Pullman Hotel Quellenhof Aachen

Ein unwürdiger Auftritt

»Hinter der eleganten Fassade im neoklassizistischen Stil verbirgt sich ein durch und durch modernes Hotel, das jeder Anforderung von Geschäftsreisenden vollauf gerecht wird.« So zumindest lautet das Versprechen auf der Website des Pullman Aachen Quellenhof. Was unser Hoteltester tatsächlich in dem Fünf-Sterne-Hotel vorgefunden hat, ist davon jedoch ziemlich weit entfernt.

DI. 19/05, 20:45, MI. 20/05, 09:20 – Telefonische Anfrage / Internetbuchung

»Die Damen sind erst morgen früh wieder im Haus«, bedauert Herr H., der meinen Anruf unter der Reservierungsdurchwahl entgegengenommen hat. Er bietet mir jedoch an, meine Anfrage an »die Damen« weiterzuleiten. Er selbst kann offenbar nichts für mich tun. So kann Geschäft verloren gehen – nicht jeder Gast ist gewillt zu warten. Ich zwangsläufig schon und so spreche ich am nächsten Morgen mit Frau S., deren rheinischer Tonfall sie sehr verbindlich klingen lässt. Bei ihr buche ich ein ruhig gelegenes Einzelzimmer »Superior« mit 1,50 Meter breitem Bett für 120 Euro pro Nacht inklusive Frühstück. Diese Frühbucherrate wird normalerweise sofort per Kreditkarte abgebucht und ist nicht stornierbar. Da ich aber telefonisch und nicht über ein Reservierungssystem buche, bietet mir die Revenue Managerin an, das Zimmer ganz normal bei Abreise zu bezahlen. »Wir haben ja die Provision gespart«, erklärt sie dieses Entgegenkommen auf Nachfrage. Dass ich einen Vierbeiner mitbringe, schlägt pro Nacht mit 15 Euro zu Buche. Dass dieser sogar ins Restaurant mit darf – das habe ich der Homepage des Hotels entnommen – mag Frau S. kaum glauben: »Da habe ich andere Informationen.« Sie will sich aber noch einmal erkundigen und mir Bescheid geben. Das tut sie mit der Reservierungsbestätigung: Ja, der Hund darf auch ins Restaurant.
Wertung: noch gut

Internet-Auftritt

So viel wie nötig, aber kaum mehr findet sich auf der Homepage des Quellenhofs. Die Informationen auf der Unterseite der Pullman Hotels sind klassisch aufbereitet und geben einen Überblick über das Angebot und die Serviceleistungen des Hauses. Am ausführlichsten präsentiert sich der Tagungsbereich. Dass als Zimmerbeispiel nur eine Suite gezeigt wird, erklärt sich später vor Ort. Speisen-, Bar- oder Weinkarten sucht der Besucher der Website vergebens, persönlich vorgestellte Ansprechpartner ebenfalls. Das Spa-Menü fehlt, wird aber nach meinem entsprechenden Anruf eingestellt.
Wertung: befriedigend

Vorab-Kommunikation

Einen Tag vor Anreise bitte ich per E-Mail um eine Verköstigung für meinen Hund, der das Pseudonym »Bella« erhält. Die Bedürfnisse meines haarigen Co-Testers gebe ich der Quellenhofküche wie folgt vor: »Vier Mahlzeiten à 150 Gramm, bestehend aus zwei Dritteln magerem Fleisch, am besten Geflügel, und einem Drittel Gemüse und Kohlenhydrate, beispielsweise Karotten und Reis.« Ich schlage vor, das Futter ›auf einen Schlag‹ zu kochen und dann portionsweise zu vakuumieren, sodass ich jede Mahlzeit kurzfristig abrufen kann. Nach einer Dreiviertelstunde kommt die Antwort: kein Problem. Nur der Preis steht noch nicht fest.  
Wertung: sehr gut

Lage / Anreise

Aachens Lage im Dreiländereck von Deutschland, Belgien und Niederlande ist sicher per se für viele Gäste interessant. Doch auch das Pullman Aachen Quellenhof kann mit seiner Lage punkten: Es befindet sich direkt am Stadtpark, ist mit dem Eurogress Messezentrum verbunden und nur zehn Minuten zu Fuß von der Innenstadt entfernt. Zwar braust der Verkehr auf der vierspurigen Monheimsallee, doch die etwas zurückgesetzte Lage des vierstöckigen Gebäudes fängt diesen Lärm ein wenig auf. Die klassizistische Fassade wirkt bei Anreise beeindruckend und gepflegt. Gleiches gilt übrigens für die Vorfahrt und die Grünanlagen. Nur: Weder ein Portier, noch ein Wagenmeister, noch ein Page lässt sich blicken, als ich am geschlossenen Portal halte. Wie ich später erfahre, sind sie nur an belegungsstarken Tagen im Einsatz. Ich setze meinen Wagen zurück und parke ihn selbst in der seitlich gelegenen Tiefgarage. 
Wertung: gut

DI. 26/05, 15:40 – Check-in

Der Weg von der Tiefgarage zum Aufzug führt durch eine nicht verschlossene Tür, einen langen unterirdischen, seltsam fahl wirkenden und etwas muffig riechenden Gang entlang. Der Aufzug fährt nur ein Stockwerk nach oben bis zur Lobby, was sicherheitstechnisch als Pluspunkt gelten darf. So können fremde Gäste nicht einfach in die Stockwerke mit den Zimmern fahren und Hotelgäste nicht einfach mit ihrem Gepäck durch die Tiefgarage verschwinden. Die hohe, helle Empfangshalle mit ihren Marmorsäulen wirkt nobel. Respektvoll werde ich von Herrn H. begrüßt, der – nachdem ich meinen Namen genannt habe – messerscharf folgert: »Dann muss das wohl Bella sein?« Herr H. lässt sich den Meldeschein vervollständigen, reicht mir ein Mäppchen mit der Schlüsselkarte über den Tresen und verweist auf die Aufzüge hinter mir. Dann wünscht er einen schönen Aufenthalt und – das war’s. Kein Angebot, mit dem Gepäck zu helfen. Keine Informationen zu den Restaurant- oder Spa-Öffnungszeiten. Keine Frage, ob ich vielleicht einen Tisch reservieren möchte. Kein Terminkärtchen zur gebuchten Spa-Behandlung – nichts. Und nichts ist definitiv zu wenig.
Wertung: noch befriedigend