Hoteltest im Steigenberger Frankfurter Hof
Die Luxus-Luft wird dünner - Yoga / Sicherheit

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08:30 Uhr

Yoga

Feroze Khan könnte einem Bollywood Film entsprungen sein. Der charismatische Inder mit den pechschwarzen Augen und strahlend weißen Zähnen ist eine echte Erscheinung. Er gibt Yogakurse in Brüssel und Frankfurt, unterrichtet Europa-Parlamentarier, Wolfgang Joop und jetzt auch mich. Ein Kursangebot dieser Güte ist ein Pfund, mit dem das Hotel-Spa wuchern kann. Schade nur, dass es keine adäquaten Räumlichkeiten dafür gibt. Anscheinend musste ein Behandlungsraum weichen, um ein paar Quadratmeter Platz für drei bis vier Bewegungsfreudige zu schaffen. Egal – ich bin an diesem Morgen die Einzige, die dieses Angebot wahrnimmt und erhalte für nur 25 Euro ein Personal Yoga Training, das mich nachhaltig begeistert. Wo ich überall an meinem Körper Muskeln habe, spüre ich Tage später. 
Wertung: ausgezeichnet

Housekeeping / Remake

Nur das Nötigste wurde erledigt, sprich: das, was am meisten ins Auge fällt. Also im Zimmer das ordentlich gemachte Bett und im Bad die Dusche, der Waschtisch und die frischen Handtücher. Auch die Gästekosmetika wurden großzügig aufgefüllt. Doch weder hat die löchrige Bettdecke die Housekeeper gestört noch wurden der Boden gesaugt und die Möbel abgewischt. Im Bad liegt nach wie vor ein dickes Haarbüschel auf dem Boden – direkt über einem fetten Body Lotion Fleck. Der Zahnputzbecher wurde nicht gespült, die Fingerabdrücke auf dem Kosmetikspiegel nicht beseitigt und die UV-Markierungen, die ich an der Toilette angebracht habe, sind noch komplett vorhanden. Das bedeutet, dass nicht einmal die Toilettenbrille abgewischt wurde. 
Wertung: mangelhaft 

Message-Transfer

Während ich frühstücke, wird an der Rezeption ein wichtiger Anruf für mich entgegengenommen. Die Nachricht erwartet mich bei meiner Rückkehr in einem roten Umschlag auf dem Boden hinter der Zimmertür. Sie wurde korrekt notiert, die Uhrzeit des Anrufs jedoch um zehn Minuten nach hinten »verschoben« und der Name des Anrufers nicht ganz korrekt wiedergegeben.
Wertung: sehr gut

Sicherheit

Brandschutzbestimmungen, Fluchttreppenhäuser, Fluchtpläne, Notbeleuchtung, Feuerlöscher – alles vorschriftsmäßig. Auch meine Zimmernummer erfährt ein Anrufer nicht. Ich selbst jedoch erhalte am Empfang eine Inforechnung, ohne dafür auch nur meinen Namen nennen zu müssen. Und wie es der Zufall will, treiben genau zur Zeit meines Aufenthaltes Trickdiebe in Frankfurter Hotels ihr Unwesen. Über das wunderschöne Treppenhaus und die Aufzüge käme ein solcher auch spielend leicht auf die Etagen des Frankfurter Hofs. Dort könnte er von den auf den Housekeepingwagen ausliegenden Listen die Namen der Gäste erfahren. Er könnte sich nun als ein solcher ausgeben und sich »sein« Zimmer öffnen lassen – doch in der Realität geht es noch viel einfacher. Einem der schwarzgekleideten Housekeeper, der kein Deutsch spricht, deute ich auf die Zimmertür und mache die Handbewegung des Aufschließens. Und Sesam öffne dich – bin ich drin. 
Wertung: mangelhaft

Front Office / Concierge

Ob Concierge oder Rezeptionsteam – ich werde von jedem, den ich anspreche, und bei jedem meiner Anliegen ausgesprochen herzlich und zuvorkommend bedient. Ob zu warmer Kühlschrank oder Brillenputztuch, ob Medikament aus der Apotheke oder eine bestimmte Ausstellung, alles wird schnell und bestens erledigt. Fast alles. Dass ich in der zweiten Nacht Besuch bekomme, hat Herr D. vom Empfang dem Housekeeping nicht weitergegeben; ich muss also nochmals ums »Aufbetten« bitten. 
Wertung: sehr gut