Hoteltest Roomers Frankfurt
Matt bis glänzend

Seit 1992 fühlt Tophotel den Vorzeigebetrieben der gastlichen Branche auf den Zahn. Bis Anfang vergangenen Jahres standen dabei ausschließlich Hotels der Luxuskategorie im Fokus der Tester. Nun hat Tophotel seine Mystery Checks auf das Business- bzw. Wellness-Segment ausgedehnt. Dieses Mal im Test: das Roomers in Frankfurt

Internetauftritt/Onlinebuchung

Dass man beim Frankfurter Roomers versucht ist, von einer »Location« statt von einem Hotel zu sprechen, ist sicher im Sinne der Eigentümer. Ein Hotel, das »cool« ist, muss ja auch nicht unbedingt »kühl« sein. Also bleibt man auf der Internetseite gleich bei der Sprache aller Trends, dem Englischen. Vergebens irre ich durch das World Wide Web auf der Suche nach einer deutschen Version der Roomers-Homepage. Der Online-Auftritt unter www.roomers.eu ist vorwiegend in englischer Sprache gehalten. Das mag zwar dem »Style« des Hauses entsprechen, entbehrt jedoch nicht einer gewissen Arroganz und macht dem User, der sich schnell informieren will, wenig Freude, selbst wenn er gut und flüssig Englisch spricht. Außerdem ist die Startseite genauso dunkel wie später das Roomers selbst und dadurch unübersichtlich sowie teilweise schlecht lesbar. Man spürt: Es geht deutlich mehr um Schein als um Sein, mehr um Wirkung als um Information. Zimmerpreise erfährt der potenzielle Gast beispielsweise erst, wenn er online bucht; für Tagungsgäste gibt es nur ein mageres PDF zum Herunterladen. Und dass von einem externen Dienstleister Kosmetik- und Massageanwendungen angeboten werden, ist auf der Homepage überhaupt nicht vermerkt. Immerhin: Die Speise- und Weinkarten sind sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch einsehbar.

Die Onlinebuchung läuft über die Reservierungszentrale der Design Hotels und muss in jedem Fall per Kreditkarte garantiert werden. Eine Reservierungsbestätigung wird unmittelbar angezeigt und erfolgt zusätzlich noch einmal per E-Mail.
Wertung: befriedigend

DO. 02/06, 12:55
Telefonische Reservierung

Auch als »Location« bleibt das Roomers ein Hotel, für das gewisse Standards gelten müssen, beginnend beim Reservierungsgespräch. Dass sich die Reservierungsmitarbeiterin am Telefon fröhlich-unkonventionell mit »Das Roomers – S... – Hallo!« meldet, ist ja noch sympathisch; nicht aber, dass sie während des Reservierungsgesprächs viele Grundregeln außer Acht lässt. So bietet mir die junge Dame beispielsweise zum gewünschten Zeitpunkt lediglich ein Superior-Zimmer für 220 Euro ohne Frühstück an – ohne Alternative. Amüsanterweise fügt sie hinzu: »Die Superior-Zimmer sind unsere Standardzimmer.« Dem Verantwortlichen, der beim Benennen der Kategorien Ausdrücke wie »Standard« zu vermeiden suchte, müssen da doch die Haare zu Berge stehen. Erst auf meine Nachfrage bestätigt S., dass durchaus noch teurere Zimmer zur Verfügung stünden, die zudem ruhiger liegen. Ebenfalls nachfragen muss ich, was die sonstigen Offerten des Hotels angeht – obwohl ich mich gleich zu Beginn als interessierter »Erstlingsgast« geoutet hatte. Nur so erfahre ich, dass es ein Restaurant, eine Bar sowie einen Fitness- und Wellnessbereich gibt und Treatments auf dem Zimmer angeboten werden. Die Vorabbuchung einer Zusatzleistung (Massage, Tischreservierung) bietet mir S. jedoch nicht an. Für die Zimmerreservierung reicht ihr mein Name und eine Handynummer; eine E-Mail-Bestätigung muss ich erbitten. Sie erfolgt noch am selben Tag und ist sehr informativ.
Wertung: befriedigend

