Hoteltest im Waldorf Astoria Berlin

Blick hinters Zoofenster

Vier Jahre nach Eröffnung des ersten Waldorf Astoria Hotels in Deutschland wollte der Top hotel-Tester wissen, ob sich das Luxusdomizil an der Gedächtniskirche einen Spitzenrang in der Berliner Hotellandschaft sichern konnte.

Internet-Auftritt


»Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommste ohne ihr« – diese bekannte Berliner Lebensweisheit macht sich das Waldorf Astoria ungeniert zu eigen. »Ein inspirierender Schauplatz, eine ganz eigene Destination, ein Ort voller unvergesslicher Erlebnisse« – so preist die Homepage das erste Haus der Hilton Flaggschiff-Gruppe auf deutschem Boden an. Recht ungeniert erscheinen auch die Preise, die aufgerufen werden. So kostet die Mitnahme eines Hundes pro Tag 75 Euro. Im De­luxe-Zimmer genießt man einen »Blick über Berlin«, eine Kategorie höher einen »atemberaubenden Blick über Berlin« und aus der Ecksuite einen »herausragenden Blick über Berlin«. Informativ ist die Website dennoch, gut bebildert und vor allen Dingen aktuell: Am Tag 1 nach Roel Lintermans offiziellem Ausscheiden ist der Sternekoch von der Homepage getilgt. Nur bei den Geschenkgutscheinen hat man übersehen, dass das »Les Solistes« nach dem Ausscheiden Lintermans kein Sterne-Restaurant mehr ist.
Wertung: sehr gut

SO. 09/10, 15:00 - Telefonische Reservierung


Fast zwei Minuten irrt mein Anruf in den Leitungen umher. Das nasal-britische Englisch der Waldorf-Ansage geht über in das holprige Deutsch eines offenbar in Osteuropa ansässigen Call Centers. Eine stark erkältete Dame fragt nach Liste ab: »Doppel- oder Einzelzimmer?«, »Standardzimmer oder besseres Kategorie?«, »Haben Sie Hilton Honors Karte?« (O-Ton) Und dann fordere ich die Arme auch noch heraus: Sie möchte mir bitte das Prinzip der »Best of Waldorf Experience« erklären. Nach diesem zahlt man bei einem Aufenthalt von zwei Nächten 25 Euro mehr pro Nacht, erhält dafür jedoch eine Gutschrift über 100 Euro für im Haus konsumierten Umsatz. Mein telefonisches Gegenüber schlägt sich tapfer, aber: Eine so mühsame Konversation passt nicht zum Image eines Hotels von Welt. Flüssiger läuft es bei der Tischreservierung, für die ich mit der Rezeption spreche: »Wir leiten Ihre Reservierung an das ›Les Solistes‹ weiter.« Da das Restaurant sonntags und montags geschlossen habe, werde man mir jedoch erst am Dienstag eine Zusage übermitteln können. Diese bleibt aus, denn: Eine Tischreservierung wurde nie getätigt. Die freundliche Concierge, bei der ich Tage später nachhake, entschuldigt sich und bringt die Sache in Ordnung.
Wertung: mangelhaft

Lage / Anreise


Während sich nach dem Mauerfall der Blick in Berlin vor allem nach Osten richtete, die Mitte aus ihrem Dornröschenschlaf erwachte und am Potsdamer Platz ein neues Quartier buchstäblich aus dem Nichts entstand, wurde es im Herzen Westberlins ruhiger. Erst in den vergangenen Jahren hat sich die architektonische Silhouette der Stadt an Ku‘damm und Gedächtniskirche der Moderne angepasst. Das »Zoofenster«, wie das Gebäude des Waldorf Astoria genannt wird, ragt 118 Meter in die Höhe, das »Upper West« des benachbarten Motel One hält zwillingsgleich mit. Verkehrstechnisch ist das Hotel bestens angebunden, Historie, Kultur und jede Art von Shopping sind nah. Aus der Schmuddelecke am Bahnhof Zoo wird endlich ein Vorzeigeplatz. Zwar ist der Bahnhof selbst noch immer Baustelle, als ich dort ankomme, und noch immer türmen sich Baucontainer zwischen den beiden Hotels, doch Turm und Triangelgebäude des Waldorf Astoria wirken imposant und die strahlenden Portiers in ihren schicken Uniformen auch. Während einer mein Gepäck übernimmt, begleitet mich ein anderer in die Lobby zum Empfang: »Wen darf ich melden?«
Wertung: sehr gut