Mark Sittl, GM im Mövenpick Siam Hotel Pattaya in Thailand
Schweiz mit Sandstrand

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Idylle ist nicht zwangsläufig naturgegeben. In Pattaya wird an einigen Fronten dafür geackert. Die »Zero-Dollar-Touren« für Chinesen wurden gestoppt und Tausende Kubikmeter Sand sollen den Stadtstrand vor Erosionen schützen – für MARK SITTL  begrüßenswerte Tourismusmaßnahmen, denn sein Arbeitsplatz liegt ganz in der Nähe des thailändischen Badeortes.

Marc Sittls Vita ist eine kleine Reise durch die Welt: Der in Südafrika mit deutscher Staatsbürgerschaft geborene 48-Jährige arbeitet aktuell für ein Schweizer Unternehmen in Thailand. Dazwischen legte er unter anderem Stationen in Dubai, Usbekistan und England ein. Sittl gehört in der vierten Generation einer »Hotelfamilie« an. Das Globetrotter-Gen wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Sein Großvater arbeitete in Jerusalem, seine Schwester wurde in Holland geboren. »Ich bin sozusagen im Hotel aufgewachsen«, sagt er. Die ersten zehn Jahre seines Lebens in Südafrika, anschließend in Nürnberg. »Letztlich war immer klar, dass die Hotellerie auch mein Weg sein wird.« Von seinem ursprünglichen Wunsch, Koch wie sein Vater zu werden und als Küchenchef zu arbeiten, riet ihm dieser allerdings ab. So entschied er sich für eine Ausbildung zum Restaurantfachmann. Seine Passion für F&B ist bis heute geblieben, er koche sehr gerne, verrät Sittl. Im vor etwa einem Jahr eröffneten Fünf-Sterne-Mövenpick Siam Hotel Pattaya, das er seit Spätsommer 2016 leitet, ist der F&B-Bereich vergleichsweise klein. »Es gibt hier nur sechs Gastro-Outlets. In den Häusern, in denen ich zuvor gearbeitet habe, waren es bis zu 16. Wir haben jedoch viele Außenflächen und eröffnen demnächst ein Seafood-Barbecue am Strand«, sagt Sittl. 

Bedeutend seien im Nachhinein die zehn Jahre in der Schweiz gewesen. Direkt nach der Ausbildung ist er, ohne Französischkenntnisse, nach Lausanne gegangen. »In der Schweiz lernt man Service. Zu den prägendsten Menschen zählt für mich H. R. Schaerer, der ehemalige Direktor des Palace Hotel Gstaad, für mich eines der schönsten Luxushotels überhaupt«, erinnert sich Sittl. Zwei Jahre hatte er dort als F&B Manager gearbeitet. Der Abenteuerlust geschuldet, packte er mit 30 Jahren seine Koffer und ging nach Usbekistan, ins Le Méridien Tashkent. Allerdings – und ungewollt von Sittls Seite aus – nur für ein Vierteljahr. Finanzprobleme mit dem Eigentümer sorgten dafür, dass er nach Köln versetzt wurde. Dort arbeitete er als Deputy General Manager im Dom Hotel. Rückblickend erwies sich das als glückliche Fügung. »Die damalige Direktorin, Brigitte Goerdt, war eine beeindruckende Persönlichkeit. Als sie für eine Hoteleröffnung in die Vereinigten Arabischen Emirate ging, wollte sie mich mitnehmen. Allerdings gab es bauliche Verzögerungen, weshalb ich erst einmal für die Eröffnung des Main Plaza von Althoff Hotels & Resorts nach Frankfurt ging, bevor ich 2002 für das Opening des Le Méridien Al Aqah Beach Resort nach Dubai wechselte.« Als Brigitte Goerdt bei einem Autounfall verstarb, blieb er ein knappes Jahr. Dann begab sich Sittl rund 150 Kilometer weiter in den Süden nach Abu Dhabi, zunächst als Director of Operations ins Le Méridien. »Anschließend habe ich drei Jahre lang als stellvertretender Geschäftsführer fürs Sheraton, das damals größte Hotel dort, gearbeitet.« 

