Quality Check von Top hotel
So präsentierte sich das Riva Konstanz im aktuellen Hoteltest - Housekeeping-Remake / Front Office / Pooldeck / Sicherheit

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 Housekeeping – Remake: Zweierlei Maß

 

Jeweils zwei Mitarbeiter teilen sich die Zimmerreinigung auf. Meine arbeiten dabei mit zweierlei Maß. Das Zimmer wird ordentlich wiederhergerichtet, das Bett gemacht, der Teppich gesaugt, die Tasse weggeräumt, das Glas gespült, das Getränk aufgefüllt. Selbst meine Kleidung wird säuberlich zusammengelegt. Das Geld auf dem Nachttisch bleibt unangetastet. Wer jedoch auch immer das Bad geputzt hat, ging dabei deutlich schludriger vor. Lediglich Spiegel, Dusche und Waschbecken wurden gereinigt. Aber weder hat die verantwortliche Person meine Waschutensilien aufgeräumt – was zur Folge hat, dass auch die Waschtischablage nicht sauber ist – noch das Zahnputzglas gespült, und auf dem Boden finde ich genau da, wo ich es ausgelegt habe, ein Büschel Haare. Am deutlichsten wird die Oberflächlichkeit der Putzerei jedoch in der Toilette. Während das Toilettenpapier fein säuberlich gefaltet ist, sind die UV-Markierungen an allen Stellen der Toilette noch in vollem Umfang vorhanden. Hier wurde nicht einmal »darübergewischt«.
Wertung: mangelhaft

11:00 - Front Office – Fahrrad, Picknick, Auto: Ein Nein bleibt ein Nein

Freundlich sind sie alle und auch hilfsbereit. Doch der Grad dessen, was die Empfangsmitarbeiter des Riva für den Gast zu tun bereit sind, variiert. Ein Rad ausleihen? Kein Problem. Die E-Bikes sind aber schon alle weg. Ein E-Bike woanders organisieren? »Schwierig!« Vorschläge für Radtouren? Kein Problem. Frau S. kennt sie alle, gibt eine Karte mit, empfiehlt Fahrrad-Schiffstouren und hat auch noch Tipps für den Altstadtbummel parat. Ein Picknickkorb? »Schwierig!« Aber das normale Lunchpaket ist zu machen, ebenso wie eine Fahrradtasche zum Verstauen der Habseligkeiten. Den Bodenraum vor dem Beifahrersitz meines Autos aussaugen? »Schwierig!« Man habe zwei Krankheitsfälle an der Rezeption und sei von daher nur knapp besetzt. Auch als ich freundlich insistiere, es handele sich dabei um einen Zeitaufwand von nicht einmal fünf Minuten, höre ich: »Ich kann es Ihnen nicht versprechen.« Und mein Auto bleibt ungesaugt.
Wertung: befriedigend

Front Office – Gästebucheintrag (ohne Bewertung): Ertappt

Auf dem Rezeptionstresen liegt das Gästebuch aus. Ein eng geschriebener, ganzseitiger Eintrag erregt meine Aufmerksamkeit. Er stammt vom aktuellen Tag, ist auf Französisch geschrieben und betitelt mit der aussage-kräftigen englischen Überschrift: »HOTEL – NO GOOD!« Ein Rezeptionist sieht mich lesen und bittet mich zu übersetzen. Doch was er hört, gefällt ihm wenig. Denn die bescheidenste Kritik der Gäste ist noch die, dass an der Rezeption niemand Französisch spricht. Halbherzig versucht der Rezeptionist die Vorwürfe zu entkräften, ohne dabei die Gäste in Misskredit zu bringen. Ich rate ihm, die Seite aus dem Gästebuch zu reißen, doch tapfer schlägt er sie nur um.

