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Hotelaktienbörse 11/2011
Widersprüche der Börse

An den Aktienbörsen macht sich Hoffnung breit. Die globale Schuldenkrise ist weiter un­gelöst, weil sich Politiker gegen einschneidende Maßnahmen wie etwa Schuldenschnitte oder Staatsbankrotte wehren, doch tendierten die Aktienkurse im Monat Oktober leicht nach oben, wenngleich die Gefahr einer globalen Rezession noch nicht gebannt ist. Dieser Widerspruch zwischen realwirtschaftlicher und virtueller finanzwirtschaftlicher Entwicklung ist Teil des Börsengeschehens. Auch Hotel- und Tourismusaktien zählten zuletzt zu den Gewinnern, was angesichts der vergleichsweise stabilen Entwicklung der Branche nicht wirklich überrascht.

Kategorie: Hotelaktien
Text: Jonas Dowen, 18. November 2011

Auf der anderen Seite verdient die positive Entwicklung von Hotel- und Tourismusaktien auch deshalb besondere Erwähnung, weil viele Regionen des Planeten Erde derzeit beben. Zum einen sorgen innenpolitische Spannungen nicht nur in zahlreichen Ländern Nordafrikas und im arabischen Raum, sondern auch in den Welt-­Finanzzentren für Unsicherheit in der Touristik. Zum anderen sind es Erdbeben in Indonesien, Bali, auf Neuseeland und jüngst in der Türkei, die zu großer Nervosität bei den Reisebüros rund um den Globus führen.

Dass sich die Stimmung an den Wertpapierbörsen – wie an dieser Stelle angekündigt – leicht aufhellte, war nicht zuletzt auf traditionelle saisonale Einflüsse zurückzuführen. Denn mit Blick auf die zum Jahresende veröffentlichten Portfolio-Bilanzen sind institutionelle In­-vestoren wie Fonds, Versicherungen und Vermögensverwalter bemüht, sich bei ihren An- teilseignern in ein positives Licht zu setzen. Das geschah in den vergangenen Jahrzehnten dadurch, dass Fonds ab Oktober verstärkt zu Aktienkäufern wurden. Im aktuellen Zyklus fällt ein solches Vorgehen insofern noch leichter, als Anleger und Unternehmen weltweit auf riesigen Liquiditätsreserven sitzen. Denn die Notenbanken haben die Finanzmärkte in den vergangenen drei Jahren durch ihre generöse Geldpolitik mit Liquidität geradezu überschüttet. Dieses Geld fließt jetzt weniger in die Realwirtschaft als vielmehr in die virtuelle Welt der Börsen und Kapitalmärkte.

Verstärkt wird dieser Trend auch dadurch, dass wachstumsorientierte Unternehmen ihre Expansion nicht durch den Aufbau neuer Fabriken, Produkte oder Dienstleistungen, sondern vor allem durch die Übernahme von Konkurrenten umsetzen. Als Beispiel gilt eine in Deutschland viel beachtete Transaktion in der Online-Touristik-Branche. Dass die Gründungsaktio­- näre der hotel.de AG ihre Anteile – und damit 61,6 % des Aktienkapitals – an die HRS Hotel Reservation Service GmbH veräußert haben, stellt für Insider keine wirkliche Überraschung dar. Die Verbindung komme genau zum richtigen Zeitpunkt, sagte Hotel.de-Vorstandschef Heinz Raufer. Sie sei eine hervorragende Basis für die weitere Entwicklung beider Gesellschaften.

Auch in den USA kam es bei mehreren Hotelgesellschaften zu Veränderungen im Inhaberkreis. So hat der insolvente Hotelimmobilien-Besitzer Innkeeper USA Trust 64 seiner insgesamt 73 Hotels für einen Gegenwert von 1,0 Mrd US-$ an ein aus der Private-Equity-Gruppe Cerberus Capital Management und den Hotel-REIT Chatham Lodging Trust bestehendes Konsortium veräußert. Noch vor geraumer Zeit war am Markt darüber spekuliert worden, die 64 Hotelanlagen würden bis zu 1,13 Mrd $ in die Innkeeper-Kasse spülen. Sollte die Transaktion über die Bühne gehen, könnte sich Innkeeper USA Trust aus der Fessel »Chapter 11« im US-Insolvenzrecht lösen und mit dem verbleibenden Hotel-Portfolio einen Neustart wagen.

Carlson Wagonlit Travel – ein Schwergewicht bei internationalen Geschäftsreisen – geht im jüngst veröffentlichten »Travel Price Forecast 2012« von generell steigenden Reisekosten aus. Vor allem für die boomende Region Lateinamerika erwartet Nick Vournakis, Vizepräsident der CWT Solutions Group, einen starken Preisanstieg. Am niedrigsten dürften die Preiserhöhungen in Europa ausfallen, heißt es in der Studie. Die konjunkturelle Entwicklung sei für einige Teile in der Welt jedoch mit erheblichen Unsicherheiten behaftet, weist Vournakis auf die Fehlprognose-Risiken seiner Studie hin. Aufgrund der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung in der EMEA-Region dürften hier die Hotelpreise um 0,2 bis 0,9% in der ersten Jahreshälfte und um 0,1 bis 0,8% in der zweiten Jahreshälfte 2012 steigen. Bei den Flugpreisen erwartet CWT für das Jahr 2012 in der EMEA-Region einen Anstieg zwischen 2,1 und 3,7 %.

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