Hoteltest im Sofitel Hamburg Alter Wall
So lala statt oh là là - »Seven Heads Bar« / Silence / Petit déjeuner mit großen Lücken

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»Seven Heads Bar«: Par excellence

 

Einmal mehr erwartungs- und hoffnungsfroh begebe ich mich mit meinem Besuch ins Erdgeschoss des Hotels. Die dort angesiedelte »Seven Heads Bar« genießt unter Hamburgern einen guten Ruf und das nicht nur, weil sie als einzige Bar Sitzplätze direkt am Alsterfleet bietet. Das Raum-im-Raum-Konzept – die hohe, quadratische Bar erweckt den Eindruck, als sei sie nur mit einem halbtransparenten Vorhang von der Lobby abgetrennt – wirkt schick und edel, die Beleuchtung stimmt. Grasgrüne Sessel symbolisieren vierblättrige Kleeblätter, rot-orangene Lampen den Sonnenaufgang, sieben Buddhaköpfe auf dem Regal das Glück. Diese Symbolik erklärt uns E., einer der Barkeeper, der wie sein Kollege A. genauso offen und kommunikativ ist, wie man sich einen Barkeeper wünscht, und der dazu noch super mixen kann. Für Cocktails gibt es eine Tageskarte und wir folgen der Empfehlung der Keeper. Holla, die Waldfee – der Germano Mexicano hat eine ordentliche Portion Mescal intus, den 40-prozentigen Agavenschnaps muss man schon mögen. Mein Old Cuban mit Champagner, Bacardi und Angostura schmeckt da schon gefälliger. Beim zweiten Drink meiner Begleitung, einer Eigenkreation mit dem schönen Namen R.I.P., mixt A. so viel davon, dass ich auch noch ein halbes Glas abbekomme. Nach diesem Getränk mit Tequila, Gin, Wodka, Triple Sec und verschiedenen Säften sehe ich meine Erwartungen und Hoffnungen gänzlich erfüllt und begebe mich beglückt zu Bett.
Wertung: sehr gut

Silence!

Auf jeden Fall ruhig möge mein Zimmer liegen – darum hatte ich bei der Reservierung gebeten. Dass ich wegen des weichen Duvets schlecht schlafe, dafür kann das Hotel nichts. Dass auf den beiden Baustellen seitlich und gegenüber dem Hotel bereits vor sechs Uhr der Arbeitstag beginnt: auch »dafür nich«. Aber wenn ich schon um ein ruhiges Zimmer bitte, muss man mich nicht ganz ans Ende des Schlaftraktes legen, wo ich dem Baustellenlärm am nächsten bin.

26/10, 10:00
Petit déjeuner mit großen Lücken

Oh là là! – Der Duden umschreibt diesen Begriff als Ausruf der Anerkennung, das Pons Französischlexikon übersetzt ihn mit »au Backe«. Ein Oh là là für das Frühstück im Sofitel Alter Wall kann also vieles bedeuten. Ich hätte sowie eher für »so lala« votiert und ein Gast nennt das 34 Euro teure Frühstück auf TripAdvisor schlicht »Abzocke«. Französische Opulenz sucht man auf diesem Buffet tatsächlich vergebens. Ja, es gibt eine überdurchschnittliche Auswahl französischer Käse, wunderbar kräftiges Brot mit so lautmalerischen Namen wie »Niebüller Knust«, eine Stiege mit Äpfeln vom Alten Land, gute Säfte und (deutschen) Sekt. Es gibt Fleischsalat und Couscous-Salat in Weckgläschen und eine Frontcooking-Station für Eierspeisen. Aber das war es im Großen und Ganzen auch schon an Hervorhebenswertem. Die Auswahl an Schinken und Aufschnitt ist eher nicht so dolle, Obstsalat und aufgeschnittenes Obst sehen zwar schön aus, schmecken aber alle gleich (Convenience?), Butter wird lediglich in einer Variante angeboten, laktose- und glutenfreie Produkte nur auf Anfrage/Vorbestellung. Wer warme Speisen zum Frühstück bevorzugt, darf wählen zwischen Bratkartoffeln und Baked Beans, Würstchen, Speck und Grilltomaten. Ein Porridge kann ich bestellen, obwohl das Cerealienbuffet ohne Haferflocken auskommt. Roastbeef? Fehlanzeige. Kuchen? Fehlanzeige. Nur Croissants, na klar, und die üblichen Blätterteigteilchen. Am Eingang zum Restaurant werde ich zimmernummermäßig abgehakt und sitze dann erst einmal ein Weilchen unbehelligt an meinem Tisch. »Ach – sitzen Sie schon länger hier?« fragt eine der Servicedamen erstaunt, als ich mich schließlich erhebe und sie um ein Heißgetränk bitte. Dem jungen Azubi, der verschüchtert herumsteht, möchte man Beine machen, aber man kann ihm auch irgendwie nicht böse sein. Zeigt dem Jungen doch, wie guter Service geht, Mädels, und freut euch, dass noch welche den Beruf ergreifen!
Wertung: befriedigend