Lunchpaket: Lieblos

Als ich an einem idyllischen Platz am Ufer des Bodensees mein Lunchpaket auspacke, packt mich die Wehmut. Ich muss an das Picknick eines Berliner Luxushotels denken, welches mir einmal mit auf die Fahrradtour gegeben wurde und das vor Köstlichkeiten barst. Mein Riva-Lunchpaket kostet zwar nur ein Viertel davon, ist aber mit 28 Euro nun auch nicht gerade billig. Dafür sind die Schätze, die ich vor mir ausbreite, überschaubar: Ein belegtes Weißmehlbrötchen mit Schinken und Käse, ein paar trockene Laugenteilchen, eine Tupperbox mit Landjägerstücken, Käsestreifen und Gemüsesticks, ein Apfel, eine Banane, eine kleine Packung Chips und ein Billig-Müsliriegel. Eine »Süßigkeit aus der hauseigenen Patisserie« (die Homepage zum Lunchpaket) ist das nun ganz sicher nicht. Zu trinken gibt es zwei Flaschen Wasser, einen Apfel- und einen Orangensaft. Je zwei der Flaschen sind mit einer Kühlmanschette versehen, die sie tatsächlich kühl gehalten hat. Dafür fehlen die Servietten. Ich verschenke die Säfte und die Chips, esse Obst und Käse, schaue auf den See und träume – ausnahmsweise – von Berlin.
Wertung: befriedigend

Pooldeck: Insel der Glückseligen

Wir befinden uns im Jahr 2017 n. Chr. Ganz Deutschland stöhnt unter der brütenden Augusthitze. Ganz Deutschland? Nein! Eine kleine Schar privilegierter Reisender rastet und ruht auf dem Dach des Riva-Neubaus. Es ist an Tagen wie diesen tatsächlich eine Insel der Glückseligen. Platanen beschatten den geräumigen Pool, roter Fächerahorn und helle Sonnenschirme die bequemen Liegen. Wellenförmig schlängeln sich Holzdecks um Pampasgras-Inseln und die gläserne Umrandung des Decks gibt den Blick frei auf See und Berge, Schiffe und Stadt. Ein Traum. Der hin und wieder aufs Angenehmste unterbrochen wird von Ole S., dem gut gelaunten Pool Steward, der mit einer Scheibe Wassermelone, einem Bananensorbet oder einem Holunderjoghurt vorbeikommt. Er hat sogar kostbares Aloe Vera Gel dabei, mit dem man Sonnenschäden reparieren kann. Das alles ist so herrlich, so entspannend, so wahrlich luxuriös, dass man ohne zu murren in Kauf nimmt, dass aus der Pooldusche nur warmes Wasser kommt, dass es hier oben keine Umkleidemöglichkeit gibt, dass niemand die Kinder stoppt, die unermüdlich ins Wasser hüpfen, oder den Mann, der unhygienisch im T-Shirt schwimmt. Und dass Ole um 17 Uhr den Dienst quittiert, obwohl es da eigentlich am Pool erst richtig losgeht. Aber man kann ja noch telefonisch Getränke bestellen.
Wertung: noch sehr gut

Sicherheit: Tür und Tor offen

So transparent und offen wie das Hotelgebäude gestaltet ist, kann es keine Festung sein. Ungebetenen Gästen wird es jedoch zusätzlich leichtgemacht, bis zu den Gästezimmern zu gelangen. Von der Tiefgarage kommt man ohne Karte ins Gebäude, mit dem Aufzug ohne Karte nach oben und im Erdgeschoss informiert ein Display nur halbherzig, dass die Benutzung der schönen Treppe Hausgästen vorbehalten ist. Vielleicht setzt man auf die Kameras, die in allen Stockwerken angebracht sind. Aber selbst diese nützen wenig, wenn das Housekeeping jedem freundlich bittenden Menschen eine Zimmertür öffnet – so wie mir. Das ist nun einmal das absolute No-Go. Weshalb das gute Sicherheitsverständnis am Empfang, wo einem Anrufer meine Zimmernummer charmant verweigert wird, dies ebenso wenig auszugleichen vermag wie die Tatsache, dass kaum zwei Minuten nach dem Drücken des Sauna-Notrufknopfes ein Mitarbeiter dort nach dem Rechten schaut. Aber es soll wenigstens lobend erwähnt werden.
Wertung: ungenügend