Quality Check von Top hotel
So präsentierte sich das Riva Konstanz im aktuellen Hoteltest - Restaurant Ophelia / Schuhputzservice / Weckruf / Roomservice

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 19:30 - Restaurant »Ophelia«: Große Oper

 

Ein Abend auf der Terrasse des Restaurant Ophelia ist wie eine Aufführung von »Carmen« auf der Bregenzer Seebühne: große Oper, zeitgenössisch interpretiert und perfekt umgesetzt vor grandioser Kulisse. Von der Begrüßung durch Maître Werner Hinze über den Service durch sein Team bis hin zur Verabschiedung durch Zwei-Sterne-Koch Dirk Hoberg – alles scheint hier mühelos, locker und leichtfüßig zu laufen, was einen besonders hohen Grad an Können voraussetzt. Nur aus den Augenwinkeln nehme ich das dezente, stilvolle Ambiente der Restauranträume wahr, durch die mich Werner Hinze auf die Terrasse des im ersten Stock der Jugendstilvilla gelegenen Gourmetrestaurants führt. Alles spielt sich an diesen Tagen im Freien ab und das ist ganz sicher kein Nachteil. Auf der gerundeten, Sonnensegel-beschatteten Terrasse herrscht eine angenehm sommerlich-leichte Atmosphäre, die noch schöner wird, als bei einbrechender Dunkelheit der Mond die Szenerie beleuchtet. Die Dekorationen auf Terrasse und Tischen sind sparsam gehalten und lassen so das Drumherum – den Ausblick und die Speisen – umso mehr wirken. Zum Aperitif entscheide ich mich für den Hauscocktail aus Reichenauer Gurke mit Gin und Tonic, was sich als sehr erfrischender Einstieg erweist. Die Terrasse ist voll; insgesamt 23 Gäste werden an diesem Abend von sechs Servicemitarbeitern betreut, alle ohne Ausnahme kompetent, herzlich und – obwohl sie in ihren schwarzen Anzügen furchtbar schwitzen müssen – von legerer Nonchalance.

Die Menükarte listet drei Vorspeisen, acht Zwischengänge, vier Hauptgänge und drei Desserts. Mit Sternchen sind diejenigen Gänge gekennzeichnet, die Dirk Hoberg als Fünf-Gänge-Menü empfiehlt, welches 145 Euro kostet; das Sechs-Gänge-Menü ist für 170 Euro, das Vier-Gänge-Menü für 120 Euro zu haben. Es gibt eine vegetarische Variante, eine vegane – informiert die Homepage – kann nicht angeboten werden. Kinder sind im Gourmetrestaurant ab acht Jahren willkommen, sagt die Website. Ich folge der Empfehlung des Küchenchefs, beschränke mich aber auf vier Gänge. Bevor es mit diesen losgeht, werde ich mit zwei Runden bildschöner Köstlichkeiten verwöhnt, die Dirk Hoberg und sein Souschef den Gästen höchstpersönlich kredenzen und erklären. Zum Brot gibt es ganz klassisch ein Näpfchen gesalzener Butter mit aufgeprägtem »Ophelia«-Schriftzug.

Als ich mich gegen die Weinreise (0,1l zu jedem Gang) entscheide, vermeine ich eine minimale Missbilligung in Maître Hinzes Blick zu erkennen, doch ist er zu sehr Profi, um sich nicht gleich wieder im Griff zu haben. Weine sind seine Leidenschaft und ich kann im Verlauf des Abends miterleben, wie Hinze aufblüht, wenn er diese mit Gästen teilen kann. Mir schlägt er nun zwei Weine aus der Region vor, als Weißwein zu den Vorspeisen einen 2016 Grauburgunder von Kress aus Hagenau und zum Hauptgang einen Clauß Urbanus von 2013. Selbstredend hervorragende Empfehlungen.

