Quality Check von Top hotel
So präsentierte sich das Riva Konstanz im aktuellen Hoteltest - Restaurant Riva / Riva Bar / Frühstücksbuffet

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 20:00 - Restaurant Riva – Seeterrasse: Uneingeschränkter Genuss bei eingeschränktem Blick

 

Mein neuer Freund, Herr K., hat wohl verbaselt, dass ich bei ihm meine Reservierung von 19:30 Uhr auf 20:00 Uhr verschoben habe. Denn um 19:50 Uhr ruft mich Restaurantleiter R. an: Ob ich gedenke, noch zum Essen zu kommen? So ist denn auch mein Tisch auf der oberen Terrasse vergeben und ich werde vom Restaurantleiter an einem Tisch auf der unteren Terrasse platziert. Die Tatsache, dass die obere Terrasse die vordere, näher zum See gelegene ist und man folglich auf der unteren, hinteren, näher zum Haus gelegenen Terrasse keinen direkten Seeblick hat, kommentiert der Restaurantleiter mit den Worten: »Tja, da haben es die Erbauer auf gut Deutsch verschissen.« Einmal abgesehen davon, dass er wohl meint, die Erbauer hätten Scheiße gebaut, sind Ausdrucksweise wie Aussage definitiv fehl am Platz. Doch auch ohne den ganz großen Blick erfreue ich mich an meinem leckeren Abendmahl, gut betreut vom reumütigen Herrn K., der freimütig erklärt, er habe schon eins auf den Deckel bekommen.
Die Karte des Riva Restaurants offeriert Klassiker und ein ambitioniertes Allerlei, zu dem Ceviche von der Gelbflossenmakrele und eine Meeresfrüchte-Variation für zwei Personen ebenso gehören wie Filet und Rippe vom Iberico Schwein mit Spitzkohl, Gnocchi und Pfifferlingen. Die Karte liest sich gut und ist so gestaltet, dass wirklich jeder Gast fündig wird. Die Preise sind gehoben, aber nicht abgehoben. Als ich mich für den Klassiker Filet vom Bodenseefelchen mit Rieslingsauce, Blattspinat, Pinienkernen und Salzkartoffeln interessiere, bietet Herr K. mir eine halbe Portion an: »Falls Sie keinen so großen Appetit haben.« Akzeptiert. Wie auch das »Piffchen« vom zur Sauce passenden Riesling. Herr K. lernt einen neuen Begriff kennen und ich bekomme reichliche 0,1 Liter freihändig ins Glas eingeschenkt.

Zu zweierlei warmem Brot schmeckt der Holunder-Basilikum-Dipp mit Frischkäse fein. Das Felchenfilet hat genau die richtige Größe für ein leichtes Abendessen und schmeckt hervorragend. Da im Magen noch ein wenig Platz ist, lasse ich mich von Herrn K. zu »fein affiniertem Rohmilchkäse von Maître Antony« überreden, dem genialen Käse-Affineur aus dem elsässischen Sundgau. Die Häppchen von Roquefort, Munster, Comté und Ziegen-Saint Maure werden mit Gewürzbrot, Feigensenf und Weintrauben serviert und runden mein Mahl ganz ausgezeichnet ab. Schade, dass Herr K. mir nicht die Beerenauslese vom Naheweingut Johanneshof dazu angeboten hat. Ich staune über die Rechnung, die die halbe Portion Felchen mit 22 Euro statt 25 Euro ausweist und den halben Riesling mit sechs Euro statt zehn Euro. Meine gute Laune vermag die seltsame Algebra allerdings nicht zu trüben. Dazu ist der Abend einfach zu schön. Mondfarbene Lampen hängen wie Lampions in den Bäumen, Traumfänger wiegen sich in der leichten Brise, leise Musik tönt aus versteckten Lautsprechern. Viel schöner kann ein Sommerabend am See kaum sein. Höchstens an einem Tisch mit direktem Blick.
Wertung: noch sehr gut

