichen Größen (wobei die Badeschlappen einheitlich groß sind). Mit der Information, dass die Rezeption 24 Stunden besetzt sei und quasi nur darauf warte, mir behilflich zu sein, verabschiedet sich der liebenswürdige Empfangsmitarbeiter und wünscht mir »ein paar wunderschöne Tage«.

Geschätzte 35 Quadratmeter hat das quer zur Front liegende Superior-Zimmer, dessen durchgehende Verglasung mit großen Schiebetüren es sehr licht wirken lässt. Verdunkelungsvorhänge und ein Mückengitter sorgen für dennoch erholsamen Schlaf bei frischer Luft. Den raumbreiten Balkon überspannt ein Sonnensegel, zum Nachbarn wächst als Sichtschutz eine Glyzinie. Mit Liege, Tisch und zwei Stühlen lässt es sich hier gut aushalten, wenn man die Sonne für sich genießen will. In ruhigen, hellen Naturtönen gehalten, mit ein paar Farbtupfern in Türkis, nimmt sich der Raum zurück und lässt den schönen, wertigen Teakholzboden wirken. Teak ist im Zimmer, im Bad sowie im ganzen Haus ein wiederkehrend eingesetztes Material – auch das eine Referenz ans Wasser beziehungsweise an den Schiffsbau, in dem dieses Holz von jeher gern verwendet wird. Neben dem geräumigen Boxspring-Doppelbett mit Beistelltischen besteht die Einrichtung aus zwei Sesseln und einem Couchtisch, unter dem ein Hochflorteppich den Füßen schmeichelt, sowie einem kleinen Schreibtisch aus weißlackiertem Holz mit einer unbequemen Bank darunter, deren Polster ihr ein Minimum an Sitzkomfort verleiht. Arbeiten sollte man hier besser nicht müssen. Der Flachbildschirm über dem Schreibtisch lässt sich auch Richtung Bett drehen, ist jedoch mit einer Diagonale von 64 Zentimetern eher bescheiden ausgefallen. In drei schmalen Schrankabteilen hängen zwei Pullover- und zehn Holzkleiderbügel; ein weiteres Schrankabteil bietet Fächer und Schubladen. Hier ist auch der Safe untergebracht. Die kostenlose Minibar ist bestückt mit Bier, Cola, Saft und Wasser, die dazu bereit gehaltenen Gläser sind sauber.  Auf dem Couchtisch empfängt mich ein adrettes Obstarrangement samt Begrüßungskärtchen der Empfangsleiterin (nicht: der Inhaber) sowie ein kleines Weckglas mit Walnüssen und Cranberrys. Ein origineller und gesunder Minisnack.

Ich habe zwei Zimmerkarten erhalten, sodass ich mit der einen – permanent in den Stromschlitz eingesteckt – die Klimaanlage am Laufen halten kann, selbst wenn ich nicht im Zimmer bin. Auch ohne eingesteckte Karte geht das Licht kurz an, wenn man das Zimmer betritt, was am Abend hilfreich ist, um sich zu orientieren. Bett und Sessel sind be-quem, Bettwäsche und Matratze präsentieren sich hochwertig und sauber. Die Beleuchtung ist angenehm und reicht am Bett zum Lesen. Das Zimmer passt gut zum Interieur des Hauses, hat definitiv Wohlfühlatmosphäre und ist, sieht man einmal vom Schreibtischhocker ab, sehr komfortabel. Nur eine Espressomaschine oder wenigstens einen Heißwasserbereiter vermisse ich schmerzlich.

Die Lichtschalterumrandungen und der Holzboden in den Ecken sind hinsichtlich Staub dem prüfenden Blick der Hausdame entgangen. Ansonsten ist das Zimmer wirklich gut gereinigt.
Wertung: sehr gut

Das Bad: Viel Licht, ein bisschen Schatten

Ein separates WC ist immer von Vorteil, insbesondere wenn man das Hotelzimmer zu zweit bewohnt. Auch die großzügige, begehbare Dusche und der Waschtisch aus Teak, der viel Ablage- und Staufläche bietet, verleihen dem Bad Wertigkeit. Wohlduftende Amenities von L’Occitane (Duschgel, Shampoo, Body Lotion und Seife) tragen ein Übriges hierzu bei. Ein raumhohes Glaselement zum Zimmer hin bringt Tageslicht und kann per Jalousie blickdicht gemacht werden. Zu guter Letzt sind es noch die Fußbodenheizung, der Heizkörper mit Handtuchhalterung, die Regenbrause, die schicken Armaturen und die nicht minder schicke ovale Form des Waschtischs, die bei diesem Bad Eindruck machen.

