Auszubildende sind eine begehrte Mangelware

Werben um Azubis

Aufgrund des Fachkräftemangels nehmen die Bemühungen um den Nachwuchs in der Hotellerie immer kreativere Züge an. Deshalb steigt die Bedeutung der Preise, mit denen Hotels für die besonders gute Ausbildung ihrer Azubis ausgezeichnet werden. Top hotel stellt vier Positivbeispiele vor.

»Innovativster Ausbildungsbetrieb 2011« darf sich das Landhotel Voshövel nennen, das den Wettbewerb des Dehoga gewann. Unter rund 100 Bewerbern überzeugte die Jury schließlich vor allem »die besondere Wertschätzung der Auszubildenden«, begründet Dehoga-Nordrhein-Geschäftsführer Thomas Kolaric die Entscheidung. Die derzeit 14 Azubis profitieren von regelmäßig stattfindenden Feedbackgesprächen und dem so genannten »Buddy-System«, bei dem sich Paten eines ­Azubis annehmen. Es gibt außerdem monatliche Azubischulungen (z.B. Weinherstellung, Teeschulung mit Ronnefeldt und Kaffeeschulung mit Heimbs), eine Weinreise im zweiten Lehrjahr und vieles mehr. Hinzu kommt, dass die jungen Arbeitskräfte das Fitnessstudio und einen Personalraum mit TV und Internetzugang nutzen dürfen sowie eine faire Vergütung erhalten (u.a. Überstundenbezahlung sowie Sonn- und Feiertagszuschläge). Positiver Effekt – neben motivierten Azubis, die verantwortungsbewusst arbeiten und gern ihre Ideen und Verbesserungsvorschläge einbringen: Mehr als 50 Prozent der Azubis können aufgrund guter Leistungen ihre Ausbildung verkürzen.

Einen neuen Weg schlägt das Atlantic Kiel ein: »Wir sind das erste Hotel, das sich an der Qualitätsinitiative für gastgewerbliche Ausbildung in Schleswig-Holstein beteiligt«, erläutert Marco Steinberg, stellvertretender Hoteldirektor des Hauses. Ziele der Initiative von IHK Schleswig-Holstein und Dehoga Schleswig-Holstein sind »gut ausgebildete Fachkräfte, eine hochwertige Serviceleistung für den Gast und die Aus­- bildung für Bewerber ­attraktiver zu gestalten«. Besonders anziehend dürfte das Vier-Sterne-Superior-Hotel sein durch sein Nachwuchsförderungsprogramm, das eine übertarifliche Vergütung vorsieht. Weiterer wichtiger Pluspunkt: »Wir ­garantieren jedem Auszubildenden ein Übernahmeangebot nach seiner erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung.«

Das von der IHK Halle-Dessau zum »Top-Ausbildungsbetrieb« gekürte Dorint Charlottenhof Halle/Saale legt großen Wert auf die persönliche Entwicklung seiner 33 Sprösslinge. Dazu Hoteldirektor Dr. Bertram Thieme: »Konkret gibt es eine ganz spezifische Lernbetreuung im Rahmen von Schulungsprogrammen – theoretisch und praktisch –, persönlichen Patenschaften, regelmäßigen Gesprächsführungen und Leistungseinschätzungen, sozialen Problemlösungen und ganz individueller psychischer Betreuung.« Außerdem, so das Credo der Jury, würde das Hotel eine große Verantwortung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund und aus schwierigen sozialen Verhältnissen übernehmen. Die Bemühungen um den Nachwuchs zahlen sich aus: »Die Hälfte der Festangestellten sind ehemalige Auszubildende«, erzählt Thieme, der das Hotel seit 35 Jahren leitet.

Auch das Hotel Bareiss Baiersbronn durfte sich bereits dieses Jahr über eine Anerkennung in Sachen Ausbildungsarbeit freuen: Der Verband der Köche Deutschlands und das Fachmagazin »Küche« zeichneten das Fünf-Sterne-Resort speziell für seine Ausbildung zum Koch aus. Dort würden die 25 Koch-Azubis noch »das ganze Repertoire« und eine »hochdifferenzierte Palette« des Handwerks lernen, erläutert Küchendirektor Oliver Ruthardt. Aber auch die Azubis der anderen Bereiche werden gut umsorgt. Zum Beispiel mit der »Bareiss-Card«, der neuesten von zahlreichen Initiativen. Damit können alle Mitarbeiter das Angebot von Geschäften und Freizeiteinrichtungen der Region zu Sonderkonditionen nutzen. Des Weiteren erhält jeder der 70 Azubis einen ­Paten im Betrieb, jährlich findet ein Azubi-Ausflug statt und unter Leitung von Sommelier Jürgen Fendt stellen die Azubis jedes Jahr einen eigenen Wein mit dem Namen »Passion« her. Dieser wird unter anderem beim regelmäßig stattfindenden Elterntag ausgeschenkt.