Schlosshotel im Grunewald

Service geht anders!

Ein über 100 Jahre altes herrschaftliches Gebäude mitten im Grunewald mit Stuckdecken, vertäfelten Holzwänden und ausgestattet mit wertvollen Antiquitäten – so präsentiert sich das Schlosshotel im Grunewald. Das geschichtsträchtige Haus hat in den vergangenen 20 Jahren diverse Betreiberwechsel hinter sich. Seit Februar 2014 ist nun der Berliner Mode- und Interior-Designer Patrick Hellmann der Hotelier im Schlosshotel. Zusammen mit seinem Geschäftspartner möchte Hellmann dem Schloss neues Leben einhauchen. Unser anonymer Hoteltester wollte wissen, ob ihm das – gut ein Jahr nach der Übernahme – gelungen ist.

Der Internet-Auftritt – einladend

Übersichtlich gestaltet und recht informativ präsentiert sich die Website mit leiser, klassischer Musik im Hintergrund. Die Fotos und die gesamte Präsentation sind geschmackvoll und einladend. Sie zeigen ein individuelles und edles Hotel mit Hang zum Mondänen.

Bei genauerem Hinsehen weist der Internetauftritt allerdings mehr als einen Fauxpas auf: So wird am 9. Februar noch ein Angebot angepriesen, das nur bis Ende Januar verfügbar war, der Pressebereich ist komplett leer und Bewertungen werden gänzlich vernachlässigt: Die bis dato letzten zehn Bewertungen von 2015 bestehen ausschließlich aus Hieroglyphen – bei diesen Bewertungen wird jeweils nur einer von fünf Sternen erreicht. Wie kann man heute noch so nachlässig mit der Präsentation der Gästebewertungen umgehen? Offensichtlich legt man darauf generell keinen Wert – weder die im Internet kursierenden guten noch die negativen Stellungnahmen auf tripadvisor.de, holidaycheck.de und Co. werden seitens des Hotels kommentiert.
Wertung: noch gut

MO. 09/02, 17:30

Telefonische Reservierung – nicht einladend

Nach dem zwölften Klingeln wird endlich abgehoben. Der freundliche Mitarbeiter wiederholt gleich beim Begrüßen meinen Namen. Bei meiner Frage nach Kosten und Verfügbarkeit für ein Zimmer im März nennt er mir die sogenannte »Rack Rate« (so der O-Ton – das muss man als normaler Gast aber nicht kennen, oder?) mit 261,45 Euro. Bezüglich der Verfügbarkeit verbindet er mich mit der Reservierung. Frau F. meldet sich sofort und wiederholt den offiziell veröffentlichten Zimmerpreis. Auf mein Nachfragen erwähnt sie die Spezialrate inklusive Frühstück (29 €) für 299,45 Euro. Da das teurer ist, entscheide ich mich für die im Internet erwähnte Frühbucherrate für 235,30 Euro und bitte die Dame, diese zu buchen. Ein Hinweis auf die Vorzüge des Hotels findet nicht statt. Insgesamt ist das Auftreten der Mitarbeiterin zwar kurz angebunden und sehr salopp, aber noch als freundlich zu bezeichnen. Sie beendet das Gespräch mit der Verabschiedung »Ok, alles klar«. Kurz zur Erinnerung: Ich reserviere gerade in einem Fünf-Sterne-Superior-Hotel. Auch Spa-Behandlungen bleiben unerwähnt sowie die Empfehlung diverser Extras, die bei der Internetbuchung direkt mitgebucht werden können – zum Beispiel einen Blumenstrauß (75 €), Macarons (25 €) oder Chauffeur-Dienste.

Die Reservierungsbestätigung kommt am gleichen Abend per E-Mail in Form eines kurzen Anschreibens mit einseitigem PDF-Anhang. Der Preis lautet 235,31 Euro (man beachte den Cent mehr). Im Anhang werden erstmalig alle Inklusivleistungen wie kostenlose Minibar oder WLAN erwähnt. Der zukünftige Gast wird zwar auf die Öffnungszeiten im Restaurant hingewiesen, weiter jedoch nichts. So wirkt die angehängte Bestätigung nüchtern und ist ohne ersichtliches CI gestaltet. Der einzige Farbtupfer ist das goldene Relais & Chateaux-Logo – allerdings war das Schlosshotel im Grunewald nur bis Ende 2014 Mitglied dieser Kooperation.
Wertung: mangelhaft

Preisgestaltung – hier ist man engagiert

Das Thema Preisparität wird im Schlosshotel im Grunewald erfüllt – wenn man den lächerlichen Centbetrag einmal weglässt. Insgesamt sind zehn der 53 Zimmer als Suiten deklariert. Die günstigste Zimmerkategorie ist ab etwa 260 Euro für das Doppelzimmer pro Nacht ohne Frühstück zu haben. Die größte Suite – die »Kaisersuite« (200 qm) – kostet für eine Nacht 5.800 Euro ohne Frühstück. Hier findet der Gast eine Bibliothek sowie Möbel und Fresken aus dem Jahr 1914 vor. Die von Karl Lagerfeld designte »Grunewald Suite« (106 qm) gibt es für 2.880 Euro. Die Höhepunkte sind unter anderem das beeindruckende Designerbett, die extravagante Möblierung mit Klavier und das großzügige, romantische Art déco-Badezimmer mit handgemachten französischen Kacheln und weißem Marmorfußboden.

Bezüglich der Preise liegt das Schlosshotel damit gleichauf mit dem Adlon (260 €), nur das Rocco Forte Hotel de Rome ist mit 289 Euro teurer. Zum Vergleich: Das Waldorf Astoria ist für 170 Euro die Nacht zu haben, viele weitere Fünf-Sterne-Häuser bereits für 130 Euro. Die meisten Sterne für das wenigste Geld gibt es nun mal in Berlin.
Wertung: gut