Taschenbergpalais Kempinski Dresden

Der Lack ist ab

In unmittelbarer Nähe zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt gelegen, beeindruckt die »Grande Dame der Dresdner Hotellerie« allein schon durch ihr imposantes Äußeres. Unser Hoteltester wollte wissen, ob sich 21 Jahre nach dem Wiederaufbau des barocken Palais der erste Eindruck auch innen bestätigt.

 

MO. 09/05, 19:37 und DI. 10/05, 09:07

Telefonische Buchung

Frau F. hat eine junge, nette Stimme und eine sehr liebenswürdige Art. Da die Reservierung am Abend nicht mehr besetzt ist, möchte mir die Rezeptionistin gern weiterhelfen. Doch auch sie muss erst nachfragen, was der Begriff »street« bedeutet, der, will man online buchen, bei der deutschen(!) Beschreibung der günstigsten Zimmerkategorie auftaucht. Man kann es sich zwar denken, aber ich will es wissen. Ja, die »Regenten-Standard-Zimmer« gehen zur Straße. Es gibt aber auch welche zum ruhigeren Innenhof. Und ich möchte ruhig schlafen. Frau F. bietet mir einen Rückruf der Reservierungsabteilung am nächsten Morgen an, die Reservierung selbst annehmen kann sie nicht. Das macht am Folgetag Herr R., ein eloquenter Mitarbeiter, der mich gut geschult durch den Reservierungsvorgang leitet. Er macht mich auch darauf aufmerksam, dass die Frühbucherrate nicht stornierbar ist und komplett vorab per Kreditkarte bezahlt werden muss. Er fragt nach weiteren Wünschen, bietet eine Tischreservierung an und bleibt dabei immer verbindlich und locker. Nur: Bei der Vorstellung der Restaurants erwähnt Herr R. nicht, dass das Fine-Dining-Restaurant an den Tagen meines Aufenthaltes geschlossen ist. Das erfahre ich erst, als ich zu einem späteren Zeitpunkt einen Tisch reservieren will. Die Zimmerrate von 127,20 Euro pro Nacht scheint unschlagbar. Doch wenige Tage später kostet ein Zimmer nur noch knapp über 100 Euro.
Wertung: gut

Upgrade

Vier Tage vor Anreise wird mir per E-Mail ein »eStandby Upgrade« angeboten. Ich greife zu: Für nur 21 Euro pro Nacht melde ich ein Upgrade in die nächsthöhere Zimmerkategorie an, erfahre allerdings erst bei Anreise, ob das geklappt hat. Ein geschickter Schachzug des Hotels, bei noch freien Kapazitäten dem Gast das Bonbon eines Upgrades anzubieten. Als Schnäppchen verpackt, schmeckt es dem Gast fast so gut wie ein kostenfreies Upgrade, für das Hotel fallen aber doch noch ein paar Euro ab. Weniger clever ist es jedoch, am Folgetag eine E-Mail nachzuschieben, in der mir als »Mai Special« das sichere Upgrade für nur 20 Euro pro Nacht angeboten wird. Da fühle ich mich ein bisschen veräppelt.

Internet-Auftritt

Die Homepage passt zum Haus: noble Größe, eleganter Auftritt, schöne Fotos, umfassende Informationen. Und Texte in »Grandhotelsprech«: »Charmante Gradlinigkeit und bodenständige Eleganz vereinen sich mit zeitgemäßer Tradition in der Sächsischen Kartoffelsuppe zur kulinarischen Signatur des Taschenbergpalais.« Da stellen die folgenden, zum Rezept veröffentlichten Zeilen ein wohltuendes etymologisches Gegengewicht dar: »Ne Schbeisnfolche ohne Subbe is dem Gänner wärglich schnubbe.«
Wertung: sehr gut

Lage / Anreise

Im 18. Jahrhundert vom sächsischen Kurfürsten August dem Starken für seine Geliebte Gräfin von Cosel erbaut, wurde das barocke Palais im Bombenhagel 1945 bis auf einige Außenmauern komplett zerstört. 1995 so originalgetreu wie möglich wiederaufgebaut, stellt das Hotelgebäude heute mit der Semperoper, der Hofkirche, dem Zwinger und dem ebenfalls wiederaufgebauten Residenzschloss das imposante historische Zentrum Dresdens dar – hier zu logieren, das hat schon was. Während mir der Fahrer noch eine Quittung ausstellt, hat der Portier den Griff der Taxitür bereits in der Hand. Punktgenau öffnet mir der mit Cut und Zylinder beeindruckend gewandete Mitarbeiter den Schlag und heißt mich willkommen. »Wen darf ich dem Empfang melden?« Während der Portier sich meines Gepäckes bemächtigt und dieses durch eine Seitentür in die Lobby bringt, schreite ich auf rotem Teppich durch den Innenhof und nehme die behäbige Drehtür. Drinnen: hohe Decken, Steinboden, ein opulentes Blumenarrangement. Willkommen im Grand Hotel.
Wertung: sehr gut