Brot & Backwaren: Kuchen wie bei Oma

Brot & Backwaren

Kuchen wie bei Oma

Das Münchner Start-up »Kuchentratsch« gibt Senioren eine sinnvolle Aufgabe und einen Zuverdienst. Auch das Hotel Platzl bezieht hier seine Kuchen – F&B-Direktor Michael Sobota hält das Unternehmen für unterstützenswert, obendrein »schmeckt es wirklich wie bei Oma«.

Herrlicher Kuchenduft erfüllt den gesamten Innenhof der Landsberger Straße 59 in München. Und man hört das Getratsche der Bäckerinnen schon von Weitem. 20 Omas, zwei Back-Opas, drei Liefer-Opas und ein Team von sieben jungen Menschen trifft sich hier, um gemeinsam zu backen und sich zu unterhalten – daher der Name Kuchentratsch. Vor drei Jahren gründeten Katharina Mayer und Katrin Blaschke das Unternehmen. »Weil es einfach nirgendwo richtig leckere Kuchen wie von Oma zu kaufen gab«, erklärt Katharina Mayer. Nach ihrem Studium des Sozial- und Gesundheitsmanagements und einer Ausbildung zur Hotelfachfrau gründete sie das Unternehmen. Die Frage, die sie antreibt: »Wie können wir ein gesellschaftliches Problem mithilfe eines wirtschaftlichen Modells lösen?« So hat es sich ihr Unternehmen zur Aufgabe gemacht, den Rentnern eine Anlaufstelle zu bieten und dabei »den leckersten Kuchen in München« herzustellen. Gleichzeitig bekommen die Senioren durch das Backen eine sinnvolle Aufgabe und einen Zuverdienst zur Rente auf 450-Euro-Basis.

»Das Konzept hat uns einfach überzeugt – wir finden das Projekt sehr unterstützenswert und stehen voll und ganz dahinter«, berichtet der Küchendirektor des Hotel Platzl, Michael Sobota. Seit Sommer 2016 arbeitet sein Haus mit Kuchentratsch zusammen. Tiefkühlware beispielsweise würde nicht zum Haus passen, auch, wenn fertige Kuchen wesentlich günstiger wären. Die Herstellung bei Kuchentratsch, die Produkte und vor allem gelebten Werte und der familiäre Gedanke passen auch zum Platzl. »Außerdem werden regionale Zutaten verwendet und alles wird in Handarbeit zubereitet.« Zwischen 13 und 15 Stück bestellt das Hotel wöchentlich, gebracht werden sie natürlich von einem der drei Liefer-Opas. Die Gäste seien laut Sobota genauso begeistert wie das Platzl-Team: »Es schmeckt wirklich wie bei Oma.« Das Hotel bekomme immer wieder Lob für die Kuchen, gerade auch, weil man alte Rezepte wieder entdecke, die womöglich nicht mehr überall zu finden seien.

Alte Rezepte neu entdeckt

Jede Oma und die Back-Opas Norbert und Günther haben ihre Lieblingsrezepte mitgebracht. So ist beispielsweise Oma Renate für ihre Nussecken bekannt, Oma Margit backt den besten Apfelkuchen, Opa Norbert den feinsten Käsekuchen. Alle Sorten kosten den Endkunden zwischen 19,90 und 36,90 Euro – je nach Ausführung. Mittlerweile gibt es sogar Hochzeitstorten ab 55 Euro, Oma Annas Hochzeitspaket bestehend aus mehreren Kuchen und Gebäcken kostet 390 Euro. Cafés und Hotels bekommen eine Vergünstigung von rund 30 Prozent. Seit dem Frühjahr werden drei verschiedene Sorten sogar deutschlandweit verschickt. »Wir haben sechs Monate an der richtigen Verpackung getüftelt und getestet, welche Kuchen sich am Besten verschicken lassen«, berichtet Katharina Mayer. Die Kuchen werden in dünnen Pressholzformen gebacken, sie bleiben auch zum Versand darin und werden in Papier eingewickelt in einem passenden Karton verschickt. Drei verschiedene Kuchen sind jetzt ab 19,90 Euro bestellbar: Karotten-, Käse- und Apfelkuchen mit Cranberrys. Dazu kann gegen eine kleine Gebühr auch etwa eine Glasur, Topping oder ein Marzipanschriftzug ausgewählt werden. Egal wie viele Kuchen man bestellt, der Versand durch DPD bleibt bei 5,90 Euro. Ansonsten bringen die Liefer-Opas Hans, Peter und Herr Egeler die Kuchen im Münchner Umkreis direkt zu den Unternehmen, Cafés und eben auch ins Hotel Platzl.

Besonders beliebt, sowohl bei den Endkunden als auch im Platzl, ist von Anfang an Oma Irmgards Rüblikuchen. Die Senioren halten die Rezepte aber nicht geheim – im Gegenteil. Das erste Backbuch ist 2015 erschienen, jetzt soll durch Crowdfunding bald ein Weihnachtsbackbuch publiziert werden können. In den kommenden Monaten soll der Online-Versand noch weiter ausgebaut werden. Und Katharina Mayer verrät: »Wir planen auch einen weiteren Pilotstandort in einer anderen Stadt.«