Wie schade, dass nicht alles hundertprozentig stimmt: Über den schlichten, weder höhenverstellbaren noch beleuchteten Vergrößerungsspiegel kann ich nur den Kopf schütteln. Das Gleiche gilt für die Deckenstrahler, die so angebracht sind, dass sie – egal, wo man vor dem Spiegel steht – das Gesicht verschatten. Zum Rasieren und Schminken geht man deshalb besser in die Toilette – dort ist das Licht besser. Was den Erhaltungs- und Sauberkeitszustand des Bades betrifft, so ist die Silikonleiste an der Duschtür nicht mehr ganz einwandfrei und auf der Sockelleiste im WC findet sich ein bisschen Staub. Ansonsten ist das Bad gut geputzt. Sogar das Vlies in den Abluftgittern ist einwandfrei sauber.
Wertung: gut


 15:33 - Housekeeping – Wäscheservice: Bügeln geht

 

Wäschereiservice wird laut Formular von Montag bis Donnerstag von einem auf den anderen Tag angeboten (Abgabe bis 12 Uhr, Rückgabe am Folgetag bis 12 Uhr). Von Expressservice ist keine Rede. Das erscheint ein bisschen dürftig für ein Fünf-Sterne-Superior-Haus. Ich erreiche unter der Housekeeping-Kurzwahltaste eine sehr zuvorkommende, deutschsprachige Hausdame, die ich um zwei Klemmbügel, eine leichtere Sommerdecke und um das Aufbügeln zweier Kleidungsstücke bis zum Abend bitte. »Kein Problem«, sagt sie. Acht Minuten später steht eine schwarz gekleidete, adrett bezopfte Housekeeping-Mitarbeiterin vor meiner Tür. Sie bringt Decke und Bügel, nimmt eine Bettdecke im Austausch mit, sowie die beiden Kleidungsstücke – ohne ausgefülltes Formular oder Wäschebeutel. Auch diese Mitarbeiterin ist sehr zuvorkommend und wünscht mir freundlich einen schönen Tag, bevor sie geht. Als ich um 18 Uhr zurück ins Zimmer komme, hängen beide Sachen ordentlich gebügelt an der Garderobe – ohne Preisangabe. Auf der Schlussrechnung finde ich den Posten mit zehn Euro berechnet.
Wertung: gut

Sauna: So heiß

Den Saunagang kann man sich eigentlich schenken – eine halbe Stunde auf einer Liege im Ruhebereich hat den gleichen Effekt. Die Räume im zweiten Obergeschoss des Neubaus sind vollflächig mit Glasfronten nach Süden und Westen versehen, welche bei Sonneneinstrahlung die Raumtemperatur auf weit mehr als die außen herrschenden 32 Grad ansteigen lassen. Die von innen mit hübsch klimpernden Perlmutt-Vorhängen geschmückten Glasfronten wären wohl auch zu verschatten, wie ein Foto der Website zeigt. Warum tut man das nicht? Schließlich sind Sauna und Dampfbad auch im Sommer ab 10 Uhr beheizt. Leider ist auch der Eisbrunnen, der für Abkühlung sorgen könnte, außer Betrieb. So ist dieser attraktive Bereich während meines Aufenthaltes kaum zu nutzen. Nur von der üppig bestückten Obstplatte, die für Sauna-Hardliner aufgebaut ist, bediene ich mich gern.
Wertung: befriedigend

Fitness: Sport? Hier Mord

Obwohl nach Norden gelegen, ist es im Fitnessraum ebenfalls zu warm. Auf eine Klimaanlage hat man hier offensichtlich verzichtet und das offene Fenster schafft bei den herrschenden Temperaturen auch keine Abhilfe. Vier Technogym-Ergometer stehen bereit, alle funktionsfähig, aber mit seltsam krisseligen Displays. Es gibt einen Wasserspender, Spray und Tücher zum Abwischen der Geräte. Kein sehr umfassendes Trainingsangebot, aber immerhin.
Wertung: befriedigend

17:00 - Massage »Time to come down«:  Entspannung vom Feinsten

Ach, liebe Frau W., am liebsten würde ich jeden Tag mit Ihnen »runterkommen«! Ihre »Time to come down«-Behandlung ist mit das Beste, was ich seit Langem an Spa-Treatments genießen durfte. Eine Kombination aus Gesichts-, Kopf- und Fußmassage, mit erfrischendem Aloe-Vera-Gel und warmen Menthol- und Kampferkompressen, die nach Reinheit und Gesundheit duften und mich, wie in der Spa-Broschüre angekündigt, in die »ganzheitliche körperliche Balance« führen – ganz wunderbar. Und mit 64 Euro für 45 Minuten auch preislich akzeptabel. Dazu Ihre herzliche Art, Ihre kompetenten Erklärungen, Ihr einfühlsames Nachfragen, der ansprechend gestaltete (und angenehm gekühlte) Raum – wäre jetzt noch absolute Ruhe gewährleistet, würde ich Ihnen 100 Punkte geben. Schade, dass die Gespräche im Vorraum so deutlich zu hören sind. Und noch ein Tipp: Ein Aufsteller auf Ihrem Tresen, wann und wie Sie zu erreichen sind, vor allem, wenn Sie und Ihre Kolleginnen in Behandlung sind, wäre hilfreich. Ein Notizblock für Nachrichten und Rückrufbitten ebenso.
Wertung: sehr gut

