Hoteltest im Sofitel Hamburg Alter Wall
So lala statt oh là là - Check-in / Zimmer 2326 / Bad

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MI. 25/10, 13:20
Check-in: Misérable

 

»Durchgehendes Gestaltungskonzept des Hotels ist… das Spiel von Gegensätzen wie arm und reich, Kontrast zu Einklang und Material zu Proportion.« Aha. In der Lobby des Sofitel Alter Wall nehmen die Worte des Innenarchitekten Bert Haller Gestalt an: viel Platz, viel Licht, viel Luft und viel Glas Richtung Wasser. Dazu gerade Linien und klare Formen, grauer Marmor und graue Polster sowie riesige Vasen mit futuristischen Pflanzenarrangements. Die Rezeption: ein an drei Seiten offener Kubus mittendrin. Ein junger Mensch checkt mich dort ein, höflich zwar, doch unter Missachtung etlicher Standards. Nach der Abwicklung der Anmeldeformalitäten erhalte ich mein Zimmerkärtchen und die Information, dass das Zimmer im ersten Stock liegt und nur der mittlere Aufzug zum Spa führt. »Schönen Aufenthalt!« Dann bin ich entlassen. Keine Hinweise zu Frühstück, Restaurant, Bar und Spa-Angebot. Kein Angebot, mir mit dem Gepäck zu helfen. Und kein Page in Sicht. Also nehme ich den Aufzug in den ersten Stock – und stehe nach wenigen Metern vor neun Stufen. Die Zimmeretagen liegen versetzt zum Hauptgebäude mit den Aufzügen. Und jetzt? Stufe für Stufe wuchte ich mein Gepäck nach oben. Nein. So werden das Sofitel und ich keine Freunde.
Wertung: mangelhaft

Zimmer 2326: En vogue

Einen Privatraum würde man so wohl nicht möblieren. Und doch hat das Sofa, das direkt vor dem Bett steht, den Vorteil, dass es ein Sofa ist und mit seinen weichen Flanellkissen und dem eiförmigen Fußhocker ein richtig gemütliches »Kuschel- und Fläzmöbel« darstellt, wie man es in Hotelzimmern nur selten findet. Ich denke da an das Arme-Sünder-Bänkchen im Schwesterhotel Sofitel Munich Bayerpost. Auch der drehbare, schalenförmige Schreibtischstuhl ist mit seinem grauen Filzpolster erstaunlich bequem. Kurz gebe ich mich der Illusion hin, er sei auch höhenverstellbar, doch er dreht sich nur um die eigene Achse. Das Design des Zimmers wirkt kühl, straight und stylisch, mit viel Grau, viel Creme und geraden Formen. Es sind die Stoffe, die etwas Wärme spenden: Filz als Sofabezug und Minibar-Frontverkleidung, Flanell in den Kissen und als Bettüberwurf. Farbe kommt aus den Nachttischleuchten – Gelb – und ein Deckenspot verpasst dem grauen Bettüberwurf einen pinkfarbenen Fleck. Was mich persönlich richtig stört, ist ein gerahmtes, unscharfes Foto zweier Damen über dem Bett, das aussieht als stamme es direkt aus dem Katalog eines osteuropäischen Heiratsvermittlers. Was soll das sein? Originell? Die Schiebetür vor der hellen Schrankwand ist schwergängig und man muss sich als Gast entscheiden, ob man lieber das Hängeabteil oder die Fächer vor fremden Blicken schützen will. Beides zugleich geht nicht. Das Entweder-oder der Schiebetür hat einen weiteren Nachteil: Nutzt man den Kofferbock, der in das Hängeabteil integriert ist, zum Auspacken und will Kleidung in den Fächern des anderen Schrankabteils verstauen, muss man die schwere Tür immer umständlich hin- und herschieben. Zehn stabile, formschöne Holzbügel hängen da, darunter ein Pullover-, zwei Hosenklemm- und sogar ein Krawattenbügel. Kleiderbürste, Schuhlöffel, Nähetui, Schuhputztuch, Wäschebeutel, Wäschepreisliste, Zimmersafe und Badeschlappen – alles vorhanden. Einen gähnend langweiligen Inhalt offenbart die filzbespannte Minibartür: Aufregendstes Getränk im wahrsten Sinne des Wortes sind zwei Dosen Red Bull. Ansonsten gibt es Bier, Cola, Säfte, Wasser und einen Prosecco mit Kronkorkenverschluss. Während der Rotwein ein hübsches eigenes Schublädchen in der Schrankwand sein Zuhause nennt, heißt es bei Weißwein, Sekt und Champagner: Fehlanzeige. Genauso wie bei Obst, einer Süßigkeit zur Begrüßung und einem Betthupferl. Aber es gibt leckere Nüsschen (8 Euro/100 g), einen Strohhalm, einen Stirrer (wofür?) und einen Heißwasserbereiter mit löslichem Kaffee und Teebeuteln. Wer lieber Nespresso trinken will, muss die nächsthöhere Zimmerkategorie buchen. Das Wasser auf dem Schreibtisch ist wohl gratis, auch wenn das Begrüßungskärtchen mit der hektographierten Unterschrift des Direktors das nicht impliziert. Musikfans finden unter dem Flatscreen ein Bose Wave Radio, WLAN ist in der Light Version kostenlos, Premium-WIFI ohne Bandbreitenbeschränkung kostet 6 Euro pro Tag. Der ovale Schreibtisch ist nicht groß, aber funktional und mit Tageslicht und/oder einer Stehlampe gut beleuchtet. Steckdosen und Anschlussbuchsen sind wie das Haupttelefon in einer Nische der Schrankwand untergebracht, was für umständliches Gefummel sorgt.

