Nach Veröffentlichung von Studie
Initiative gegen Urlaubssteuer

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Zwei Motive der neuen Initiative / www.urlaubssteuer.de

Ein Drittel der deutschen Reiseveranstalter (34 Prozent) glaubt, zumindest Teile des Unternehmens ins Ausland verlagern zu müssen, wenn sich die Regelung zur Gewerbesteuerhinzurechnung für die Betroffenen nicht zum Positiven verändert. Nun hat sich eine Initiative gegen die so genannte Urlaubssteuer formiert.

Die Zahlen gehen aus einer aktuellen Erhebung des Deutschen Reiseverbands (DRV) hervor. Knapp zwei Drittel (62 Prozent) der Begfragten geben an, sie werden – bei gleichbleibender Rechtslage in Bezug auf die Gewerbesteuer – voraussichtlich Mitarbeiter entlassen müssen. Rund ein Viertel (24 Prozent) der Veranstalter rechnet sogar damit, das Veranstaltergeschäft komplett aufgeben zu müssen.

Der DRV hatte von Dezember 2017 bis Januar 2018 ingesamt rund 2500 deutsche Reiseveranstalter gebeten, sich an der Umfrage zu den Auswirkungen der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung von Übernachtungsleistungen zu beteiligen. Es haben sich vorwiegend klassische Reiseveranstalter, aber auch Reisebüros, die als Veranstalter tätig sind, beteiligt. Der Großteil der Unternehmen (65 Prozent) gab eine Mitarbeiterzahl von unter 50 Personen an, was den mittelständischen Charakter der deutschen Reiseveranstalterlandschaft wider spiegelt.

„Das sind besorgniserregende Zahlen“, sagt DRV-Präsident Norbert Fiebig zu den Umfrageergebnissen. In Hinblick auf die in Kürze beginnenden Koalitionsverhandlungen fordert Fiebig die Politik auf, das Thema Gewerbesteuerhinzurechnung anzupacken: „Unsere Umfrage zeigt, wie dringlich das Problem ist. Die mittelständischen Reiseveranstalter in Deutschland denken bereits an Unternehmensverlagerungen ins Ausland. Die künftigen Koalitionspartner müssen ihnen jetzt die rettende Hand reichen.“

Durch die gewerbesteuerliche Hinzurechnung entsteht laut DRV faktisch eine Urlaubssteuer, die neben den Reiseveranstaltern auch die Urlauber mit hohen Mehrkosten belastet. Im Rahmen der Initiative „Nein zur Urlaubssteuer“ fordern führende Verbände der Reise- und Tourismuswirtschaft deshalb die zukünftigen Entscheider der neuen Bundesregierung auf, die Anwendung der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung von Hotelleistungen für die Reise- und Tourismusbranche zu korrigieren und eine entsprechende Präzisierung der Gewerbesteuergesetzgebung vorzunehmen. Initiatoren sind der Internationale Bustouristik Verband e.V. (RDA), die Allianz selbständiger Reiseunternehmen – Bundesverband e.V. (ASR), der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft e.V. (BTW), der Deutsche Reiseverband (DRV) und der Deutsche Tourismusverband e.V. (DTV).

Die Erhebung des DRV ergab darüber hinaus, dass 78 Prozent aller auf Gewerbesteuerhinzurechnung geprüften Veranstalter Einspruch gegen den Steuerbescheid eingelegt haben. Von diesen haben 55 Prozent der Veranstalter die Forderungen unter Vorbehalt beglichen. Die Zahlung erfolgte nur mit dem Ziel, die „Zinsfalle“ zu umgehen. Denn: Wird eine Steuerschuld nicht unmittelbar beglichen und nach Klärung durch die Gerichte doch der gesamte Betrag eingefordert, werden zusätzlich sechs Prozent Zinsen fällig. Allerdings sind nur Unternehmen mit ausreichender Liquidität in der Lage, diese Zinsfalle zu umgehen. Alle anderen werden derzeit gezwungen, zum Teil erhebliche Rückstellungen in der Bilanz zu bilden.

 

 

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