Message Transfer: Unvollständig

Ein stilvoll mit Füller handgeschriebenes Kärtchen informiert mich bei der Rückkehr ins Zimmer, dass mich Person XY über die Rezeption erreichen wollte. Aller Stil nützt jedoch wenig, wenn ich weder erfahre, wann diese Person angerufen hat, noch dass ich dringend zurückrufen soll.
Wertung: noch befriedigend

Turndownservice: Homemade Betthupferl

Die Vorhänge sind zugezogen, das Bett ist aufgedeckt, Fernbedienung und TV-Programm liegen auf dem Nachttisch und der Fernseher ist zum Bett hin ausgerichtet. Die Papierkörbe und Mülleimer wurden geleert, die Obstschalen beseitigt und das einmal benutzte Handtuch ausgetauscht, obwohl es auf der Stange hängt. Sparsamer Gebrauch von Frottierwaren scheint in diesem Haus kein Thema zu sein; einen entsprechenden Hinweis finde ich jedenfalls nicht. Ein Schmankerl ist das Betthupferl – zwei köstliche Stänglein Schmalzgebackenes. Und am zweiten Abend gibt’s hausgemachte Schoko-Crossies.
Wertung: sehr gut


 20:00 - Restaurant Riva – Seeterrasse: Uneingeschränkter Genuss bei eingeschränktem Blick

 

Mein neuer Freund, Herr K., hat wohl verbaselt, dass ich bei ihm meine Reservierung von 19:30 Uhr auf 20:00 Uhr verschoben habe. Denn um 19:50 Uhr ruft mich Restaurantleiter R. an: Ob ich gedenke, noch zum Essen zu kommen? So ist denn auch mein Tisch auf der oberen Terrasse vergeben und ich werde vom Restaurantleiter an einem Tisch auf der unteren Terrasse platziert. Die Tatsache, dass die obere Terrasse die vordere, näher zum See gelegene ist und man folglich auf der unteren, hinteren, näher zum Haus gelegenen Terrasse keinen direkten Seeblick hat, kommentiert der Restaurantleiter mit den Worten: »Tja, da haben es die Erbauer auf gut Deutsch verschissen.« Einmal abgesehen davon, dass er wohl meint, die Erbauer hätten Scheiße gebaut, sind Ausdrucksweise wie Aussage definitiv fehl am Platz. Doch auch ohne den ganz großen Blick erfreue ich mich an meinem leckeren Abendmahl, gut betreut vom reumütigen Herrn K., der freimütig erklärt, er habe schon eins auf den Deckel bekommen.
Die Karte des Riva Restaurants offeriert Klassiker und ein ambitioniertes Allerlei, zu dem Ceviche von der Gelbflossenmakrele und eine Meeresfrüchte-Variation für zwei Personen ebenso gehören wie Filet und Rippe vom Iberico Schwein mit Spitzkohl, Gnocchi und Pfifferlingen. Die Karte liest sich gut und ist so gestaltet, dass wirklich jeder Gast fündig wird. Die Preise sind gehoben, aber nicht abgehoben. Als ich mich für den Klassiker Filet vom Bodenseefelchen mit Rieslingsauce, Blattspinat, Pinienkernen und Salzkartoffeln interessiere, bietet Herr K. mir eine halbe Portion an: »Falls Sie keinen so großen Appetit haben.« Akzeptiert. Wie auch das »Piffchen« vom zur Sauce passenden Riesling. Herr K. lernt einen neuen Begriff kennen und ich bekomme reichliche 0,1 Liter freihändig ins Glas eingeschenkt.

Zu zweierlei warmem Brot schmeckt der Holunder-Basilikum-Dipp mit Frischkäse fein. Das Felchenfilet hat genau die richtige Größe für ein leichtes Abendessen und schmeckt hervorragend. Da im Magen noch ein wenig Platz ist, lasse ich mich von Herrn K. zu »fein affiniertem Rohmilchkäse von Maître Antony« überreden, dem genialen Käse-Affineur aus dem elsässischen Sundgau. Die Häppchen von Roquefort, Munster, Comté und Ziegen-Saint Maure werden mit Gewürzbrot, Feigensenf und Weintrauben serviert und runden mein Mahl ganz ausgezeichnet ab. Schade, dass Herr K. mir nicht die Beerenauslese vom Naheweingut Johanneshof dazu angeboten hat. Ich staune über die Rechnung, die die halbe Portion Felchen mit 22 Euro statt 25 Euro ausweist und den halben Riesling mit sechs Euro statt zehn Euro. Meine gute Laune vermag die seltsame Algebra allerdings nicht zu trüben. Dazu ist der Abend einfach zu schön. Mondfarbene Lampen hängen wie Lampions in den Bäumen, Traumfänger wiegen sich in der leichten Brise, leise Musik tönt aus versteckten Lautsprechern. Viel schöner kann ein Sommerabend am See kaum sein. Höchstens an einem Tisch mit direktem Blick.
Wertung: noch sehr gut

