Mealsharing
Das große Teilen

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Ob in Hamburg, Zürich oder Venedig: Teilen ist in. Mealsharing heißt der Trend, der sich aktuell auch in gehobenen Hotel-Restaurants etabliert. F&B-Experte Pierre Nierhaus sieht großes Potenzial in dem Konzept – auch für den Bankett-Bereich.

Eigentlich kennt es jeder vom heimischen Esstisch: Die Speisen werden in Töpfen oder Schüsseln aufgetischt und jedes Familienmitglied bedient sich. Genau diese Art des Essens und Teilens hält aktuell auch Einzug in die modernen Restaurants der Welt. Unter dem Namen Mealsharing (sh. Kasten) bieten immer mehr Küchenchefs ihren Gästen große Portionen an, die sich die Besucher teilen. Die Auswahl reicht dabei von feinstem Steak über ganze Fische bis hin zu Sushi, Pizza und Beilagen.

»Das Konzept passt einfach zum aktuellen Zeitgeist, denn wir werden generell immer mehr zur Sharing-Gesellschaft«, sagt F&B-Experte und Berater Pierre Nierhaus über den Trend des Teilens. Erst kürzlich hat der Fachmann das Speisenkonzept des Intercityhotels Braunschweig überarbeitet. »Auch hier spielt Mealsharing eine wichtige Rolle. Das Konzept ist auch an anderen Stellen bereits in der Hotelgastronomie angekommen.« Nierhaus ist überzeugt: »Dieser Trend steht noch am Anfang und ist sicherlich zukunftsträchtig.«

Speziell im Bankett-Bereich innerhalb von Hotels sieht der Foodexperte noch große Chancen durch das Mealsharing. »Das System ist ideal geeignet für den Bankett-Bereich. Unlängst war ich beispielsweise in einem 25hours Hotel. Nach der Konferenz wurden im Restaurant NENI die Speisen geteilt. So kommt man schnell ins Gespräch.«

Auch die kürzlich eröffnete »Widder Bar & Kitchen« des Widder Hotels in der Züricher Altstadt setzt auf die Philosophie des Teilens. Auf der regelmäßig wechselnden Karte, die sowohl in der Bar als auch in der so genannten Kitchen angeboten wird, stehen »unkonventionelle Gerichte, die sich in geselliger Runde perfekt teilen lassen«. Unter dem Titel »Con–temporary social plates« können sich die Besucher des Restaurants in dem Fünf-Sterne-Hotel unter anderem Sushi, Currywurst oder ein Kilogramm Fleisch vom Berner Seeland Rind plus Beilagen schmecken lassen. Laut Küchenchef Tino Staub ist das erklärte Ziel, den Gästen »alte Geheimnisse und neue Kreationen zu präsentieren.«

Die Luxushotelgruppe Aman hat zudem gleich ein komplettes Dining-Konzept unter dem Slogan »Italienisches Soul-Food zum Teilen« gelauncht. Das erste »Arva« eröffnete unlängst im Aman Venice. Hier soll »das Herz der italienischen Küche« auf den Tisch gebracht werden. Bestellen können die Gäste beispielsweise Perlhuhn oder Rotbarbe. Das Servieren der Gerichte im »Family style«, wie es die Verantwortlichen nennen, soll die Wurzeln der italienischen Kochtradition widerspiegeln. Bei den Gästen kommt es laut dem Management super an: »Wir bekommen schon jetzt unglaublich positive Resonanz.«

Ursprünglich kommt die Tradition des Mealsharings aus der levantinischen Küche, sprich etwa aus Israel. »Die Sozialisation ist dabei extrem wichtig. Wie etwa auch beim Brotbrechen im Christentum«, erklärt Food-Experte Pierre Nierhaus. Als erstes Restaurant in der westlichen Küchenwelt hat der New Yorker »China Grill« diese Tradition bereits vor 20 Jahren aufgegriffen.

Für den Gast trage vor allem der »à la Mamma-Effekt« zum kulinarischen Erlebnis bei. »Man fühlt sich im Restaurant so gut behütet und umsorgt wie zu Hause.« Zudem haben die Besucher durch die Speisen-Präsentation den Vorteil, viele Komponenten probieren zu können. Und auch das Küchenteam profitiert vom Mealsharing. Im Service wird beispielsweise nur noch eine Person zum Servieren benötigt; nicht mehrere, die synchron auftischen. Zudem spart man durch das Konzept Ware. Denn weniger Gerichte, die beispielsweise kalt geworden sind, landen in der Tonne. Ein weiterer Vorteil: Der Gastgeber kann die Speisen  besser vorbereiten. Und der Kellner kann am Tisch eine enge Bindung zu den Besuchern aufbauen.