Hoteltest im Steigenberger Frankfurter Hof

Die Luxus-Luft wird dünner

Seit 1876 residieren Gäste im Steigenberger Frankfurter Hof, mitten in der historischen Altstadt der Mainmetropole. Auf »eines der besten Hotels der Welt« sollen sich Gäste bei einem Aufenthalt freuen können, verspricht das Marketing. Dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine Lücke klafft, zeigt der zweitägige Test in dem Flaggschiffhotel von Deutsche Hospitality.

 

 SA. 04/02, 16:55 Uhr

Telefonische Reservierung

Nein, wenn ich am Samstag in einem Hotel anrufe, möchte ich nicht erst am Montag zurückgerufen werden. Ich kann schließlich nichts dafür, dass die Reservierungsabteilung am Wochenende nicht besetzt ist. Und ich habe nun einmal genau jetzt Zeit, mich hinsichtlich einer Buchung beraten zu lassen. Sofort erklärt sich Frau W. bereit, selbst die Verfügbarkeiten abzuklären. Es geht doch. Gibt es vielleicht ein besonderes Arrangement über Ostern? »Leider nein«, antwortet die sympathisch klingende Rezeptionistin und bietet mir von Karfreitag bis Ostersonntag zwei Zimmerkategorien an, deren Preisunterschied von rund 100 Euro (254 für das Superior und 349 Euro für das Grand Deluxe, jeweils inklusive Frühstück) sie wie folgt begründet: »Die teureren Zimmer sind frisch renoviert.« Meine Fragen zu Spa und Restaurants beantwortet die Mitarbeiterin zuvorkommend und kompetent, dennoch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass unser Gespräch eher der Höflichkeit geschuldet ist als dem Bestreben, ein Zimmer über die auslastungsschwachen Osterfeiertage zu verkaufen. So nimmt es mir Frau W. auch nicht übel, als ich mich ohne Buchung verabschiede und wünscht mir ein schönes Wochenende. Die tatsächliche Reservierung zu meinem Aufenthalt habe ich lange zuvor online getätigt. 
Wertung: noch gut

Internet-Präsenz / Online-Buchung

In der Luft biegt die Kamera um eine Häuserecke und fährt auf das imposante Gebäude des Frankfurter Hofs zu. An sich ein aufsehen- erregender erster Eindruck, den die Homepage dem User via Film vermittelt. Wäre da nicht irgendwo der Ton zum Bild verschütt gegangen und wäre das stumme Video in der Folge nicht so altbacken. Ein zweiter Film ist viel zu lang, ähnlich langweilig und mit schwülstigen Texten unterlegt. Auch das Web-Design wird der Exklusivität des Hauses nicht gerecht, drei Schreibfehler auf der Startseite sind zudem etwas peinlich. Wer Informationen sucht, wird auf der Homepage des Frankfurter Hofs allerdings fündig – in großer Fülle und zu jedem Thema. Das Spa und das asiatische Restaurant haben zudem Microsites.
Wertung: befriedigend

Lage / Anreise

Die Hochhaustürme des Bankenviertels, Oper, Schauspielhaus und Städel, Altstadt, Paulskirche, Römer und die Shoppingmeile Zeil – alles liegt fußläufig zum Kaiserplatz. Auch von und zum Hauptbahnhof könnte man zu Fuß laufen. Seit 1876 tummeln sich illustre Gäste – von Thomas Mann über die Rolling Stones bis zum Dalai Lama – im Frankfurter Hof, der 1961 mit 460 Zimmern gar als größtes Hotel Deutschlands galt. Wo damals die Gäste wohl alle geparkt haben? Denn auch heutzutage, wo sich das Haus auf 303 Zimmer und Suiten gesundgeschrumpft hat, ist das Parkproblem ein leidiges. Über eigene Parkplätze verfügt das Hotel nicht. Wer mit dem Wagen anreist, muss diesen wohl oder übel im öffentlichen Parkhaus in der Bethmannstraße abstellen, was mit 20 Euro pro Nacht zu Buche schlägt. Als ich am Hotel ankomme, ist die Vorfahrt von geparkten Wagen blockiert, das Einfahrtschild am gegenüberliegenden Parkhaus zeigt »belegt« und weder ein Portier noch ein Wagenmeister sind in Sicht. Was tun? Ich halte mit Warnblinker in zweiter Reihe und steige die breite Treppe hoch ins Foyer. Dort stoße ich auf einen uniformierten Hoteldiener, der nach meinen Wünschen fragt. Auch taucht ein jugendlicher, in Mantel und Zylinder gewandeter Portier auf, der sich meine Autoschlüssel aushändigen lässt und – nachdem mein Gepäck entladen ist – das Parken übernimmt. Ein etwas holpriger Einstieg in meinen zweitägigen Aufenthalt. 
Wertung: noch gut