22:45 - Riva Bar: Nichts mehr los

Bestimmt ist die schicke Bar mit den Designermöbeln, der offenen Feuerstelle und dem Blick in das verglaste Weinkabinett im Winter ein attraktiver Treffpunkt. Als ich um 22:45 Uhr auf einen Night Cup dort eintreffe, ist die Bar jedoch gähnend leer. Einige wenige Menschen sitzen noch verstreut auf der Terrasse, doch der heiße Tag scheint Gästen wie Mitarbeitern jegliche Energie geraubt zu haben. Letztere räumen schon sichtbar abgekämpft dieRestaurantterrasse auf, schließen Sonnenschirme, packen Polster weg. Ich werde dennoch höflich bedient. Aus der Barkarte, die mehr auf Spirituosen als auf Cocktails setzt, habe ich mir einen »Basilica« ausgesucht, der mit Gin, Spicy Ginger-Ale, Limettensaft, Passionsfruchtpüree und Basilikum einen herb-frischen Schlusspunkt unter den Tag setzt. Der perfekt gemixte Drink wird mir zusammen mit gerösteten Cashews und einer Haselnussmischung serviert. Als ich mein Glas geleert habe, bin ich auch auf der Terrasse der letzte Gast. Und bei der jungen Crew gewinnt die Erschöpfung die Oberhand. Ein weiteres Getränk wird mir nicht angeboten.
Wertung: gut

DO. 03/08, 09:15 - Frühstücksbuffet: Pork statt Porridge

Vier Euro plus drei Euro Roomservice-Aufschlag kostet der Milchkaffee, den ich am Morgen aufs Zimmer bestelle. Was wäre es doch für eine nette Geste, Koffeinjunkies wie mir einen Morgenkaffee einfach so zu servieren, ohne Berechnung. Wenn man schon keine Kaffeemaschine im Luxuszimmer anbietet. Meine Stimmung hebt sich, als ich beim Frühstück in die Liga der oberen zwei Dutzend aufsteige und – endlich – einen Platz auf der oberen Terrasse ergattere. Der See ruht still und die Boote im Yachthafen schaukeln sacht vor sich hin. Möwen kreischen, Jogger laufen am Ufer entlang, Spatzen raufen sich unter dem Tisch um die Krümel. Sonntagsstimmung und Sommerfriede. Am Frühstücksbuffet im Inneren der Villa werde ich vielfältig fündig. Und doch: Gemessen am kulinarischen Anspruch dieses Hauses hätte ich mir (noch) mehr erwartet. Appetitlich angerichtet und unter gläsernen Spuckschutzmarkisen locken üppige Obstplatten, Rote Grütze, Kräuterquark mit Gemüsesticks und Fleischsalat. Auf kleinen Tellerchen gibt es Caprese und Basilikumpesto. Auch Antipasti stehen bereit.

Zweierlei Birchermüsli – mit und ohne Rosinen und Nüsse – erfreuen den gesundheitsbewussten Gast ebenso wie die Tatsache, dass es frisch gepressten Karotten- und Grapefruitsaft gibt. Ein frisch gepresster Apfel-Karotten-Saft ist auf Nachfrage und ohne Aufpreis erhältlich. Das angesagte Ingwerwasser fehlt ebenso wenig wie ein gut gekühlter Secco, Mineralwasser und Milch in zwei Fettstufen. Und sehr gut: Am Teebuffet wartet frische Minze, in Teegläser gefüllt, schon fix und fertig auf den Aufguss. Es gibt zweierlei Räucherlachs und dreierlei Matjes und einen Shrimps-Cocktail, der – nicht ganz ungefährlich – auf dem Rand der Kühlung steht. Das Brot ist schmackhaft, die Brötchenauswahl eher klein, und gar nicht verstehen kann ich, warum man bei einer so leistungsstarken hauseigenen Patisserie den Gast beim Frühstück nicht ein bisschen damit verwöhnt. Süßschnäbel müssen sich stattdessen mit langweiligen Muffins und noch langweiligeren Croissants vom Bäcker begnügen.

Auch die Wurst-, Schinken- und Käseauswahl ist nur guter Durchschnitt und dazu völlig unzureichend beschriftet. Wie auch die Chafing Dishes, in denen Rührei, Speck und Würstchen feilgeboten werden. Ein arabischer Gast muss folglich fragen, ob das »Pork« ist. Und es ist alles »Pork«. Auch dazu gäbe es ja Alternativen. Apropos Alternativen: Die Frühstückskarte auf den Tischen offeriert Eier-Variationen und hausgemachte Waffeln. Sonst nichts. Und so stößt auch meine Bitte um ein Schälchen Porridge bei Frau F. auf bedauernde Ablehnung. Ich glaube fast, sie weiß nicht, was das ist. Doch stolz erklärt sie mir wenig später am Buffet, dass alle Konfitüren hausgemacht sind (»von einer Hausfrau am Bodensee«) und dass ich »natürlich« gluten- und lactosefreie Produkte haben kann – wenn ich diesen Wunsch vorab anmelde.
Wertung: gut


