Hoteltest im Erbprinz Ettlingen
Adel verpflichtet  –  eigentlich - Sicherheit, Restaurant Erbprinz, Weckruf

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Sicherheit

 

Eine Kamerasicherung am Hintereingang kann ich nicht erkennen. Hier können auch Unbefugte eintreten und mit dem Aufzug in die Stockwerke zu den Zimmern fahren. Diese haben einfache, noch mit Schlüsseln zu schließende Schlösser und man muss im Zeitalter der Kartenschließsysteme schon sehr bewusst daran denken, sein Zimmer ordnungsgemäß abzuschließen. Was ja auch die Zimmermädchen nicht unbedingt tun (siehe »Remake«). Auf einer Housekeepingliste finde ich nicht nur die vollen Namen der Gäste, sondern auch sämtliche zu ihnen notierte Bemerkungen. Dass der Mann von Frau X. eine Fußpflege gebucht hat, beispielsweise, und zwar die große mit Fußmassage. Das Housekeeping-Office neben dem Gym steht nicht nur tagsüber, nein, auch die ganze Nacht lang offen. Darin Kisten mit Getränken, auch die halben Flaschen Champagner. Da könnte ein neugieriger Gast schon in Versuchung kommen ... Dass die Mitarbeiter der Rezeption keine Zimmernummern herausgeben, ist lobenswert, aber es kann die Sicherheitsmängel nicht ausgleichen.
Wertung: mangelhaft

19:30 - »Restaurant Erbprinz«

Als Wiege der deutschen Spitzengastronomie bezeichnet sich der Erbprinz Ettlingen. Und tatsächlich: Die Namen derjenigen, die hier schon in der Küche standen, lesen sich wie das »Who is who« der deutschen Spitzenköche: Eckard Witzigmann und Lothar Eiermann sind darunter, Marc Haeberlin und Hans Haas. Aktuell hält Ralph Knebel das Küchenzepter in der Hand und daran baumelt ein Michelin-Stern. Ich bin gespannt auf die Kulinarik des Gourmetrestaurants und freue  mich auf einen unterhaltsamen Abend bei schönstem Sommerwetter im idyllischen Garten. Schwere geschnitzte Armlehnstühle und Bänke aus Holz tragen hübsche Polster und Kissen. Sie wirken zusammen mit den fein in Weiß eingedeckten Tischen sehr wertig. Römische Statuen im umgebenden Grün, hohe, alte Bäume und ein massiv-eiserner, mehrarmiger Kandelaber mit goldenen Verzierungen – all das wirkt zusammen auf angenehme Weise oldfashioned. Das Rosentöpfchen auf meinem Tisch passt da gut dazu. Und der sehr aufmerksame Service von Herrn C. und Frau H. ebenfalls. Sämtliche Fragen, die mir zur Speisenkarte einfallen, werden ausführlich beantwortet. Die Gerichte lesen sich sommerlich leicht und während ich zur Lektüre ein Glas Champagner genieße, fällt die Entscheidung für das Degustationsmenü – fünf Gänge für 99 Euro, bei den sonstigen Einzelpreisen geradezu ein Schnäppchen. Ich will nicht mehr als zwei Gläser Wein trinken und bitte Herrn C. um fachmännische Auswahl. Doch zunächst kommt erst einmal Wasser, ein gut sortierter Brotkorb mit Salzbutter und ein erstes Dreierlei als Gruß aus der Küche: Spinatknödel mit konfierter Tomate und Ziegenfrischkäse, ein kaltes Champignonsüppchen und ein Selleriescheibchen auf Nuss-Cous-Cous. Das geht ja gut los. Und es geht auch gut weiter mit einem zweiten Amuse: Kartoffelstampf mit Kaviar und einem Meerrettich-Essiggurkenschaum. Sehr apart. Hin und weg bin ich dann von der Joghurt-Kaltschale mit roh mariniertem Steinbutt und Pfifferlingen. Hatte mich die im Roomservice genossene Variante dieser kalten Suppe schon begeistert, so tut es diese ihr mindestens gleich. Optisch ein Hammer, geschmacklich ein Gedicht. Allerdings hätten es auch zwei statt vier Streifen Fisch darin getan, zumal diese mit dem Löffel kaum zu zerteilen sind. Herr C. hat mir einen Weißburgunder RS vom Kaiserstühler Weingut Salwey eingeschänkt, Jahrgang 2014, der sehr gut passt und noch besser schmeckt. Der Wein harmoniert auch prima mit Rochenflügel mit Pulpo und Erbsenravioli, meinem zweiten Gang. Zwischen Vorspeise zwei und drei hakt es ein bisschen mit dem Service, aber dann kommt mein Favorit dieses Menüs, der lauwarme Thunfisch mit Tomate, Wassermelone und Safranfumet. Was dergestalt eher nüchtern klingt, ist eine tolle Aromenkombi aus Thunfisch in kräuterigem Mantel, reif-süßer Tomate, frisch-fruchtiger Wassermelone und einem warmen Mäulchen voll Safranjus. Herrlich. Ich bin schon fast satt, da sich das Essen doch ein wenig in die Länge zieht. Aber da darf ich schon den Roten zum Hauptgang probieren, einen Corimbo Ribera del Duero 2010, der leider viel zu schnell getrunken ist. Lieber lasse ich ein bisschen vom Hauptgang stehen. Das Schweinekotelette »Hofgut Silva« wird mit Pfifferlingen, Lauch und Milchschupfnudeln serviert. Ich freue mich, dass das Schwein wohl ein glückliches Leben in extensiver Freilandhaltung hatte (das Prinzip des Oberkircher Hofguts); zubereitet wurde es hier solide, aber ein wenig langweilig. Vor dem Dessert erfrischt mich eine Passionsfruchtmousse mit eingelegten Aprikosen und dann schaffe ich gerade noch so – aber nur, weil es wieder so ein wunderschönes Teilchen ist – die Pfirsichtarte mit ihren vielen spitzen Baiserhäubchen und der Nocke Lavendeleis. Göttlich! Herr C. meint es sicher gut, als er mir zum Espresso eine Platte mit neun Pralinen und Minitörtchen reicht, aber hier muss ich nun endgültig passen. Drei Stunden sind vergangen und es ist empfindlich kühl geworden im Garten. Die Rechnung kredenzt mir Maître Tim Buchmann (155 Euro) und wünscht mir formvollendet noch einen schönen Abend.
Wertung: sehr gut

DO. 18/08, 07:00 - Weckruf

Die Stimme klingt freundlich: »Guten Morgen, Herr/Frau XY, es ist acht Uhr, Ihr Weckruf. Schönen Tag!« Und die Stimme lacht. Schade, dass ich nicht erfahre, zu wem sie gehört.  
Wertung: sehr gut