Hoteltest im Steigenberger Frankfurter Hof

Die Luxus-Luft wird dünner - Roomservice / Bar

 

19:39 Uhr 

Roomservice

Herr S. ist der lebende Beweis dafür, dass man auch am Roomservice-Telefon flirten kann. Nein, Rosé gibt es nicht offen, aber: »Ich werde im Oscar’s einen schönen Rosato für Sie organisieren.« Meiner Tatar vom Angusrind-Bestellung füge ich den Wunsch nach einem Schokoladentörtchen zum Nachtisch an, was S. goutiert mit einem schwärmerischen: »Mmmh, warm – mit einem flüssigen Kern – eine gute Wahl!« Das macht Laune und genauso viel Lust aufs Essen wie die Room Service Karte. Diese wirkt mit ihren dicken Hochglanz-Seiten und den bunten Bildern zwar ein wenig wie aus dem Eis-Salon, aber auch sehr appetitanregend. Ihr 24-Stunden-Angebot ist klassisch, die Auswahl arabischer Mezze zur Vorspeise darin noch die außergewöhnlichste Offerte. Ansonsten stehen Frankfurter Würstchen und Clubsandwich, Pizza, Pasta, Burger, Schnitzel und Steaks zur Wahl. Erst zwischen Mitternacht und sieben Uhr morgens wird auch ein typisches vegetarisches Gericht – Gemüsecurry mit Tofu und Basmatireis – angeboten. Essen Vegetarier bevorzugt nachts? 

Doch zurück zu Herrn S., der die Bestellung selbst serviert – kurz nach den angegebenen 20 bis 22 Minuten. Er strahlt, spricht mich mit Namen an und schiebt den Servierwagen in den Raum. »Ich mach’s mal so, wie ich’s selbst gern hätte« – und schwupps steht der Wagen vor dem Sessel, mit ausgeklapptem Seitenteil: »So ist es bequemer.« Der nette Servicemann rückt alles zurecht, lässt sich die Rechnung unterschreiben (48,50 Euro inklusive acht Euro Etagenaufschlag) und wünscht einen guten Appetit. »Und bitte rufen Sie an, wenn ich den Wagen wieder abholen darf!« Der fein säuberlich eingedeckte Servierwagen bietet ein ansprechendes Bild. Alles vorhanden, was zum guten Roomservice gehört: Brotkorb, salzige Butter, Menagen, Blume, Stoffserviette und ein Abräumhinweis. Die Tischdecke ist sauber, der Wagen selbst – naja. Das Tatar unter der Cloche ist auf geröstetem, noch lauwarmem Brot angerichtet, die üppige Portion schmackhaft, für meinen Geschmack jedoch mit zu viel Kapern und Sardellen bestückt. Die Brotauswahl mit Baguette, einem Mohn- und zwei Körnerbrötchen vermag nicht zu begeistern. Umso mehr das hübsch mit einer Orchideenblüte dekorierte Schokotörtchen. Nur leider wurde es ja gleichzeitig mit dem Hauptgang serviert und ist deshalb schon kalt, als ich mich ihm widmen kann. Dafür hat sich das dazu gereichte Eis aus Frankfurter Grüner Sauce zwischenzeitlich erwärmt und verflüssigt. Geschmacklich ist es – gelinde gesagt – gewöhnungsbedürftig. 
Wertung: gut

22:10 Uhr

Autoren-Bar

Am späten Abend ist der Lounge-Bereich der »Autoren«-Bar verwaist. Jetzt zieht es die Gäste mehr in den hinteren Teil des Raumes, in die klassische Bar. Hier dominieren Mahagoniholz und gemusterte Tapeten, Ölgemälde, Wandteppiche und Bücher hinter Glas. Das Licht ist gedämpft, die Musik ebenfalls, und das Leder der bequemen Halbsessel hat genau den richtigen Abnutzungsgrad. Schade, dass es keinen klassischen Bartresen mit Hockern gibt. Ein energisch wirkender, mit französischem Akzent sprechender Barkeeper räumt den Tisch, an den ich mich gesetzt habe, ab, macht ihn sauber und erkundigt sich nach meinen Wünschen. Etwas Herb-Frisches auf Gin-Basis? Der Herr schlägt Gin Fizz oder Gin Basil Smash vor. Letzteren mag ich gerne. Weil der aber nicht im Barmenü steht, muss der Barmann erst »schauen, ob wir Basilikum haben«. Als er dann wenig später aus dem Back Office kommt, geht sein Daumen hoch. Apro-
pos Back Office: Die Automatiktür gibt bei jedem Öffnen den Blick frei auf eine sehr unansehnliche, braune, stark zerkratzte Fläche. Kein schöner Anblick, der sich mit einem Anstrich im Handumdrehen verbessern ließe. Mein Drink ist gut gemixt, dazu erhalte ich kleine Glaskaraffen mit Wasabinüssen und Rauchmandeln. Auch sie sind sehr lecker. Doch der Durst, den sie machen (sollen), wird nicht gestillt. Mein geleertes Glas bleibt so lange unbemerkt, bis ich die Rechnung erbitte. 
Wertung: sehr gut

Schuhputzservice

Endlich einmal nicht nur leidlich geputzte, sondern glänzend gewienerte Schuhe. Dem unsichtbaren guten Geist ein herzliches Dankeschön. 
Wertung: ausgezeichnet