Deutscher GM Heddo Siebs
401 Gründe die Hotellerie zu lieben

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Er ist ein mitreißender Geschichtenerzähler und ein leidenschaftlicher Gastgeber. Nach verschiedenen Stationen in der internationalen Hotellerie tat sich für Heddo Siebs eine überaus reizvolle Chance auf: als Pre-opening-GM das Andaz Delhi im aufstrebenden Viertel Aerocity in Neu-Delhi mit auf den Weg zu bringen. Jetzt leitet der Norddeutsche den Indien-Ableger der trendigen Hyatt-Marke voller Enthusiasmus.

Hoteliers sind in der Regel kommunikative Menschen. Heddo Siebs ist mehr als das. Die Sätze sprudeln nur so aus ihm heraus. Voller Begeisterung erzählt er Geschichten – von Menschen, denen er begegnet ist. Von Hotels, in denen er gearbeitet hat. Von seinem neuesten Projekt, dem Andaz Delhi, mit dem er ein ganz neues Kapitel in seiner Karriere aufgeschlagen hat, denn hier bot sich die Möglichkeit, etwas »Einzigartiges« zu tun. »Bei der Konzeption eines solchen Projektes von Anfang an dabei zu sein, ihm den Stempel aufzudrücken, macht einen zum Teil des Hotels«, sagt der 44-Jährige. Eines besonderen Hotels noch dazu, denn das Andaz – was auf Hindi soviel wie »persönlicher Stil« bedeutet – will mehr sein als ein Lifestyle-Produkt. Es soll tatsächlich »andaz« sein und das nicht nur in Hinblick auf die Optik, die von den Architekten des Bauer Latosza Studio aus Chicago und den Interior-Designern Virgile and Partners aus London geschaffen wurde.

Das trendige Hotelkonzept lässt insgesamt viel Raum für Individualität – das gilt für die Mitarbeiter ebenso wie für die Gäste. Elegant ja, aber bitte auf die legere Art. Top-Service ja, aber lieber unkompliziert. Vor allem soll der »local spirit« des Standortes im Haus spürbar sein, in Form von Farben, Düften und vielen kleinen Details. Beginnend mit den 401 Kunstwerken in den 401 Zimmern bis hin zu 401 Tipps in der »Andaz-Bibel«, mit denen Gäste die Stadt entdecken können und vielleicht mit anderen Augen sehen: Der Schmöker »401 Gründe, sich in Dehli zu verlieben« von der Reisejournalistin Fiona Caulfield, den es in verschiedenen peppigen Farben gibt, liegt auf jedem Zimmer aus. Kein Stadtführer im üblichen Sinne, denn hier findet man neben den Sehenswürdigkeiten Storys über eine alte Wrestling-Schule, einen begnadeten Kalligrafen und den Chef-Gärtner vom Lodhi-Garden, der sich mit »seinen« Bäumen unterhält. »Wir wollen, dass man als Besucher ins Land kommt und als Einheimischer wieder abreist«, bringt es Heddo Siebs auf den Punkt. Doch ganz von vorn: »Die Eröffnung des Andaz Delhi stellt einen beachtlichen Meilenstein für die Marke dar«, hatte Kurt Straub, Vice President of Operations, Hyatt Indien im Vorfeld gesagt und den einzigartigen Stil ebenso wie die Lokalgeschichte des Standortes hervorgehoben. Für Heddo Siebs ein zusätzlicher Ansporn, es besonders gut und eben »andaz« als die anderen zu machen. Das Rüstzeug für die Herausforderung erwarb er sich in den Jahren davor bei Hilton und Hyatt. Begonnen hat der Osnabrücker seine Hotellaufbahn ganz klassisch nach der Realschule mit einer Ausbildung zum Koch – neugierig gemacht von einem Bekannten, der Koch auf der MS Europa war. »Ich bin interessanterweise Koch geworden, weil ich reisen wollte. Die Welt sehen. So hatte ich mir das vorgestellt.« Allerdings merkte der Berufseinsteiger schnell, dass ihm der Gästekontakt fehlte. »Vor 25 Jahren waren Köche noch nicht wie heute auf Showbühnen, sondern agierten meist hinter verschlossenen Türen.« Also beschloss Siebs, noch eine Ausbildung als Hotelkaufmann drauf zu setzen – bevorzugt bei einer internationalen Hotelgesellschaft, um später in der Welt herumzukommen. Zur Inspiration diente nichts weniger als der »Leading Hotels of the World«-Katalog. »Ich schaute mir Häuser wie das Regent Beverly Wilshire an – das berühmte Pretty Woman-Hotel«, erzählt er amüsiert. Die Wahl fiel schließlich auf Hilton und so kam Heddo Siebs nach einer soliden Ausbildung in München in die USA – erst nach Washington, später nach Chicago – und schnupperte erstmals internationales Flair. War es Vorsehung oder Zufall – auf einer Veranstaltung der Partnerstädte Hamburg und Chicago lernte er Frank Ansel, den damaligen Vice President F&B von Hyatt, kennen. »Wir kamen ins Gespräch und er überzeugte mich, zu Hyatt zu wechseln.«

Mit Hyatt sollte die große Reise richtig beginnen, doch zuerst einmal ging es zurück nach Deutschland. »Ich war einfach noch sehr jung und musste mir meine Sporen verdienen.« Siebs begann als stellvertretender Wirtschaftsdirektor im Hyatt Regency Köln und mit nur 27 Jahren rückte zum Wirtschaftsdirektor auf. Auf Köln folgte Kairo; das Grand Hyatt Cairo wurde zur neuen Wirkungsstätte. »Das war sehr aufregend: ein großes Hotel, eine andere Kultur, ein neues Land.« Nach eineinhalb Jahren bot Hyatt ihm die Gelegenheit, ein Resort kennenzulernen und zwar im Taucherparadies Sharm-el-Sheik auf der Sinai-Halbinsel. »Immer blauer Himmel, Sonnenschein und Strand. Das ist für eineinhalb Jahre okay, dann ist es aber auch wieder genug.« Fred Hürst, damals in der Position des Area Vice President für Zentraleuropa, holte ihn zurück nach Deutschland. Sie kannten sich noch aus Siebs Kölner Zeit und der bekannte Hyatt-Mann suchte zu der Zeit einen Stellvertreter im Grand Hyatt Berlin. Ein Angebot, das man nicht ausschlagen konnte. »Fred Hürst ist damals viel gereist. Ich war in seiner Abwesenheit für das Operative im Haus verantwortlich. Das Hyatt-Vorzeigeprodukt in Deutschland leiten zu dürfen und große Renovierungen zu begleiten, war eine großartige Erfahrung.«

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