Hoteltest im Sofitel Hamburg Alter Wall: So lala statt oh là là - Check-out / Café / Lost & Found / Bilanz / Gesamteindruck

Hoteltest im Sofitel Hamburg Alter Wall

So lala statt oh là là - Check-out / Café / Lost & Found / Bilanz / Gesamteindruck

Check-out: Ohne Bravour

 

Ob Frau S. mich gesehen hat? Ich sage laut und deutlich »Guten Morgen«, woraufhin Frau S. sagt »Ich bin gleich für Sie da«, ohne auch nur den Blick von der Tastatur zu heben. Frau M. springt ein, eine aparte Spanierin, die strahlend fragt: »Haben Sie gut geschlafen?« Leider spricht Frau M., offenbar eine Praktikantin, eigentlich gar kein Deutsch. Das stellt sich heraus, als ich auf ihre Frage etwas harsch mit »Nein« antworte. Frau M. schaut mich ratlos an, und endlich reagiert Frau S. und kümmert sich um mich und meine Rechnung. Der Minibarverzehr der vergangenen Nacht geht, da nicht abgefragt, auf Kosten des Hauses, auch ein Frühstück à 34 Euro, das anscheinend nicht aufgebucht wurde. Ohne diese Posten hat mein zweitägiger Hotelaufenthalt 808,20 Euro gekostet. Frau M. überreicht mir einen Bildband über Hamburg, strahlt wieder und sagt: »Für dich!« Jetzt ist es an mir ratlos zu schauen. Frau S. checkt den Computer und meint: »Weil Sie wegen der Baustelle so schlecht geschlafen haben.« Danke, J. aus dem Spa.
Wertung: mangelhaft

Café: Aus der Bredouille

Vor meiner Abreise trinke ich im Hotelcafé noch einen Espresso. Herr A. – in den letzten Zügen seiner Ausbildung – erzählt mir begeistert von dem Experiment der Hotelleitung, die Führung des Cafés komplett den Auszubildenden zu überlassen. Bei Azubis wie dem smarten, aufgeweckten Herrn A. ist so etwas sicherlich kein Problem. Schade, dass auch er, wie so viele, der Hotelbranche nach seiner Ausbildung nicht treu bleiben will. Als ich erzähle, mein Tiefgaragenparkticket wohl versehentlich entsorgt zu haben, begleitet mich Herr A. zur Rezeption und stellt mir – ohne Rücksprache mit einem Verantwortlichen – ein Einmal-Ausfahrticket aus. Ich weiß die Geste zu schätzen, doch dem Hotel entgehen so mal eben rund 60 Euro an Parkgebühren.

Lost & Found: Perdu

Fünf Versuche braucht es, bis mein Anruf im Hotel – von einem Telefoncomputer zigmal weitergeleitet und immer wieder abgebrochen – endlich bis zur Rezeption durchdringt. Das nervt. Statt des freundlich versprochenen Rückrufs erhalte ich eine E-Mail der Hausdame: Die auf dem Nachttisch »vergessenen« Silberohrringe wurden leider nicht gefunden.
Wertung: mangelhaft

Bilanz

Was blieb bei mir haften von diesem Hotelbesuch? Verärgerung über An- und Abreise, Wohlgefallen an gelungenem Design, Freude über ein bequemes Sofa im Hotelzimmer. Staunen über die Extravaganz des Spa, Respekt für die Einsatzfreude der Mitarbeiterinnen dort, Enttäuschung über die verunglückte Spa-Behandlung. Eine gerunzelte Stirn bezüglich des Frühstücks, ein breites Lächeln für die Barkeeper, ein Kopfschütteln über den Schuhputzservice. In Summe also einmal die ganze Bandbreite von Emotionen und Empfindungen – aber letztlich keine Begeisterung in Gänze für das Sofitel als Luxushotel. »Life is magnifique in Hamburg«? Das ist es ohne Zweifel – im Sofitel aber nur mit Abstrichen.

Gesamteindruck: 60 %
Testurteil: befriedigend

100-81 sehr gut;   80-61 gut;   60-41 befriedigend;   40-21 mangelhaft; 20-0 ungenügend. Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel; die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewertet!