Hoteltest im Sofitel Hamburg Alter Wall: So lala statt oh là là

Hoteltest im Sofitel Hamburg Alter Wall

So lala statt oh là là

Das Sofitel Hamburg Alter Wall  liegt fernab vom hektischen Treiben direkt an einem Kanal im Herzen der historischen Altstadt und verspricht eine »einmalige Liaison aus französischem Art de vivre und einheimischer Raffinesse«. Der Funke wollte auf unseren anonymen Hoteltester dennoch nicht so richtig überspringen.

DO. 28/09, 16:45
Telefonische Reservierung: Chapeau

Dem fröhlichen »Bonjour!« der Reservierungsmitarbeiterin am Anfang unseres Telefonats setze ich nach sage und schreibe 15 Minuten in Gedanken ein »Chapeau!« entgegen. So viel Zeit hat sich F. genommen, um mich durch die Irrungen und Wirrungen der Zimmerkategorien zu einer Buchung zu geleiten – gleichbleibend geduldig, zuvorkommend und kompetent. F. hat ihre Ausbildung im Sofitel Alter Wall absolviert und kennt das Hotel wie ihre Westentasche. Das erweist sich in ihrer jetzigen Funktion als echter Vorteil, denn selbst die Marke des löslichen Kaffees, der in den niedrigeren Zimmerkategorien samt Wasserkocher angeboten wird, weiß F. zu nennen. Sie weiß, wie sich der zusätzliche Platz in der Luxuskategorie auswirkt und aus welchem Stockwerk der Kanalblick wirklich ein Highlight ist. Einzig die Tatsache, dass bei der Rate, welche ich schließlich buche, der Preis für die erste Nacht bereits drei Tage vor Anreise abgebucht wird, bleibt von ihr unerwähnt. Doch das sei der tüchtigen Mitarbeiterin verziehen. Ansonsten hat sie ihre Sache richtig toll gemacht. 
Wertung: sehr gut

Internet-Auftritt: Zuviel Attitude

Ich gehöre ja selbst zur schreibenden Zunft und weiß von daher gelungene Formulierungen zu schätzen. Aber »Life is magnifique in Hamburg«? Und was denken sich die Kollegen in der Marketingabteilung des Sofitel bei einer Überschrift wie dieser: »An einem ruhigen Kanal im Herzen der historischen Altstadt gelegen kombiniert dieses Luxushotel in Hamburg kreativen Scharfsinn mit französischer Lebensart.« Französische Lebensart – okay. Aber kombiniert mit kreativem Scharfsinn? Das ist nichtssagender Schönsprech der schlimmsten Sorte. In diesem Stil geht es auf der Homepage weiter und als Besucher tut man gut daran, sich auf die ansprechenden Fotos zu konzentrieren. Zumal man bei der Unübersichtlichkeit des Internetauftritts ständig Gefahr läuft, von der Seite des Hamburger Sofitels auf Angebote der Gruppe allgemein zu klicken. Weniger wäre hier in vieler Hinsicht mehr. Nur nicht bei der Vorstellung der Zimmerkategorien. Denn da wird die Kategorie »Classic« mit ihren 19-Quadratmeter-Zimmerchen glatt unterschlagen. So wenig ist dann auch wieder nicht gut.
Wertung: befriedigend

Lage / Anreise: Formidable / indiscutable

Es heißt, Hamburg habe mehr Kanäle als Amsterdam. An einem davon liegt das Sofitel Alter Wall, malerisch und dennoch zentral zu allem, was Hamburg-Besucher interessiert: Rathausplatz, Banken, Theater, Nobelboutiquen, St. Pauli, Hafen, Elbphilharmonie. Eher an Venedig denn an Amsterdam erinnert der Imagefilm des Hotels, in dem eine elegante Dame per Motoryacht anreist und in dem ihr von einem gleichfalls eleganten Portier an Land geholfen wird. Dieses Bild habe ich im Kopf, als ich mich mit dem Auto durch das Einbahnstraßen- und Baustellengewirr der Altstadt kämpfe, mich am Hotel nach einem U-Turn in die schmale Zufahrt zur Tiefgarage einfädele, nur um darin am Ende einer Seite festzustellen, dass die Tiefgarage da wirklich zu Ende ist. Also in der Enge wenden und endlich auf der anderen Seite den Hoteleingang finden, um ihm gegenüber auf einem Parkplatz »für allein reisende Damen« zu parken. So werden das Sofitel und ich keine Freunde, denke ich, als ich dann auch noch mehrmals die Klingel betätigen muss, bis endlich jemand die Tür zum Hotel öffnet. Den schicken Film-Portier mit Zylinder treffe ich übrigens während meines gesamten Aufenthaltes nicht, wie sich auch sonst zu keinem Zeitpunkt ein Hotelbediensteter vor oder im Eingang zum Hotel aufhält. Lage also sehr gut, Anreise mangelhaft.
Wertung: befriedigend