Hoteltest im Sofitel Hamburg Alter Wall: So lala statt oh là là - Housekeeping – Wäscheservice / Housekeeping – Turndownservice / Fauxpas

Hoteltest im Sofitel Hamburg Alter Wall

So lala statt oh là là - Housekeeping – Wäscheservice / Housekeeping – Turndownservice / Fauxpas

13:32
Housekeeping – Wäscheservice: Nonchalant

 

»Das bekommen wir hin«, urteilt der junge Mann fachmännisch, als er den abgerissenen Aufhänger meines Mantels begutachtet. Kurz nach meinem Anruf beim Housekeeping steht er im Zimmer und nimmt drei Sachen entgegen: den Mantel mit der Bitte um Annähen des Aufhängers, eine frisch gewaschene Strickjacke mit der Bitte, diese zu bügeln und einen Anzug, der in die Reinigung muss. »Dafür nich«, sagt der nette Mitarbeiter, als ich mich bei ihm bedanke. Den Anzug avisiert er mir für 18 Uhr des Folgetages, die anderen beiden Sachen würde ich noch am selben Tag zurückbekommen. Tatsächlich hängen Mantel und Strickjacke eine Stunde später auf Drahtbügeln an meiner Garderobe. Für den Nähservice wurde nicht einmal etwas berechnet. Aber gut, dass ich den Anzug am nächsten Abend nicht brauche – bis 20 Uhr ist er noch nicht retourniert. Erst als ich um 22 Uhr vom Essen komme, hängt er frisch gereinigt da.
Wertung: gut

Housekeeping – Turndownservice: Blamable

»Die Zimmer werden zwischen 8 und 16 Uhr gereinigt. Bitte wenden Sie sich an unsere leitende Hausdame (2984), um andere Reinigungszeiten zu vereinbaren.« Das ist alles, was im Gäste-A-Z zum Thema Zimmerreinigung zu lesen ist. Ein Turndownservice gehört nicht zum Standard.
Wertung: ungenügend

18:43
Fauxpas

Meinem Nachwuchs könnte ich aus dem Kindermenü Fischstäbchen mit Kartoffelsalat bestellen (15 Euro), meinem Vierbeiner aus dem Hundemenü Rindfleisch mit Reis und Ei (6 Euro) und mir selbst aus dem De-Light-Menü Aromatische Urtomaten mit Wiesenkräutern (12 Euro). Respekt, die Roomservice-Karte ist wirklich gut sortiert. Aber mein Blick bleibt beim gebackenen Kalbskotelett haften. Kalbskotelett! Wo gibt es das noch auf einer deutschen Speise-, geschweige denn Roomservice-Karte? Erwartungs- und hoffnungsfroh stelle ich mir ein Menü zusammen aus einem Erbsensüppchen mit Büsumer Krabben (9 Euro), dem gebackenen Kalbskotelett mit lauwarmem Kartoffelgurkensalat (30 Euro) und dem hausgemachten Apfelstrudel mit Bourbon-Vanilleeis (6,50 Euro). Froher Erwartung im Hinblick auf seltene lukullische Genüsse, froher Hoffnung, dass man mir das Dreierlei in einzelnen Gängen serviert. Schließlich soll das Kotelett ja nicht kalt werden, während ich das Süppchen genieße, und das Vanilleeis zum Apfelstrudel nicht warm.

Als erstes geht die frohe Erwartung flöten. Kalbskotelett gibt es nicht mehr, bescheidet mich Mitarbeiterin M. am Telefon; es ist nicht etwa »aus«, sondern von der Karte genommen. Sie könne mir stattdessen ein schönes Wiener Schnitzel anbieten, auch mit Kartoffelgurkensalat. Hmpf. Also gut. Aber Erbsensüppchen geht klar und Apfelstrudel auch. Wie ich das alles serviert haben möchte, wird nicht erfragt. Nur mein Getränkewunsch. Ich ordere ein gezapftes Jever und einen trockenen Rosé. 20 bis 25 Minuten soll das Ganze dauern, nach 28 Minuten klopft es an der Tür. Ein junger Mann hat den ganzen weiten Weg aus der Küche mit einem Tablett auf der Schulter zurückgelegt – klar, wie soll er mit einem Servierwagen auch die Stufen hochkommen. Trotzdem ist er fröhlich, als er das Tablett abstellt. Und aufmerksam: »Oh!«, sagt er. »Ich wusste nicht, dass Sie zu zweit sind, ich bringe gleich noch ein Besteck.« Mein Besuch, der nicht zur Essensteilhabe eingeladen war, freut sich. Auf dem Tablett sehe ich Suppe und Schnitzel, ich unterschreibe für Suppe, Schnitzel und Apfelstrudel. »Der Apfelstrudel kommt dann sicher später«, frohlocke ich. »Ach nein, den habe ich vergessen. Den bringe ich gleich mit dem Besteck.« Aus »gleich« werden bei dem weiten Weg logischerweise acht Minuten, in denen wir schon fast alle Speisen – auch mit nur einem Besteck – vertilgt haben. Das leichte Süppchen schmeckt nicht schlecht, statt Büsumer Krabben lugt allerdings ein einzelnes größeres Schalentier daraus hervor. Die beiden frauenhandgroßen Schnitzel sind mit zu fester Panade beklebt statt locker-flockig umhüllt und haben einen leichten Fischgeschmack. Dazu gibt es Preiselbeeren satt, Zitrone im Säckchen und einen tatsächlich lauwarmen Kartoffel-Gurkensalat. Der Apfelstrudel, welche Enttäuschung, kommt direkt aus dem Kühlschrank und schmeckt ebenso künstlich wie das Vanilleeis. Wenn dieser Strudel hausgemacht ist, hat der Patissier sein Thema verfehlt. Wenn nicht gar seinen Job. Die Bierschaumkrone ist auf dem Weg zum Zimmer – wen wundert’s – in sich zusammengefallen, der Rosé war leidlich kalt. Das Tablett – welches im Übrigen ordentlich und vollständig eingedeckt war mit Brot und Butter, Menagen, Abräumhinweis sowie einem Blümchen – stelle ich nach einem Anruf beim Roomservice vor die Tür in den Gang. Dort steht es um Mitternacht immer noch.
Wertung: noch befriedigend