Ham Yard Hotel

Tempel des guten Geschmacks

Wie sich mit viel Mut zu Farbe und zahlreichen unterschiedlichen Mustern ein besonderes Ambiente schaffen lässt, beweist das Ham Yard in London. Das neue Flaggschiff der Firmdale-Gruppe eröffnete im Sommer dieses Jahres im Herzen Sohos und hält noch viele weitere Überraschungen für seine Gäste bereit.

Mit dem Covent Garden, einer Art feinem Townhouse in modernem britischen Schick begann in den 1990er-Jahren die Erfolgsgeschichte von Tim und Kit Kemp. Auf Anhieb begeisterte deren Boutique-Konzept nicht nur viele Prominente wie Linda Evangelista und Kiefer Sutherland, die sich während ihrer London-Besuche im Covent Garden einquartierten. Später folgten mit dem Charlotte Street und dem Soho weitere Hotels in London. Inzwischen haben die Kemps mit dem Crosby Street auch in New York erfolgreich Fuß gefasst.

Im Sommer dieses Jahres eröffneten sie mit dem Ham Yard ihr neuntes Hotel der kleinen, aber feinen Firmdale Gruppe. Das neue Flaggschiff entstand auf einer unbebauten Fläche, nur zwei Gehminuten vom quirligen Piccadilly Circus entfernt mitten in Soho. Das Herzstück des U-förmigen Baus bildet ein neu entstandener Platz – ein Ensemble aus fünf Eichen, einer imposanten Bronze-Skulptur von Tony Cragg, einem Außenbereich des Restaurants sowie 13 Ladengeschäften.

Beeindruckend ist der Mut zur Farbigkeit, nicht nur in der Lobby und der Bibliothek mit Kamin und deckenhohen Bücherregalen, sondern auch in den 91 großzügigen Zimmern und Suiten sowie den 24 Wohnungen, die von Kit Kemp individuell gestaltet wurden und über bodentiefe, im Fabrikstil gegliederte Fenster mit Blick ins Grüne, auf den Innenhof oder die Londoner Skyline verfügen. Kemp gelingt es im gesamten Haus auf beeindruckende Weise, unterschiedlichste Muster und Farben von Tapeten, Teppichen, Vorhängen und Bezügen der Sitzmöbel zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen. Dieses geniale Farbkonzept wird ergänzt durch sorgfältig ausgewählte Kunstwerke wie beispielsweise Bilder von Sandra Blow oder eine Installation vieler kleiner Wanduhren, deren Zeiger ständig in Bewegung sind, dabei verschiedene Muster bilden und in ihrer Kombination zu jeder vollen Minute die Uhrzeit anzeigen.

Kunstwerke in Form leichter und frischer Gerichte zaubert Robin Read, der Küchenchef des hoteleigenen Restaurants, aus hochwertigen britischen Produkten.  Bei ihm kommen Jakobsmuschel mit Zucchiniblüten im Tempuramantel oder Forelle mit Meerfenchel und Muscheln auf den Tisch. Der berühmte britische High Tea wird am Nachmittag in der langgestreckten Orangerie serviert, durch deren gläsernes Dach das Tageslicht fällt.

Neben der Kulinarik hält das Ham Yard aber auch einige Sport- und Erholungseinrichtungen bereit: So kann sich der Gast entweder im Fitnesscenter mit Hypoxie-Studio für Höhentraining seine Pfunde wieder abtrainieren oder sich im ersten »Soholistic Spa« der Firmdale-Gruppe mit der hochwertigen »Rik Rak«-Kosmetiklinie verwöhnen lassen, mit der auch die Bäder der Gästezimmer ausgestattet sind. Das besondere Highlight ist jedoch die Bowlingbahn »The Croc«, die noch aus den 1950er-Jahren stammt. Sie wurde eigens aus Texas importiert und ist nach den drei Krokodilen aus Treibholz benannt, welche die Wand schmücken.

Für viele Besucher ist er eine überraschende Entdeckung – der Dachgarten auf der vierten Etage, der sich zusammen mit der Dachterrasse für Veranstaltungen eignet. Kurz nach der Eröffnung wurde die Location bereits für erste Fotoshootings gebucht. Die Hälfte der Fläche nehmen Hochbeete ein, in denen Blumen blühen und eine mediterrane Atmosphäre schaffen. Eine Bar und bequeme Sitzgruppen verleihen der anderen Hälfte einen Lounge-Charakter, der vergessen lässt, dass man sich mitten in London befindet.

Was die Auslastung der Zimmer anbelangt, müssen sich die Kemps trotz zahlreicher zum Teil spektakulärer Hoteleröffnungen in London wohl keine Gedanken machen. Es scheint gerade so, dass das neue Haus von einer großen Fangemeinde bereits sehnsüchtig erwartet wurde. Abzuwarten bleibt in diesem Zusammenhang jedoch, ob diese starke Nachfrage längerfristig anhält und nicht letztendlich zu Lasten der anderen Häuser der Gruppe geht.