Hoteltest im Steigenberger Frankfurter Hof

Die Luxus-Luft wird dünner - Spa

 

Öffentliche Bereiche

Eine abendliche Runde ermöglicht den Blick auf die mit Licht gekonnt in Szene gesetzte noble Fassade. Von außen ist der Frankfurter Hof ein echter Hingucker. Doch auch im Inneren des traditionsreichen Luxushotels wirkt alles stilvoll – und dort, wo es abgenutzt ist, stilvoll abgenutzt. Zum Beispiel die Aufzüge, über denen hübsch altmodisch ein Zeiger auf einem Messingblatt die Stockwerke anzeigt. Eine Sinfonie in Crème die Lobby, prachtvoll das Treppenhaus mit seinen breiten Gobelins. Gemütlich sitzt man in der Bücher Lounge, wobei: Was nutzen die vielen schönen Bücher, wenn man sie nicht aufs Zimmer mitnehmen darf? Und eines muss dann doch gesagt werden: Je weiter weg man sich von den repräsentativen Räumen im Erdgeschoss bewegt, umso mehr Defizite werden augenscheinlich. Auf den Zimmerfluren beispielsweise sind die Böden nicht gut gesaugt und bei etlichen Deckenlampen die Leuchtmittel defekt. In den öffentlichen Toiletten gibt es weder schöne Blumenarrangements noch Frottee-Handtücher, besondere Seife oder Handcreme. Die Seifenspender wackeln. Und bei den regelmäßigen Checks durch das Housekeeping wird zwar das Toilettenpapier immer wieder fein säuberlich gefaltet, die Toiletten selbst werden aber keineswegs gereinigt. 
Wertung: gut

Spa

Da baut man mit immensem Aufwand ein 1.000 Quadratmeter großes Spa ins Gebäude – und dann ein solcher Patzer! Doch der Reihe nach: Schönes Holz, edler Stein und ein ausgefallenes Lichtkonzept zeichnen die Innenarchitektur des 2013 eröffneten »THE SPA« aus: Ein schicker Nassbereich, noble Behandlungsräume, exklusive Treatments und sogar ein Gentlemens’ Barber Shop zeugen von Luxus. Auch ohne Pool ist man angetreten, um laut Homepage »der zentrale Anlaufpunkt für Wellness in Frankfurt zu werden«. Doch ich sehe mich um und beginne zu rechnen. 300 Zimmer hat das Haus, 26 Spinde gibt es für Day Spa-Gäste – und wie viele Ruheliegen stehen im Saunabereich zur Verfügung? Genau eine. Mittendrin. Ich kann es kaum glauben und frage am Empfang nach. Doch es stimmt: Zum Ruhen stehen nur diese eine Liege sowie eine Wärmebank und vier geflieste Wärmeliegen zur Verfügung. Dabei weiß doch jeder Saunagänger, dass man nach dem Saunieren eher kühl ruhen sollte. Und dass ein abgeschlossener Ruheraum als absolutes »Must have« in einem Saunabereich gilt. Bei allem Respekt: Das ist ein großes Manko in diesem durchgestylten Spa. Dazu gesellen sich aber auch noch ein paar kleinere: Der einzelne Schlauch im sichelförmigen Dampfbad reicht nicht weit genug, um damit die ganze Bank abzuspritzen. Die tropischen Erlebnisduschen verdienen diesen Namen nicht, da sie lediglich das Farblicht wechseln. Und Haken sind Mangelware im Saunabereich – in unmittelbarer Nähe der Duschen gibt es überhaupt keine. Ohne Fehl und Tadel präsentiert sich hingegen das separat gelegene Gym, das über Tageslicht und Frischluft verfügt, mit acht Ergometern und mehreren Muskeltrainern von Technogym sehr gut ausgestattet ist und mit Handtüchern, Wasser, Obst und aussagekräftigen Nutzungsregeln allen gängigen Vorgaben entspricht. Nur dass die leichteste Kurzhantel acht Kilogramm wiegt, erstaunt dann doch ein wenig. 
Wertung: insgesamt gut

17:30 Uhr

Spa-Treatment / Hamam

Ich freue mich auf die traditionelle Seifenwaschung. Und als ich G. sehe, noch mehr. Die junge Behandlerin strahlt so viel Lebensfreude und Herzlichkeit aus, dass ich stante pede in den Entspannungsmodus versetzt werde. Orientalisches Ambiente, warmer Wasserdampf, duftender Seifenschaum und das kräftige Peeling mit dem Rubbelhandschuh tun ein Übriges, dass ich die Welt vergesse. Für 99 Euro ist G. eine gute Stunde mit mir beschäftigt und ich fühle mich anschließend porentief rein. Nur hätte ich vielleicht nicht auf so festem Druck bestehen sollen – mein Rücken sieht aus, als hätte ich mich selbst gegeißelt. 
Wertung: sehr gut

Turndownservice 2. Abend

Als ich auf sein Klingeln hin die Tür öffne, drückt mir der Housekeeper freundlich lächelnd ein Fläschchen Wasser in die Hand. Er hofft wohl, sich so den Turndownservice zu sparen. Ich bitte ihn jedoch um 20 Uhr wiederzukommen. Das verspricht der schwarzgekleidete junge Mann zwar radebrechend, er tut es aber nicht. 
Wertung: ungenügend