Hoteltest im Steigenberger Frankfurter Hof

Die Luxus-Luft wird dünner - Check-in / Zimmer 406

 

MO. 23/01, 14:25 Uhr

Check-in

Der strahlend lächelnde, distinguiert wirkende Empfangsmitarbeiter fragt nach einem Blick in den Computer, ob ich zum ersten Mal zu Gast sei. Dann wickelt er den Check-in-Vorgang zügig und äußerst charmant ab. An seiner Formulierung »Darf ich mir die Daten Ihrer Kreditkarte notieren?« könnten sich viele Kollegen ein Beispiel nehmen. Nach einer kurzen Information zu Frühstücks- und Spa-Öffnungszeiten vergewissert sich Herr D., dass mein Gepäck in guten Händen ist und verabschiedet mich mit einem verbindlichen »Falls wir sonst nichts mehr für Sie tun können…?« Einen Reminder zur vorab gebuchten Spa-Behandlung erhalte ich beim Check-in ebenso wenig wie eine Bestätigung der Restaurantreservierung. Und den schönen Brauch, den Gast zum Zimmer zu begleiten, pflegt man hier leider ebenfalls nicht. Was wo ist und wie funktioniert, muss ich selbst herausfinden. Denn auch der Page, der mein Gepäck abliefert, erkundigt sich lediglich, ob ich mit dem Zimmer zufrieden sei. 
Wertung: gut

Zimmer 406

279 Euro ohne Frühstück kostet mein Einzelzimmer, das zwar »Superior« heißt, aber zur Einstiegskategorie gehört. Nichtsdestotrotz offeriert auch die günstigste Kategorie, wie es sich für ein Fünf-Sterne-Haus gehört: »luxuriösen Komfort« und das »in traditionellem Décor«. Während ich Letzteres vollumfänglich bestätigen kann, fehlt mir zu Ersterem doch einiges. Der Fußhocker zum Sessel beispielsweise oder die Möglichkeit, sich ein Heißgetränk zuzubereiten. Beides wird erst in höheren Kategorien angeboten. Zur Grundausstattung eines jeden Refugiums gehört meiner Meinung nach auch eine funktionale Leseleuchte am Bett. Doch bleiben wir fair: Zimmer 406 präsentiert sich mit 25 Quadratmetern als komfortables Einzelzimmer, das durch seine luftige Höhe an Großzügigkeit gewinnt. Das 160 Zentimeter breite Boxspringbett erweist sich als ebenso bequem wie der Sessel, die Farbgebung in Beige- und Nougattönen wirkt zeitlos unaufgeregt. Schnickschnack fehlt in diesem Zimmer gänzlich – es gibt die guten alten Kippschalter und eine Klimaanlage. Musikanlage oder gar i-Docking-Station? Gibt es nicht. Und mit der Beleuchtung lässt sich wirklich kein Blumentopf gewinnen. Nur die Decken-Downlights im Flur geben ausreichend Licht, auch für den Schrank. Doch bei den Lampen im Zimmer weiß man gleich, woher der Begriff »abschirmen« kommt. Jedenfalls ist die Lichtsituation mit eingeschalteten Deckenlampen ungemütlich, ohne diese funzelig. Der einzeln stehende Schreibtisch ist nicht allzu vollgestellt, sodass sich daran arbeiten lässt. WLAN ist bis maximal 1 Mbit/s gratis, High Speed kostet fünf Euro für 30 Minuten oder acht Euro pro Tag. 

Zwar freut sich der Hoteldirektor in der Gästeinformation über die Anwesenheit des Gastes (»Schön, dass Sie da sind!«), der guten Sitte, dieser Freude mit einem kleinen Welcome – Obstteller, Praline oder ähnlichem – Ausdruck zu verleihen, folgt er jedoch nicht. Eine Flasche Wasser wird erst am Abend beim Turndownservice ans Bett gestellt. Der Schrank im Flur hat eine Kofferbank und ausreichend Stauraum für Kleidung und Schuhe. Es gibt sogar eine Garderobe mit drei Haken. Im Schrank finden sich ein unansehnlicher Safe, neun unterschiedliche Bügel sowie die üblichen Wäsche- und Schuhputz-Amenities. Der große Flatscreen steht auf dem Minibarmöbel und ist so von Bett und Sessel aus gut zu nutzen. Der Inhalt des Kühlschranks taugt nur bedingt für einen Schwips: zwei Fläschchen Heineken sind darin das einzig Alkoholische. Dafür gibt es Stylisches ohne, wie die Bio-In-Getränke »Lemonaid« und »ChariTea« oder Ananas- und Bananen-Chips, ebenfalls in Bio-Qualität. Gesalzen sind die Kartoffelchips und die Preise – eine Cola (0,2 l) kostet sechs Euro, 40 Gramm Chips 7,50 Euro. 

Das Zimmer scheint auf den ersten Blick gut instandgehalten und sauber. Die genauere Überprüfung jedoch fördert Staub auf dem Betthaupt, den Bilderrahmen und Telefonen zutage, bröseligen Kitt am Fensterrahmen, einen Schokoladentaler unter dem Bett und einen Papierkorb, dessen Inneres klebrig ist. Und genau da, wo die Bettdecke umgeschlagen ist, prangt auf ihrem Bezug ein deutlich sichtbares, ausgefranstes Loch. Den gelblichen Fleck auf dem Inlett sieht man wenigstens nicht gleich.
Wertung: befriedigend

Bad

Schwarz-weiß wirkt immer edel. Und so hat das kleine Bad mit seinen weißen Fliesen, den schwarzen Marmoreinlegern und dem schwarzen Granitwaschtisch eine ansprechende Anmutung. Luxuriös ist es jedoch nicht zu nennen, dazu fehlen Handtuchwärmer und separate Dusche, vom separaten WC ganz zu schweigen. Statt der mittlerweile in gehobenen Hotels standardmäßigen Regendusche gibt es hier noch die klassische Brausearmatur. Als erfreulich gut erweist sich die Beleuchtung von oben und zu beiden Seiten des Waschtischs. Auch bietet dieser reichlich Ablagefläche. Sehr angenehm: das große Badelaken und die wohlduftenden Guest Amenities von Aigner – farblich passend in Schwarz-weiß. Kunstvoll gefaltet hängt ein Bademantel aus Waffelpikee am Bügel, Badeschlappen finden sich im Kleiderschrank. Während die Toilettenbürste in klinischem Weiß erstrahlt, kann man das vom Abfluss der Toilette nicht behaupten. Auf dem Fußboden stört ein klebriger Fleck. Das Zahnputzglas ist nicht einwandfrei poliert, der Kosmetikspiegel angerostet und das Wasser im Waschbecken läuft nur langsam ab.
Wertung: befriedigend