Neptun Warnemünde
Hotel mit guten Aussichten

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Neptun Warnemünde

Ob das Neptun Warnemünde mit seinen »ausgezeichneten gastronomischen Angeboten« halten kann, was es verspricht, hat unser anonymer Hoteltester überprüft.  weiterlesen

MI. 25/02, 15:10 – Telefonische Reservierung

»Zu Qualitäts- und Servicezwecken wird dieser Anruf aufgenommen«, erklärt mir eine sonore männliche Computerstimme, bevor ich mit Frau W. verbunden werde. Sollte das Gespräch wirklich überprüft werden, wird man mit der Reservierungsmitarbeiterin wohl zufrieden sein. Sie könnte Frau Mustermann heißen, so standardisiert führt sie mich durch die Reservierung, ist höflich, spricht mich mit Namen an, stellt mir verschiedene Optionen vor und erkundigt sich zum Schluss, ob ich noch Fragen zur Buchung habe. Perfekt. Zu perfekt? Ich als Gast würde mir mehr Herzlichkeit als Höflichkeit, mehr Begeisterung als reine Informationsübermittlung wünschen. So könnte mir Frau W. auch Vorfreude auf den Besuch vermitteln, schließlich habe ich gerade ein Thalasso-Vital-Wochenende in einem Fünf-Sterne-Wellnesshotel gebucht – zum vorab bezahlten Vorteilspreis von 376 Euro für zwei Nächte, Halbpension und ein dreiteiliges Thalasso-Behandlungsprogramm. In der Reservierungsbestätigung hört sich das alles jedoch gleich viel netter an: »Wir haben ein Zimmer mit Balkon und Meerblick für Sie reserviert!« steht fett im Betreff. Fast überlese ich den letzten Satz, in dem darauf hingewiesen wird, dass während meines Aufenthaltes zwei Etagen umgestaltet werden, wofür man um Verständnis bittet.
Wertung: noch sehr gut

Internet-Auftritt / Online-Buchung

Ein sympathisches Paar in Windjacken, das ausgelassen am Meeresufer entlang hüpft, dazu der Slogan »Ankommen – Durchatmen – Auftanken!«: Bereits das erste großformatige Foto auf der Website des Hotels macht Laune und Lust auf Meer. Tatsächlich sind Fotos, Slogans und Texte gut gewählt und aussagekräftig. Alle Themen sind aktuell und bis ins Detail aufbereitet. Wer Zeit zum Schmökern hat, kann sich über einen »Zeitstrahl« in die Vergangenheit des Hotels zurückbeamen und dessen Entwicklung anhand der Ereignisse und der jeweiligen Promigäste verfolgen: von Fidel Castro zu DDR-Zeiten bis hin zu Rammstein in der jüngeren Vergangenheit. Neben einem Blog und einem Live-Chat werden 45 Ansprechpartner der einzelnen Abteilungen mit Bild, Durchwahl und E-Mail vorgestellt – das schafft Nähe und persönlichen Bezug. Bei der Durchwahl von GM Guido Zöllick handelt es sich allerdings um die seiner Vorzimmerdame und auch der E-Mail-Button öffnet eine Mail an ebendiese.
Wertung: sehr gut

Vorab-Information

Wenige Tage vor Anreise erhalte ich eine nett formulierte und vom GM gezeichnete Mail mit Links zu Ausflügen, dem Spa-Behandlungsmenü und anderen zubuchbaren Leistungen. Klar: So lässt sich vorab zusätzlicher Umsatz generieren. Die gelisteten Informationen zu Veranstaltungen während meines Aufenthalts sind jedoch nicht nützlich, denn diese starten erst mit dem Abend meines Abreisetages. 
Wertung: befriedigend

Lage / Anreise

Wenn Lage, Lage, Lage die drei wichtigsten Kriterien für den Wert einer Immobilie sind, kommen beim Hotel noch Blick, Blick, Blick hinzu. Einen 65 Meter hohen Hotelturm direkt an den platten Warnemünder Strand zu bauen, wäre heute undenkbar. Allerdings steht das Hotel Neptun dort nun einmal seit 44 Jahren. Zum Glück seiner Gäste, denn auch wenn die 1970er-Jahre-Hochhausarchitektur wenig Charme versprüht, ist der Blick aus allen Zimmern, aus Restaurants und Spa einfach sagenhaft. »Kommense rein, dann könnense rausgucken«, lautet die Devise. Im Inneren des Hotelgebäudes vergisst man die Skepsis, die einen beim ersten Anblick befiel, komplett. Wer anreist, kann zumindest im Sommer nach Rostock fliegen, wer mit dem Zug fährt, wird kostenlos vom Bahnhof Warnemünde-Werft abgeholt. Dänen und Schweden können auch die Fähre nutzen. Autofahrer bekommen für 16 Euro pro Nacht einen Parkplatz direkt am Hotel. Zwar begibt sich Warnemünde im Oktober in den Winterschlaf und erwacht erst kurz vor Ostern wieder zum Leben, doch das Hotel Neptun trotzt dem durchgehend mit seinem Spa-Programm. 
Wertung: sehr gut

MI, 18/03, 11:45 – Check-in

Mein Arrangement zum Vorteilspreis ist laut Reservierungsbestätigung nicht umzubuchen. Zieht das Hotel diese Policy durch oder reagiert es im Zweifelsfall zugunsten des Gastes? Aus dem Online-Buchungssystem weiß ich, dass das Hotel nicht voll belegt ist und reise auf gut Glück zwei Tage vorher an. Von unterwegs telefoniere ich mit der Empfangsleiterin und erkundige mich nach der Möglichkeit eines früheren Check-ins. Ich gebe mich überrascht, als Frau T. meine Anreise erst für zwei Tage später bestätigt. Doch die Dame erwähnt mit keinem Wort den bewussten Passus aus der Reservierungsbestätigung. Stattdessen versichert sie mir, dass das alles kein Problem sei und sagt freundlich: »Jetzt kommen Sie erst einmal in aller Ruhe an. Bis dahin habe ich hier alles in die Wege geleitet.« Als ich zwei Stunden später vor der Hotelrezeption stehe, ist mein Arrangement umgebucht, der Termin für die Spa-Behandlung ebenso, und mein Zimmer ist sogar bereits bezugsfertig. Frau T. hält lächelnd den Daumen hoch, ihre Mitarbeiterin checkt mich ein. Ein Herr im Anzug begleitet mich nett plaudernd zum Wagen, den ich vor dem Eingang stehen gelassen habe. Er lädt mein Gepäck aus und zeigt mir den Weg zu den Parkdecks. Als ich in meinem Zimmer eintreffe, ist das Gepäck schon da. 
Wertung: sehr gut