Irgendwann entstand der Wunsch nach einer Neuorientierung außerhalb der Emirate. »Als Hotel Manager habe ich 2010 in London das Pre-Opening des Savoy mitgemacht, ein fantastisches Objekt. Allerdings habe ich auch die Tücken mitbekommen, die der Umbau eines alten Hauses mit sich bringt«, so Sittl, der in der englischen Hauptstadt auch seinen ersten General Manager-Posten im Thistle Hotel St. Albans bekam. Im März 2012 kehrte er schließlich erneut in die Emirate zurück, eröffnete das Sofitel The Palm Resort & Spa. »Ein tolles Projekt« mit 544 Zimmern, 16 Restaurants und Bars, dem er dennoch nach zwei Jahren adieu sagte; es ergab sich die Möglichkeit, nach Asien in das mit zahlreichen Auszeichnungen dekorierte 357-Suiten Hotel Lebua at State Tower in Bangkok zu wechseln. Zwei Jahre arbeitete der sich selbst als analytisch und detailorientiert beschreibende Manager als Chef von 900 Mitarbeitern und einem »hervorragenden F&B-Bereich« mit acht Restaurants und Bars. 

Als die Arbeitsbewilligung verlängert werden musste, nahm Sittl das zum Anlass für eine halbjährige Pause. Er ging in Elternzeit, um sich um seine kleine Tochter zu kümmern. Seine bei Sofitel angestellte Ehefrau ging derweil arbeiten. Die inzwischen anderthalbjährige Tochter kam in Bangkok zur Welt, sein 13-jähriger Sohn in Abu Dhabi. Die thailändische Metropole ist der Lebensmittelpunkt der Familie Sittl geworden, seit September 2016 pendelt der GM zu seinem neuen Arbeitsplatz. »Im Gegensatz zu den Emiraten trifft man hier nicht nur auf Expats, sondern bekommt auch Kontakte zu den Einheimischen. Meine Familie fühlt sich sehr wohl in Bangkok und ich verbringe meine Wochenenden zuhause«, sagt der Familienvater. Sein Hobby Motorradfahren hat er zugunsten der gemeinsamen Zeit mit der Familie auf Eis gelegt, bei Urlauben in Deutschland stehen ebenfalls Familie und Freunde im Mittelpunkt. 

Aus der »alten Heimat« bringt er stets einen Vorrat an Zuckerrübensirup mit nach Thailand, wo er mit knapp 300 Mitarbeitern ein für seine Verhältnisse fast schon kleines Haus leitet. »Wir befinden uns derzeit noch im Aufbau, die Verträge mit den Reiseveranstaltern haben beispielsweise erst im November 2016 begonnen.« Das Produkt, so Sittl, sei Erfolg versprechend: Es ist das erste Fünf-Sterne-Strandhotel am Na Jomtien Beach, 15 Kilometer von Pattaya entfernt. »Die Destination wird immer interessanter für Familien – und so wollen wir sie auch für uns vermarkten. Dabei koppeln wir uns auch etwas von Pattaya ab, dessen Ruf nicht der beste ist. Allerdings wird auch daran gearbeitet«, sagt der General Manager. An Attraktionen gibt es einiges: Elefanten- und Wasserparks, einen botanischen Garten, den größten Indoor-Spielplatz Asiens, Museen, Bootstausflüge, Reit- und Tauchmöglichkeiten sowie einige Weingüter. Bislang laufe das Hauptgeschäft – sowohl bei Individualgästen wie im MICE-Geschäft – über den asiatischen Markt und es gelte, den europäischen zu entwickeln. Dafür sei es äußerst hilfreich, so Sittl, dass die Marke Mövenpick sehr bekannt sei und für Schweizer Qualität stehe. Irgendwann aus der Hotelwelt auszusteigen, daran denkt er nicht. »Das ist mein Leben«, sagt Sittl. »Heimat ist dort, wo die Koffer der Familie sind.«

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