Und nun rollen die Genusswellen über mich hinweg, in schön gleichmäßigem Rhythmus – die Gänsestopfleber mit Fichtensprossengranité und feinem Pfirsich, die Fjordforelle mit Zucchini und Quinoa, das US Prime Rind mit Mais, Erbsen und Bohnen. Dazwischen allerlei von der Zitrone in der Zitrone, danach ein Kirschsorbet mit legierter Kirsche und Kirschcrunch. Ich koste und schlemme und stelle über alle Gänge hinweg erstaunt fest, dass ich noch nie so intensiv einzelne Aromen wahrgenommen habe. In der Komposition ist jeder Gang ein Erlebnis, aber auch jeder einzelne Speisenbestandteil für sich genommen ist eine Offenbarung. Ein wunderbar erfrischender Abschluss scheint mein Nachtisch aus Kiwi, Matcha Tee und Quark zu sein, doch ihm folgen noch diverse als »Petits Fours« diskreditierte Leckerbissen, darunter eine Orangenpraline, die – mit Tequila Sunrise gefüllt – im Mund zu explodieren scheint. Nach dem Espresso, zu dem neben weißem und braunem Zucker auch hausgemachter Chili- und Ingwerzucker gereicht werden, würde ich mir jetzt noch einen Digestif wünschen, doch es hat den Anschein, als habe mich Maître Hinze schon »abgehakt«. Das ist aber auch die einzige Kritik, die ich an diesem Abend anzubringen habe. Ich bin trotz der vier Gänge und der vielen Extras nur angenehm satt, dafür bis zum Rand voll mit neuen Geschmackserlebnissen. In der Villa treffe ich auf Dirk Hoberg, einen bescheiden auftretenden, sympathischen 36-Jährigen in Turnschuhen, der sich offenbar gerne die Zeit nimmt, einen Moment mit mir zu plaudern, ehe er mich sehr nett verabschiedet.
Wertung: ausgezeichnet

Schuhputzservice: Der Lack ist noch dran

Ein Kästchen oder Säckchen gibt es nicht, in das man zu putzende Schuhe tun kann. Also stelle ich ein Paar Lackschuhe einfach vor die Tür und hoffe, dass man mir das empfindliche Leder nicht verdirbt. Doch siehe da, die Schuhe glänzen am nächsten Morgen und strahlen so mit mir um die Wette.
Wertung: sehr gut

FR. 04/08, 07:45 - Weckruf

Das Telefon klingelt pünktlich. Eine freundliche, männliche Stimme spricht mich mit Namen an, wünscht mir einen guten Morgen und sagt: »Ihr Weckruf, pünktlich um viertel vor acht. Einen schönen Tag noch für Sie!«
Wertung: gut

09:00 - Roomservice – Zimmerfrühstück

Pünktlich läutet es an meiner Tür. Die nette Frau F., die ich noch vom gestrigen Frühstück kenne, wünscht mir fröhlich guten Morgen und schiebt einen voll beladenen Servierwagen ins Zimmer. »Wo darf ich ihn hinstellen?«, will die Dame wissen und gemeinsam wuchten wir den Wagen über die Schwelle auf den Balkon. Eine Unterschrift und schon ist Frau F. wieder verschwunden. Ich könnte bequemer sitzen, wenn die Servicemitarbeiterin die Seiten des Wagens hochgeklappt hätte. Aber es geht auch so, da das Gedeck an der Schmalseite des Wagens platziert ist. Alles, was ich bestellt habe, ist vorhanden. Sogar mehr: Mein Kreuzchen auf der Frühstückskarte war wohl missverständlich und so habe ich sowohl ein Rührei mit Tomaten als auch eine Omelette mit Tomaten unter den Cloches. Beides ist noch heiß und schmackhaft zubereitet. Schön heiß ist auch der doppelte Espresso Macchiato und das Teewasser, in das ich den Teebeutel erst noch hängen darf. Gut so. Ein Teatimer wäre trotzdem hilfreich.

Der Orangensaft ist frisch, das Birchermüsli lecker, der Serranoschinken auf einer Etagere angerichtet, die auch die Körnerbrötchen trägt. Es gibt Kandis, normalen Zucker, Menagen – aber wo ist die Teetasse? Ein Anruf beim Roomservice bringt Frau F. in Verlegenheit, schafft aber Abhilfe. Ein Abräumhinweis und ein Blümchen fehlen leider auch, aber sonst lässt sich das Frühstück mit seitlichem Seeblick doch genießen. Bis auf den »frischen Obstsalat«. Dass dieser aus dem großen Eimer kommt, ist des Hotels wahrlich nicht würdig.
Wertung: noch gut