Kaffee 4.0:

Kaffee 4.0

Das Tempo der technischen Weiterentwicklung von Kaffeemaschinen ist enorm. Inzwischen sind sie mit Touchscreens, Software-Programmen zur Fernauslese oder Apps ausgestattet – das alles hilft dem Gast, vor allem aber dem Hotelier.

Atemberaubende Geschwindigkeit«, »unschlagbare Dynamik«, »revolutionäre Möglichkeiten« – das sind lediglich drei Stichworte von unterschiedlichen Kaffeemaschinen-Herstellern, die sich auf der diesjährigen Internorga in Hamburg präsentiert haben. Alle drei Ministatements meinen dasselbe – den Maxitrend hin zu noch mehr Digitalisierung bei den Maschinen, nach dem Motto: Kaffee 4.0. Dieser Trend beherrschte die Kaf­feemaschinen-Stände auf der Gastro-Messe und er prägt den Arbeitsalltag bei den Entwicklern in der Industrie. Streng betrachtet, handelt es sich jedoch um mehr als einen Trend. Binnen relativ kurzer Zeit ist die intuitive Bedienung per farbigem Touchscreen-Display selbstverständlich geworden. Auch im Hinblick auf die optisch ansprechendere Präsentation der Kaffeeangebote eröffnet sie neue Möglichkeiten. Der Einsatz von Web-Applikationen für die Programmierung, Kontrolle und Fehlersuche entwickelt sich ebenfalls nach und nach zum Standard. Fernbedienung und Fernauslese der digital gesteuerten Vollautomaten sind kein Hexenwerk mehr. Mit Hilfe der Telemetrie wissen die Gerätehersteller beziehungsweise ihre Servicestellen häufig schon vor den Kunden, dass die Maschine einen Fehler aufweist; sie können rechtzeitig reagieren, bevor die Technik teilweise oder komplett ausfällt. Bei integrierten telemetrischen Anbindungen können außerdem per Funk Produkteinstellungen und Dosierveränderungen am Automaten vorgenommen werden.

Gerätekonfigurationen nach Kundenwunsch per App oder 3-D-Visualisierung sind im Kommen, und das mit Macht. Noch Luft nach oben besteht bei den digitalen, bargeldlosen Zahlsystemen. Auch bei dieser Frage rauchen die Köpfe in den Entwicklungsabteilungen der Hersteller. Einer der Aspekte sind dabei Touch-Payment-Szenarien via Biometrie: Gemeint ist die Identifizierung und Authentifizierung von Personen anhand ihrer Gesichter, Fingerabdrücke oder ähnlicher Charakteristiken.

Kaffee-Fans können ihre Vorlieben den Maschinen per App melden, die dann den individualisierten Kaffee brühen. Die Individualisierung ist der herausragende Punkt: Sie wird nicht nur durch Technik ermöglicht, sondern auch durch begleitende Geschäftsmodelle, die zum Beispiel auf Gutscheinsysteme setzen, und dadurch eine Kundenbindung unterstützen. Bei der Digitalisierung und telemetrischen Anbindung der Geräte haben es Hoteliers und Gastronomen grundsätzlich in der Hand, wie weit sie hier in Zukunft mitgehen wollen. Unter dem Oberbegriff »Data Mining« können sie sich auf das Sammeln von Informationen und Erkenntnissen über das Nachfrageverhalten konzentrieren. Schließlich sind Informationsvorsprünge Umsatztreiber par excellence. Gastgeber können aber auch noch weiter gehen und die neuen technischen Möglichkeiten offensiver nutzen, indem sie steuernde Funktionen gestatten. Dann wird ein bestimmtes Nachfrageverhalten nicht nur einfach festgestellt, sondern die Technik reagiert durch konkrete Maßnahmen schnell und flexibel darauf.

Allerdings ist nicht zu leugnen: Die Potenziale, die im Geschäft mit Kaffee liegen, werden längst nicht überall in der Branche ausreichend genutzt. Das Qualitätsbewusstsein der Kaffee-Trinker wächst und ihre Ansprüche steigen. Für viele Menschen ist Kaffee vom Lebensmittel zum Genussmittel avanciert. Doch Gastronomen verpassen an dieser Stelle relativ oft der Anschluss, obwohl die betriebswirtschaftlichen Zahlen Bände sprechen: Beim Kaffee beträgt der Preisaufschlag zum Wareneinsatz 700 bis 1.000 Prozent. Das ist zwar nicht so viel wie auf dem Markusplatz in Venedig, wo sich die Gastronomen über rund 2.500 Prozent Preisaufschlag freuen dürfen, doch noch immer beeindruckend genug. Und wenn dann noch die Maschinen selbst immer mehr Arbeit erledigen, lohnt sich der Preisaufschlag erst recht.