 Housekeeping – Remake: Zweierlei Maß

 

Jeweils zwei Mitarbeiter teilen sich die Zimmerreinigung auf. Meine arbeiten dabei mit zweierlei Maß. Das Zimmer wird ordentlich wiederhergerichtet, das Bett gemacht, der Teppich gesaugt, die Tasse weggeräumt, das Glas gespült, das Getränk aufgefüllt. Selbst meine Kleidung wird säuberlich zusammengelegt. Das Geld auf dem Nachttisch bleibt unangetastet. Wer jedoch auch immer das Bad geputzt hat, ging dabei deutlich schludriger vor. Lediglich Spiegel, Dusche und Waschbecken wurden gereinigt. Aber weder hat die verantwortliche Person meine Waschutensilien aufgeräumt – was zur Folge hat, dass auch die Waschtischablage nicht sauber ist – noch das Zahnputzglas gespült, und auf dem Boden finde ich genau da, wo ich es ausgelegt habe, ein Büschel Haare. Am deutlichsten wird die Oberflächlichkeit der Putzerei jedoch in der Toilette. Während das Toilettenpapier fein säuberlich gefaltet ist, sind die UV-Markierungen an allen Stellen der Toilette noch in vollem Umfang vorhanden. Hier wurde nicht einmal »darübergewischt«.
Wertung: mangelhaft

11:00 - Front Office – Fahrrad, Picknick, Auto: Ein Nein bleibt ein Nein

Freundlich sind sie alle und auch hilfsbereit. Doch der Grad dessen, was die Empfangsmitarbeiter des Riva für den Gast zu tun bereit sind, variiert. Ein Rad ausleihen? Kein Problem. Die E-Bikes sind aber schon alle weg. Ein E-Bike woanders organisieren? »Schwierig!« Vorschläge für Radtouren? Kein Problem. Frau S. kennt sie alle, gibt eine Karte mit, empfiehlt Fahrrad-Schiffstouren und hat auch noch Tipps für den Altstadtbummel parat. Ein Picknickkorb? »Schwierig!« Aber das normale Lunchpaket ist zu machen, ebenso wie eine Fahrradtasche zum Verstauen der Habseligkeiten. Den Bodenraum vor dem Beifahrersitz meines Autos aussaugen? »Schwierig!« Man habe zwei Krankheitsfälle an der Rezeption und sei von daher nur knapp besetzt. Auch als ich freundlich insistiere, es handele sich dabei um einen Zeitaufwand von nicht einmal fünf Minuten, höre ich: »Ich kann es Ihnen nicht versprechen.« Und mein Auto bleibt ungesaugt.
Wertung: befriedigend

Front Office – Gästebucheintrag (ohne Bewertung): Ertappt

Auf dem Rezeptionstresen liegt das Gästebuch aus. Ein eng geschriebener, ganzseitiger Eintrag erregt meine Aufmerksamkeit. Er stammt vom aktuellen Tag, ist auf Französisch geschrieben und betitelt mit der aussage-kräftigen englischen Überschrift: »HOTEL – NO GOOD!« Ein Rezeptionist sieht mich lesen und bittet mich zu übersetzen. Doch was er hört, gefällt ihm wenig. Denn die bescheidenste Kritik der Gäste ist noch die, dass an der Rezeption niemand Französisch spricht. Halbherzig versucht der Rezeptionist die Vorwürfe zu entkräften, ohne dabei die Gäste in Misskredit zu bringen. Ich rate ihm, die Seite aus dem Gästebuch zu reißen, doch tapfer schlägt er sie nur um.

Lunchpaket: Lieblos

Als ich an einem idyllischen Platz am Ufer des Bodensees mein Lunchpaket auspacke, packt mich die Wehmut. Ich muss an das Picknick eines Berliner Luxushotels denken, welches mir einmal mit auf die Fahrradtour gegeben wurde und das vor Köstlichkeiten barst. Mein Riva-Lunchpaket kostet zwar nur ein Viertel davon, ist aber mit 28 Euro nun auch nicht gerade billig. Dafür sind die Schätze, die ich vor mir ausbreite, überschaubar: Ein belegtes Weißmehlbrötchen mit Schinken und Käse, ein paar trockene Laugenteilchen, eine Tupperbox mit Landjägerstücken, Käsestreifen und Gemüsesticks, ein Apfel, eine Banane, eine kleine Packung Chips und ein Billig-Müsliriegel. Eine »Süßigkeit aus der hauseigenen Patisserie« (die Homepage zum Lunchpaket) ist das nun ganz sicher nicht. Zu trinken gibt es zwei Flaschen Wasser, einen Apfel- und einen Orangensaft. Je zwei der Flaschen sind mit einer Kühlmanschette versehen, die sie tatsächlich kühl gehalten hat. Dafür fehlen die Servietten. Ich verschenke die Säfte und die Chips, esse Obst und Käse, schaue auf den See und träume – ausnahmsweise – von Berlin.
Wertung: befriedigend

