Hoteltest Best Western Victoria Freiburg
Grün und gut

Im Best Western Hotel Victoria Freiburg legt man großen Wert auf Umweltschutz: Wo es nur geht, wird Energie und Wasser gespart – dafür engagieren sich die Gastgeber Astrid und Bertram Späth. Ob unter diesen Maßnahmen der Komfort leidet, das überprüfte der anonyme Top hotel-Tester beim aktuellen Quality Check.

FR. 24/08, 17:15 Telefonische Reservierung

Am späten Freitagnachmittag scheint die Empfangsmitarbeiterin des Best Western Premier Hotel Victoria schon in den Energiesparmodus umgeschaltet zu haben. Ich muss ihr jedenfalls jede Information aus der Nase ziehen und erhalte wenig befriedigende Antworten: Der Unterschied zwischen Alt- und Neubau? »Der historische Altbau ist von 1785. Aber renoviert sind die Zimmer alle.« Schade, dass hier die Chance vertan wird, einem interessierten Gast die Buchung schmackhaft zu ­machen – schließlich hat das Hotel eine Menge zu bieten. Und es hat einen hohen Anspruch an sich selbst. Frau B. scheint dies aber gleichgültig zu sein. Anreise, Abreise, Frühstück ja/nein und eine E-Mail-Adresse, mehr will sie nicht von mir wissen und mehr als den Zimmerpreis von 159 Euro und die Information, dass das Frühstück mit 14 Euro zu Buche schlägt, gibt sie von sich aus nicht preis. Die Mitarbeiterin wirkt nicht unfreundlich, aber lustlos. Immerhin weiß sie den schwierigen Namen meiner Straße korrekt zu schreiben, wie ich auf der erst fünf Tage später auf postalischem Weg eingehenden Reservierungsbestätigung ersehe. Die Überschrift gibt mir dann auch endlich einen Hinweis darauf, wo ich gebucht habe: »Willkommen im umweltfreundlichsten Hotel der Welt!«
Wertung: noch befriedigend

Internet-Auftritt / Online-Buchung

Wer mehr über das klimaneutrale Vier-Sterne-Haus erfahren möchte, findet auf der Homepage des mehrfach zertifizierten und tatsächlich zweimal als »umweltfreundlichstes (Privat-)Hotel der Welt« ausgezeichneten Hauses jede Menge Informationen. Das Engagement des Inhaber-Ehepaares Späth in puncto Umweltschutz wird dort ebenso aussagekräftig dargestellt wie sein Anspruch, den Gastkomfort durch die umgesetzten Maßnahmen in keiner Weise einzuschränken – ganz im Gegenteil, man möchte ihn eher noch erhöhen. Auch das persönliche Engagement des inhabergeführten Hotels kommt auf der Website gut zur Geltung, zumal Astrid und Bertram Späth ihr Konzept gleich auf der Startseite mit Foto, Statement und handschriftlicher Unterzeichnung glaubhaft machen. User, die noch tiefer eintauchen möchten, können sich darüber hinaus die 24-seitige ­Umwelterklärung downloaden.
Wertung: sehr gut

Lage / Anfahrt / Parken

Plätzle, Gässle, Bächle, Brünnle – die Universitätsstadt Freiburg ist bekannt für ihr idyllisches Stadtbild, die vielen Grünanlagen und das historische Zentrum. Direkt am Colombipark und damit im Zentrum der Stadt liegt das Hotel Victoria – der ICE-Bahnhof und die Altstadt sind in nur wenigen Minuten zu erreichen. Schon deshalb und natürlich aus Gründen des Umweltschutzes empfiehlt das Hotel die Anreise mit der Bahn.

Für Autofahrer ist das hauseigene Parkangebot knapp, für zwei nahe Parkhäuser werden jedoch Gutscheine ausgegeben. Gute Idee: Hotelgäste erhalten Gratisfahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr in und um Freiburg.
Wertung: gut

MO. 10/09 Anreise

Schmuck und gepflegt leuchtet die Fassade des 1785 errichteten Hotelgebäudes zur wenig befahrenen Eisenbahnstraße hin; den moderneren ­Anbau auf der Rückseite nimmt der Gast bei der Anreise gar nicht wahr. Statt einer Vorfahrt gibt es Parkplätze; der Stellplatz vor dem Eingang ist publikumswirksam mit einem auffälligen Elektro-Kleinstwagen belegt, den man im Hotel mieten kann. Rechts im Hotel sind ein Friseur und eine externe Wellnesspraxis angesiedelt, links stehen auf dem Bürgersteig ein paar Tische der im Souterrain beheimateten »Smoker Lounge«, zu der eine Treppe nach unten führt. Im Eingangsbereich liegt der obligatorische rote Läufer, der allerdings Schmutz gefangen und nicht wieder hergegeben hat.
Wertung: sehr gut

13:20 Check-in

Von der etwas zurückgesetzten Rezeption blickt mir Frau S. entgegen, während ich mich samt meinem zwar kleinen, jedoch ziemlich schweren Köfferchen die beiden Treppenabsätze hochwuchte. Wie ich später erfahre, stehen die Gepäckwagen im Untergeschoss. Nur: Was nützen sie mir da? Hilfe mit dem Gepäck wird mir ebensowenig ­angeboten wie eine Begleitung aufs Zimmer. Ansonsten checkt mich Frau S. professionell und auch sehr zuvorkommend ein. Sie verweist auf die kostenlose Heißgetränkestation in der kleinen Lobby, nennt mir die Frühstückszeiten und empfiehlt einen Besuch des außergewöhnlichen Dachgartens, von dem aus man einen grandiosen Blick über die Stadt hat. Dann überreicht sie mir einen Schlüsselpass mit Zimmerkarte sowie einen Frühstücksgutschein und erklärt mir den Weg zum Zimmer. Aussagen zum Thema »Umweltschutz« macht die gewandte Mitarbeiterin nicht. Schon hier fällt auf, was sich auch im Verlauf meines Besuches bestätigt: Dieses Thema ist zwar omnipräsent und wird im Haus auch auf vielfältige Weise kommuniziert, ­verbal hält man sich aber zurück. Nicht jeder Gast ist schließlich ­ökologie-affin.
Wertung: sehr gut