22:45 - Riva Bar: Nichts mehr los

Bestimmt ist die schicke Bar mit den Designermöbeln, der offenen Feuerstelle und dem Blick in das verglaste Weinkabinett im Winter ein attraktiver Treffpunkt. Als ich um 22:45 Uhr auf einen Night Cup dort eintreffe, ist die Bar jedoch gähnend leer. Einige wenige Menschen sitzen noch verstreut auf der Terrasse, doch der heiße Tag scheint Gästen wie Mitarbeitern jegliche Energie geraubt zu haben. Letztere räumen schon sichtbar abgekämpft dieRestaurantterrasse auf, schließen Sonnenschirme, packen Polster weg. Ich werde dennoch höflich bedient. Aus der Barkarte, die mehr auf Spirituosen als auf Cocktails setzt, habe ich mir einen »Basilica« ausgesucht, der mit Gin, Spicy Ginger-Ale, Limettensaft, Passionsfruchtpüree und Basilikum einen herb-frischen Schlusspunkt unter den Tag setzt. Der perfekt gemixte Drink wird mir zusammen mit gerösteten Cashews und einer Haselnussmischung serviert. Als ich mein Glas geleert habe, bin ich auch auf der Terrasse der letzte Gast. Und bei der jungen Crew gewinnt die Erschöpfung die Oberhand. Ein weiteres Getränk wird mir nicht angeboten.
Wertung: gut

DO. 03/08, 09:15 - Frühstücksbuffet: Pork statt Porridge

Vier Euro plus drei Euro Roomservice-Aufschlag kostet der Milchkaffee, den ich am Morgen aufs Zimmer bestelle. Was wäre es doch für eine nette Geste, Koffeinjunkies wie mir einen Morgenkaffee einfach so zu servieren, ohne Berechnung. Wenn man schon keine Kaffeemaschine im Luxuszimmer anbietet. Meine Stimmung hebt sich, als ich beim Frühstück in die Liga der oberen zwei Dutzend aufsteige und – endlich – einen Platz auf der oberen Terrasse ergattere. Der See ruht still und die Boote im Yachthafen schaukeln sacht vor sich hin. Möwen kreischen, Jogger laufen am Ufer entlang, Spatzen raufen sich unter dem Tisch um die Krümel. Sonntagsstimmung und Sommerfriede. Am Frühstücksbuffet im Inneren der Villa werde ich vielfältig fündig. Und doch: Gemessen am kulinarischen Anspruch dieses Hauses hätte ich mir (noch) mehr erwartet. Appetitlich angerichtet und unter gläsernen Spuckschutzmarkisen locken üppige Obstplatten, Rote Grütze, Kräuterquark mit Gemüsesticks und Fleischsalat. Auf kleinen Tellerchen gibt es Caprese und Basilikumpesto. Auch Antipasti stehen bereit.

Zweierlei Birchermüsli – mit und ohne Rosinen und Nüsse – erfreuen den gesundheitsbewussten Gast ebenso wie die Tatsache, dass es frisch gepressten Karotten- und Grapefruitsaft gibt. Ein frisch gepresster Apfel-Karotten-Saft ist auf Nachfrage und ohne Aufpreis erhältlich. Das angesagte Ingwerwasser fehlt ebenso wenig wie ein gut gekühlter Secco, Mineralwasser und Milch in zwei Fettstufen. Und sehr gut: Am Teebuffet wartet frische Minze, in Teegläser gefüllt, schon fix und fertig auf den Aufguss. Es gibt zweierlei Räucherlachs und dreierlei Matjes und einen Shrimps-Cocktail, der – nicht ganz ungefährlich – auf dem Rand der Kühlung steht. Das Brot ist schmackhaft, die Brötchenauswahl eher klein, und gar nicht verstehen kann ich, warum man bei einer so leistungsstarken hauseigenen Patisserie den Gast beim Frühstück nicht ein bisschen damit verwöhnt. Süßschnäbel müssen sich stattdessen mit langweiligen Muffins und noch langweiligeren Croissants vom Bäcker begnügen.

Auch die Wurst-, Schinken- und Käseauswahl ist nur guter Durchschnitt und dazu völlig unzureichend beschriftet. Wie auch die Chafing Dishes, in denen Rührei, Speck und Würstchen feilgeboten werden. Ein arabischer Gast muss folglich fragen, ob das »Pork« ist. Und es ist alles »Pork«. Auch dazu gäbe es ja Alternativen. Apropos Alternativen: Die Frühstückskarte auf den Tischen offeriert Eier-Variationen und hausgemachte Waffeln. Sonst nichts. Und so stößt auch meine Bitte um ein Schälchen Porridge bei Frau F. auf bedauernde Ablehnung. Ich glaube fast, sie weiß nicht, was das ist. Doch stolz erklärt sie mir wenig später am Buffet, dass alle Konfitüren hausgemacht sind (»von einer Hausfrau am Bodensee«) und dass ich »natürlich« gluten- und lactosefreie Produkte haben kann – wenn ich diesen Wunsch vorab anmelde.
Wertung: gut