Hoteltest im Sofitel Hamburg Alter Wall: So lala statt oh là là - »Ristorante Ticino« / Schuhputzservice / Weckruf / Zimmerfrühstück

Hoteltest im Sofitel Hamburg Alter Wall

So lala statt oh là là - »Ristorante Ticino« / Schuhputzservice / Weckruf / Zimmerfrühstück

19:30
»Ristorante Ticino«: Ohne Finesse

 

Profitable Hotelgastronomie ist ein schwieriges Thema. Zumal mitten in Hamburg, wo das Hotel von Restaurants und Kneipen jeglicher Couleur umgeben ist. Die Räume des früheren Bistros hat das Sofitel an die Nachbarn verpachtet, die Vinothek wird nur noch für Veranstaltungen genutzt, das Café dient als Experimentierwiese für die Azubis. Und das Restaurant »Ticino«? Ist am Abend gähnend leer, wir sind für eine ganze Weile die einzigen Gäste. Und wie so oft gilt: Wo wenig zu tun ist, wird noch weniger getan. Soll heißen, die beiden Damen vom Service sind immer wieder für längere Zeit verschwunden. Wenn sie da sind, sind sie allerdings sehr freundlich. So dürfen wir beispielsweise die in Frage kommenden Rotweine probieren, bevor wir uns entscheiden.

Die Küche grüßt mit einem feinen Rindertatar auf Guacamole, außerdem gibt es zweierlei frisches Baguette mit Butter und Meersalz vorab. Der Cappuccino vom Hokkaido-Kürbis mit steirischem Öl ist ein Gedicht und auch meine Begleitung ist mit ihrem Rindercarpaccio mit Parmesanmousse und Tomatenmarmelade heureux. Ich probiere es, mag aber das aufdringliche Trüffelöl daran nicht. Die Entenbrust zum Hauptgang (mit Kürbisvariation und Gnocchi) könnte etwas mehr rosa sein, mein Entrecôte ist vom Gargrad her super, nur gänzlich ungewürzt. Dazu gibt es Wurzelgemüse und Rosmarinkartoffeln. Zum Dessert teilen wir uns eine »Geschmorte Pflaume mit Vanille-Crème fraîche«, was sich als Reinfall erweist. Die Pflaumen sind unreif und schmecken fad, die weißliche Sauce dazu klumpt und reißt auch geschmacklich die Sache nicht heraus. »Okay« sagt die Servicekraft, als sie das nur halb aufgegessene Dessert abräumt und ich ihr sage, dass es uns nicht geschmeckt hat. Reklamationshandling geht anders. Die Namen der bistrobeschürzten Mitarbeiterinnen sind auf den schmalen Messingschildchen nicht lesbar, was im Übrigen auf die Namensschilder aller Mitarbeiter des Sofitel zutrifft. Dann kann man das mit den Namensschildern auch lassen. Auf der Rechnung finde ich einen nicht bestellten dritten Prosecco, ohne diesen beläuft sich der Betrag auf 141,90 Euro.
Wertung: noch befriedigend

Schuhputzservice: Incroyable

»Ich freue mich, dass ich Ihre Schuhe putzen durfte.« Wirklich? Vorsichtshalber wird das Schuhputzformular, auf dem der Schuhputzer seine Unterschrift unter diesen Satz setzen soll, nicht mit den Schuhen zurückgegeben. Das ist auch besser so. Denn unsere Schuhe wurden einfach nur fett mit Schuhcreme eingerieben und so retourniert – klebrig-stumpf und noch immer schmutzig. Zum Glück gibt es ein Schuhputztuch im Schrank.
Wertung: mangelhaft

Weckruf: Einmal mehr Bonjour

»Bonjour, es ist sechs Uhr fünfzehn, dies ist Ihr Weckruf.« Auf mein »Vielen Dank« folgt noch ein »Bitteschön« und – klack – ist der Hörer aufgelegt. Ich verstehe ja, dass beim Wecken keine Zeit zum Schwätzen bleibt, aber den Gast beim Namen zu nennen, ist eine ebenso schöne Geste wie sich mit dem eigenen zu melden. Und um einen schönen Tag zu wünschen, bleibt eigentlich immer Zeit.
Wertung: befriedigend

27/10, 08:00 Uhr
Zimmerfrühstück: À la minute

Wer auch immer in der Nacht die Schuhe eingesammelt hat, hat die ausgehängte Frühstückskarte übersehen. Frau P. vom Roomservice, die ich um kurz nach sieben anrufe, ist das sehr peinlich. Sie holt die Karte ab und klopft – ob sie das Frühstück vielleicht gleich herrichten solle? Es bleibt bei 8 Uhr. Obwohl ich das Frühstück nur für eine Person bestellt habe, ist der Wagen für zwei gedeckt – auch mit zwei Smoothies und zwei Gläsern Orangensaft. »Weil doch das Zimmer laut Liste mit zwei Personen belegt ist«, erklärt die aufmerksame Frau P. Berechnet hat sie das Zimmerfrühstück aber nur für eine Person – mit 34 Euro kostet es eh genug und genauso viel wie im Restaurant. Bis auf den Dosenobstsalat ist alles bestens, die Tageszeitung und zwei Sofitel-Marshmallows sind eine nette Aufmerksamkeit.
Wertung: noch sehr gut