Pooldeck: Insel der Glückseligen

Wir befinden uns im Jahr 2017 n. Chr. Ganz Deutschland stöhnt unter der brütenden Augusthitze. Ganz Deutschland? Nein! Eine kleine Schar privilegierter Reisender rastet und ruht auf dem Dach des Riva-Neubaus. Es ist an Tagen wie diesen tatsächlich eine Insel der Glückseligen. Platanen beschatten den geräumigen Pool, roter Fächerahorn und helle Sonnenschirme die bequemen Liegen. Wellenförmig schlängeln sich Holzdecks um Pampasgras-Inseln und die gläserne Umrandung des Decks gibt den Blick frei auf See und Berge, Schiffe und Stadt. Ein Traum. Der hin und wieder aufs Angenehmste unterbrochen wird von Ole S., dem gut gelaunten Pool Steward, der mit einer Scheibe Wassermelone, einem Bananensorbet oder einem Holunderjoghurt vorbeikommt. Er hat sogar kostbares Aloe Vera Gel dabei, mit dem man Sonnenschäden reparieren kann. Das alles ist so herrlich, so entspannend, so wahrlich luxuriös, dass man ohne zu murren in Kauf nimmt, dass aus der Pooldusche nur warmes Wasser kommt, dass es hier oben keine Umkleidemöglichkeit gibt, dass niemand die Kinder stoppt, die unermüdlich ins Wasser hüpfen, oder den Mann, der unhygienisch im T-Shirt schwimmt. Und dass Ole um 17 Uhr den Dienst quittiert, obwohl es da eigentlich am Pool erst richtig losgeht. Aber man kann ja noch telefonisch Getränke bestellen.
Wertung: noch sehr gut

Sicherheit: Tür und Tor offen

So transparent und offen wie das Hotelgebäude gestaltet ist, kann es keine Festung sein. Ungebetenen Gästen wird es jedoch zusätzlich leichtgemacht, bis zu den Gästezimmern zu gelangen. Von der Tiefgarage kommt man ohne Karte ins Gebäude, mit dem Aufzug ohne Karte nach oben und im Erdgeschoss informiert ein Display nur halbherzig, dass die Benutzung der schönen Treppe Hausgästen vorbehalten ist. Vielleicht setzt man auf die Kameras, die in allen Stockwerken angebracht sind. Aber selbst diese nützen wenig, wenn das Housekeeping jedem freundlich bittenden Menschen eine Zimmertür öffnet – so wie mir. Das ist nun einmal das absolute No-Go. Weshalb das gute Sicherheitsverständnis am Empfang, wo einem Anrufer meine Zimmernummer charmant verweigert wird, dies ebenso wenig auszugleichen vermag wie die Tatsache, dass kaum zwei Minuten nach dem Drücken des Sauna-Notrufknopfes ein Mitarbeiter dort nach dem Rechten schaut. Aber es soll wenigstens lobend erwähnt werden.
Wertung: ungenügend


 19:30 - Restaurant »Ophelia«: Große Oper

 

Ein Abend auf der Terrasse des Restaurant Ophelia ist wie eine Aufführung von »Carmen« auf der Bregenzer Seebühne: große Oper, zeitgenössisch interpretiert und perfekt umgesetzt vor grandioser Kulisse. Von der Begrüßung durch Maître Werner Hinze über den Service durch sein Team bis hin zur Verabschiedung durch Zwei-Sterne-Koch Dirk Hoberg – alles scheint hier mühelos, locker und leichtfüßig zu laufen, was einen besonders hohen Grad an Können voraussetzt. Nur aus den Augenwinkeln nehme ich das dezente, stilvolle Ambiente der Restauranträume wahr, durch die mich Werner Hinze auf die Terrasse des im ersten Stock der Jugendstilvilla gelegenen Gourmetrestaurants führt. Alles spielt sich an diesen Tagen im Freien ab und das ist ganz sicher kein Nachteil. Auf der gerundeten, Sonnensegel-beschatteten Terrasse herrscht eine angenehm sommerlich-leichte Atmosphäre, die noch schöner wird, als bei einbrechender Dunkelheit der Mond die Szenerie beleuchtet. Die Dekorationen auf Terrasse und Tischen sind sparsam gehalten und lassen so das Drumherum – den Ausblick und die Speisen – umso mehr wirken. Zum Aperitif entscheide ich mich für den Hauscocktail aus Reichenauer Gurke mit Gin und Tonic, was sich als sehr erfrischender Einstieg erweist. Die Terrasse ist voll; insgesamt 23 Gäste werden an diesem Abend von sechs Servicemitarbeitern betreut, alle ohne Ausnahme kompetent, herzlich und – obwohl sie in ihren schwarzen Anzügen furchtbar schwitzen müssen – von legerer Nonchalance.

Die Menükarte listet drei Vorspeisen, acht Zwischengänge, vier Hauptgänge und drei Desserts. Mit Sternchen sind diejenigen Gänge gekennzeichnet, die Dirk Hoberg als Fünf-Gänge-Menü empfiehlt, welches 145 Euro kostet; das Sechs-Gänge-Menü ist für 170 Euro, das Vier-Gänge-Menü für 120 Euro zu haben. Es gibt eine vegetarische Variante, eine vegane – informiert die Homepage – kann nicht angeboten werden. Kinder sind im Gourmetrestaurant ab acht Jahren willkommen, sagt die Website. Ich folge der Empfehlung des Küchenchefs, beschränke mich aber auf vier Gänge. Bevor es mit diesen losgeht, werde ich mit zwei Runden bildschöner Köstlichkeiten verwöhnt, die Dirk Hoberg und sein Souschef den Gästen höchstpersönlich kredenzen und erklären. Zum Brot gibt es ganz klassisch ein Näpfchen gesalzener Butter mit aufgeprägtem »Ophelia«-Schriftzug.

Als ich mich gegen die Weinreise (0,1l zu jedem Gang) entscheide, vermeine ich eine minimale Missbilligung in Maître Hinzes Blick zu erkennen, doch ist er zu sehr Profi, um sich nicht gleich wieder im Griff zu haben. Weine sind seine Leidenschaft und ich kann im Verlauf des Abends miterleben, wie Hinze aufblüht, wenn er diese mit Gästen teilen kann. Mir schlägt er nun zwei Weine aus der Region vor, als Weißwein zu den Vorspeisen einen 2016 Grauburgunder von Kress aus Hagenau und zum Hauptgang einen Clauß Urbanus von 2013. Selbstredend hervorragende Empfehlungen.

Und nun rollen die Genusswellen über mich hinweg, in schön gleichmäßigem Rhythmus – die Gänsestopfleber mit Fichtensprossengranité und feinem Pfirsich, die Fjordforelle mit Zucchini und Quinoa, das US Prime Rind mit Mais, Erbsen und Bohnen. Dazwischen allerlei von der Zitrone in der Zitrone, danach ein Kirschsorbet mit legierter Kirsche und Kirschcrunch. Ich koste und schlemme und stelle über alle Gänge hinweg erstaunt fest, dass ich noch nie so intensiv einzelne Aromen wahrgenommen habe. In der Komposition ist jeder Gang ein Erlebnis, aber auch jeder einzelne Speisenbestandteil für sich genommen ist eine Offenbarung. Ein wunderbar erfrischender Abschluss scheint mein Nachtisch aus Kiwi, Matcha Tee und Quark zu sein, doch ihm folgen noch diverse als »Petits Fours« diskreditierte Leckerbissen, darunter eine Orangenpraline, die – mit Tequila Sunrise gefüllt – im Mund zu explodieren scheint. Nach dem Espresso, zu dem neben weißem und braunem Zucker auch hausgemachter Chili- und Ingwerzucker gereicht werden, würde ich mir jetzt noch einen Digestif wünschen, doch es hat den Anschein, als habe mich Maître Hinze schon »abgehakt«. Das ist aber auch die einzige Kritik, die ich an diesem Abend anzubringen habe. Ich bin trotz der vier Gänge und der vielen Extras nur angenehm satt, dafür bis zum Rand voll mit neuen Geschmackserlebnissen. In der Villa treffe ich auf Dirk Hoberg, einen bescheiden auftretenden, sympathischen 36-Jährigen in Turnschuhen, der sich offenbar gerne die Zeit nimmt, einen Moment mit mir zu plaudern, ehe er mich sehr nett verabschiedet.
Wertung: ausgezeichnet

Schuhputzservice: Der Lack ist noch dran

Ein Kästchen oder Säckchen gibt es nicht, in das man zu putzende Schuhe tun kann. Also stelle ich ein Paar Lackschuhe einfach vor die Tür und hoffe, dass man mir das empfindliche Leder nicht verdirbt. Doch siehe da, die Schuhe glänzen am nächsten Morgen und strahlen so mit mir um die Wette.
Wertung: sehr gut

FR. 04/08, 07:45 - Weckruf

Das Telefon klingelt pünktlich. Eine freundliche, männliche Stimme spricht mich mit Namen an, wünscht mir einen guten Morgen und sagt: »Ihr Weckruf, pünktlich um viertel vor acht. Einen schönen Tag noch für Sie!«
Wertung: gut

