Biermarkt: Ein guter Hopfen!

Biermarkt

Ein guter Hopfen!

Die Craft-Bier-Bewegung ist in Deutschland nach wie vor auf dem Vormarsch, doch die Mikrobrauereien haben oft an vielen Fronten zu kämpfen. Für Hoteliers und Gastronomen sind die Einsatzmöglichkeiten vielfältig.

Selbst eingefleischte Biertrinker bringen beim erstmaligen Genuss eines Craft-Biers oftmals erstaunt eine Armlänge Abstand zwischen sich und das Gebräu. Zumindest kurzzeitig. Zu ungewohnt sind mitunter jene Aromen, die einem da entgegenschlagen: Nuancen von Koriander, Litschi oder Aprikose, von Karamell oder Kaffee. Und das alles ohne den Einsatz von künstlichen Aromen. Am Gaumen können saure, pfeffrige oder salzige Noten hinzukommen. Und manchmal entfalten die Biere auch leider ein seifiges Mundgefühl, haben muffige oder sogar schwefelige Anklänge. Nicht jeder Handwerker ist eben ein guter Handwerker. 

Nichtsdestotrotz verzeichnet die Craft-Bier-Bewegung, die bereits vor 40 Jahren den Markt in den USA erfasste, auch in Deutschland ein stetes Wachstum – wenngleich die Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind. In den vergangenen zehn Jahren sind knapp 120 Brauereien hinzugekommen, die vor allem in den Mengen bis 5.000 Hektolitern produzieren. Wird die ausgestoßene Biermenge dieser Unternehmen addiert, so steht unterm Strich ein Marktanteil von 0,9 Prozent. In dieser Zahl sind dann allerdings auch etablierte Gasthaus-Brauereien sowie »Craft-StartUps« enthalten. 

Nach einer Schätzung des Deutschen Brauer-Bundes machen die Craftbier-Brauereien einen Anteil von 0,2 bis 0,5 Prozent der Biergesamtjahreserzeugung aus. Dass die Micro-Brewerys – wie jeder Metzger oder Bäcker – sich dabei hart am Markt behaupten müssen, dürfte auf der Hand liegen. Erschwert wird die Arbeit der Betriebe durch die Gesetzgebung. Kleinstbraustätten positionieren sich oft mit einem individuellen Sortiment, das mehrmals im Jahr angepasst wird. Die Kundschaft erwartet schließlich vor allem eines: Abwechslung. Doch für Tüfteleien mit natürlichen Zutaten wie Kräutern, Gewürzen oder Früchten müssen Ausnahmegenehmigungen eingeholt werden – Auflagen, die mittlerweile viele Mikrobrauereien nicht mehr hinnehmen möchten. Anfang vergangenen Jahres wurde demzufolge der Verband Deutscher Kreativbrauer gegründet, in dem die Interessen der Micro-Brewerys gebündelt werden. 

Hierzu gehören auch Alexander Herold und Kolja Gigla, die beiden Köpfe der Hannoveraner Mashsee Brauerei, die seit drei Jahren mit außerordentlich guten Handwerksbieren den Markt bereichern. Von Ausnahmegenehmigungen können die beiden Unternehmer ein Liedchen singen. »Bei unserem ersten Antrag – einem Bier mit gerösteten Kakaobohnen – kamen fünf oder sechs Beamte und inspizierten den produzierenden und abfüllenden Betrieb. Das kostete Zeit und rund 200 Euro. Danach wurde es zwar einfacher, Freigaben zu erhalten, aber wir brauchen weiterhin für jedes neue Bier eine Genehmigung«, erklärt Herold. 

Die Kreativbrauer wollen unter anderem eine Gesetzesänderung erreichen, wonach zukünftig auch andere natürliche Grundzutaten wie Wasser, Malz, Hopfen und Hefe zugelassen werden. »Wir wollen ja nicht das Biersteuergesetz abschaffen oder gar eine Angleichung an EU-Standards. Wir wollen, dass unser deutsches Gesetz reformiert wird und wir Mikrobrauer unseren Bieren natürliche Zutaten zusetzen dürfen, vollkommen transparent deklariert, um eine hohe Bandbreite an Waren ohne großen Aufwand am Markt anbieten zu können. Wir würden trotzdem ein Nischenprodukt bleiben, aber könnten unsere Stärke, die Vielfalt, besser ausspielen.«

Neben einem Bürokratieabbau, der flächendeckend gültig ist – Bayern erteilt bis heute keine einzige Ausnahmegenehmigung –, wünschen sich die Kreativbrauer außerdem eine erweiterte Deklarationspflicht: »Der Verbraucher denkt, dass er es bei deutschem Bier mit einem reinen Produkt zu tun hat, das nur auf vier Zutaten basiert. Dabei ist das Reinheitsgebot nicht bindend, sondern das Biersteuergesetz von 1993, wonach auch Wasser vorbehandelt werden darf, um einen bestimmten PH-Wert zu erreichen oder künstliche Filtrationshilfsmittel wie PVPP erlaubt sind. Wenn damit gearbeitet wird, sollte es auch auf das Etikett.«