Ein Gäste-A-Z ist ebenso vorhanden wie Notizblöcke plus Bleistift und Kugelschreiber, ein Fernsehprogramm (aufgeschlagen beim aktuellen Datum), die Frühstücksmenükarte zum An-die-Tür-hängen und ein Room Service Directory. Das Bett mit seinen straff gezogenen Decken und den vier Kissen wirkt streng und behaglich gleichermaßen. Leider ist es mit den typisch französischen Duvets ausgestattet. Mag sein, dass das Versinken in diesen weichen Zusatzmatratzen für viele Gäste einen besonderen Komfort bedeutet, für mich, der ich auch auf einem Brett schlafen könnte, stellt es eher eine Folter dar. Ein tolles kleines Extra hingegen: mein halber Quadratmeter Balkon hinaus aufs Fleet, wie der Kanal in Hamburg eigentlich heißt. Von hier aus kann ich den Menschen in den gegenüberliegenden Büros beim Arbeiten zuschauen und den Ausflüglern auf den Rundfahrtschiffen zuwinken. Das Zimmer ist bei Anreise gut gereinigt und auf angenehme 20 Grad temperiert. Die Klimaanlage lässt sich leicht regeln, läuft aber unangenehm laut.
Wertung: gut

Bad: Superb

Im Verhältnis zum Zimmer wirkt das Bad erstaunlich groß. Und mit Badewanne, separater, begehbarer Dusche und riesiger Spiegelfront über dem Granit-Waschtisch erstaunlich luxuriös. Ein großformatiges Gras-auf-Glas-Foto über der Wanne gibt Farbe und Atmosphäre, ein separater Heizkörper spendet bei Bedarf Wärme. Ein Glasstreifen erlaubt den Blick ins Zimmer und vice versa, wobei der Tageslichtvorteil kaum zur Geltung kommt. Und auch nicht benötigt wird, denn das Licht im Bad ist gut, die Strahler lassen sich sogar mit der Hand nach Wunsch verstellen. Ein ovales Designerwaschbecken ist auf den Waschtisch aufgesetzt und lässt Platz für Gästeutensilien. Opulente Badetücher und wohlduftende Guest Supplies von Lanvin sorgen für Wohlgefühl. Zwei Bademäntel in Waffel-
pikee (XL und XXL) liegen sorgfältig gefaltet auf dem Wannenrand. Zwar gibt es keinen Handtuchwärmer, doch eine Edelstahlstange quer vor dem Heizkörper hilft beim Trocknen. Bis auf ein paar Fingerabdrücke auf den Zahnputzgläsern ist das Bad picobello sauber – selbst auf den Duschköpfen ist kein Krümel Kalk zu finden. Die Duschtür schließt allerdings nicht richtig und die Lüftung arbeitet zwar ohne hörbare Geräusche, aber auch ohne spürbare Wirkung.
Wertung: noch sehr gut

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