09:00 - Roomservice – Zimmerfrühstück

Pünktlich läutet es an meiner Tür. Die nette Frau F., die ich noch vom gestrigen Frühstück kenne, wünscht mir fröhlich guten Morgen und schiebt einen voll beladenen Servierwagen ins Zimmer. »Wo darf ich ihn hinstellen?«, will die Dame wissen und gemeinsam wuchten wir den Wagen über die Schwelle auf den Balkon. Eine Unterschrift und schon ist Frau F. wieder verschwunden. Ich könnte bequemer sitzen, wenn die Servicemitarbeiterin die Seiten des Wagens hochgeklappt hätte. Aber es geht auch so, da das Gedeck an der Schmalseite des Wagens platziert ist. Alles, was ich bestellt habe, ist vorhanden. Sogar mehr: Mein Kreuzchen auf der Frühstückskarte war wohl missverständlich und so habe ich sowohl ein Rührei mit Tomaten als auch eine Omelette mit Tomaten unter den Cloches. Beides ist noch heiß und schmackhaft zubereitet. Schön heiß ist auch der doppelte Espresso Macchiato und das Teewasser, in das ich den Teebeutel erst noch hängen darf. Gut so. Ein Teatimer wäre trotzdem hilfreich.

Der Orangensaft ist frisch, das Birchermüsli lecker, der Serranoschinken auf einer Etagere angerichtet, die auch die Körnerbrötchen trägt. Es gibt Kandis, normalen Zucker, Menagen – aber wo ist die Teetasse? Ein Anruf beim Roomservice bringt Frau F. in Verlegenheit, schafft aber Abhilfe. Ein Abräumhinweis und ein Blümchen fehlen leider auch, aber sonst lässt sich das Frühstück mit seitlichem Seeblick doch genießen. Bis auf den »frischen Obstsalat«. Dass dieser aus dem großen Eimer kommt, ist des Hotels wahrlich nicht würdig.
Wertung: noch gut


 11:00 - Check-out

 

Ein hochgewachsener junger Mann mit markanter Zahnspange checkt mich aus. Er erkundigt sich, ob alles in Ordnung war und ob ich mich wohl gefühlt habe, er gibt mir ein Wasser für die Reise mit und er bietet mir an, das Auto aus der Tiefgarage holen und mit meinem Gepäck beladen zu lassen. Nach der Zahlung wünscht mir Herr R. eine gute Reise und verbindet damit die Hoffnung, mich bald einmal wieder begrüßen zu dürfen. Das hat Stil. Die Rechnung stimmt exakt, das Fahrrad wurde freundlicherweise nur für einen halben Tag berechnet. Was jedoch, wie man so schön sagt, den Bock nicht fett macht, denn meine beiden Tage am Bodensee belaufen sich summa summarum auf 1.057,90 Euro.

Während ich noch die Rechnung prüfe, erkundigt sich nebenan ein sichtbar gut situiertes junges Paar nach der Möglichkeit, ihre Flitterwochen im Hotel zu verbringen. Sie wollen die Panoramasuite buchen – für zehn Tage! Das wäre doch eigentlich ein Anlass, das Gespräch in der Sitzecke fortzusetzen und dem jungen Glück vielleicht ein Gläschen Schampus zu spendieren. Doch nein – der zweite Rezeptionist verhandelt die Sache über den Tresen. Das hat nun deutlich weniger Stil.
Wertung: sehr gut

Lost & Found

Das liegengelassene Kleidungsstück ist gefunden und wird mir prompt und kostenlos zugeschickt. Das Gespräch dazu mit der Empfangsmitarbeiterin verläuft ausgesprochen herzlich.
Wertung: sehr gut

Bilanz

Ein Hoteltest kann immer nur eine Momentaufnahme sein. Wenngleich viele Kriterien objektiv messbar sind, erlebt doch jeder Gast ein Hotel anders, setzt eigene Prioritäten, reagiert unterschiedlich empfindlich. Dass bei meinem Besuch nahezu alles passte, war sicher Glück – das Glück der Tüchtigen. Mit ihrem Hotel setzen Birgit und Peter Kolb nicht nur die gewachsene Tradition des früheren Seehotel Siber fort, sie haben sie vielmehr ausgebaut, weiterentwickelt, perfektioniert. Ihr Riva ist ein Schmuckstück geworden, ein Lieblingsplatz für Designfans, Gerne-gut-Esser und Menschen, die es schick und dennoch locker lieben. Wo es hier und da noch knirscht, sind die Mitarbeiter, die den hohen Anspruch mittragen – sogar mitleben – müssen. Die Inhaber treten als Gastgeber nicht in Erscheinung. Einen Direktor scheint es nicht zu geben. Doch im Hotel muss immer einer da sein, der führt, der Vorbild ist, der klare Ansagen macht. Dann wissen auch alle, was ein leitender Mitarbeiter eines traditionsreichen Luxushotels einmal so schön ausdrückte: »Es stellt sich nicht die Frage, OB wir einen Gästewunsch erfüllen, sondern nur, WIE wir das bewerkstelligen.«

Gesamteindruck: 81 %
Testurteil: sehr gut

100-81 sehr gut;   80-61 gut;   60-41 befriedigend;   40-21 mangelhaft;   20-0 ungenügend.
Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;  die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!