Lage / Anfahrt / Parken

Vom Frankfurter Gutleutviertel aus, in dem sich das Roomers befindet, ist es nur einen Katzensprung zur Innenstadt, zum Bankenzentrum, zur Messe und zum Bahnhof. Zum Flughafen braucht man eine Viertelstunde. Wer mit dem eigenen Auto anreist und zu den Glücklichen gehört, die vom Parkservice des Roomers wissen, gibt seinen Wagen vor dem Eingang ab und zahlt für das Abstellen in der hoteleigenen Tiefgarage 19 Euro pro Nacht. Vor Ort kenntlich gemacht oder angepriesen wird dieses Angebot nicht; Gleiches gilt für die Bestätigung bei der Onlinebuchung. Wer allerdings ob dieser Unkenntnis am Hotel vorbeifährt und irrtümlich im benachbarten Parkhaus parkt, hat dadurch keinen wirklichen Schaden: Die Parkgebühren sind hier in etwa gleich. Kostenlose Stellplätze gibt es ebenso wenig wie einen kostenlosen Shuttle von und zum Bahnhof oder Flughafen.
Wertung: gut

MO. 06/06; Anreise

Ganz bewusst spielt das Roomers mit seinem Image. Das zeigt sich schon beim Namen, der sich aus den englischen Wörtern »Room« (Zimmer) und »Rumours« (Gerüchte) zusammensetzt. Dunkel, geheimnisvoll, ein bisschen verrucht – so präsentiert man sich gern und in vielerlei Hinsicht. Auch, was den Eingang des Hotels angeht: Weder Fahnen noch Leuchtreklame oder klassisch gestalteter Hoteleingang weisen daraufhin, dass sich hinter der edel-modernen Fassade ein Hotel verbirgt. Stattdessen: ein schlicht gepflasterter, kleiner Vorplatz, auf dem immer mindestens eine Luxuslimousine steht, die im Zweifelsfall einem der Eigentümer gehört; und ein mächtig hohes, dunkles Portal, das eher abweisend als einladend wirkt und ein geheimnisvoll anmutendes, wie ein Amulett gestaltetes Logo trägt. Darüber prangt – reduziert und in dezenten, hinterleuchteten Lettern – das Wort »Roomers«. Dass Passanten hinter diesem Portal einen exklusiven Club vermuten oder sogar »Schlimmeres«, ist durchaus beabsichtigt. »Spread the Roomers« ist nur ein Slogan des Hauses, der genauso mit »Mach das Hotel bekannt« übersetzt werden kann wie mit »Streue die Gerüchte«.

Alles sieht tipptopp aus, als ich anreise. Allerdings steht kein Doorman bereit und es gibt – wie schon gesagt – keinen Hinweis auf den Parkservice, sodass ich zu denen gehöre, die im benachbarten Parkhaus parken. Da der Doorman auch dann noch nicht zurück ist, als ich mit meinem Gepäck zum Eingang komme, muss ich selbst mühsam die Tür öffnen – eine Automatiktür wäre natürlich »less stylish« – und meinen Koffer zur Rezeption tragen.
Wertung: gut

12:40; Check-in

Die Lobby des Roomers durchquert man nicht, man durchschreitet sie. Fotos dieses mystisch dunklen Entrees, der sich darin aufplus­-ternden, silbrig-samtigen Sessel in Schwanenform, des aluminiumspiegelnden Tresens und der extravaganten Beleuchtungskörper waren nach der Eröffnung 2009 in allen einschlägigen Architektur-, Design- und Hotelfachzeitschriften zu sehen. Solch nobles Ambiente flößt Ehrfurcht ein – und am besten auch Demut, wie ich wenig später am Rezeptionstresen feststellen muss. Ich kann nämlich nicht einfach so einchecken. Da ich als Begleitperson anreise und mein Partner noch nicht eingecheckt hat, verlangt man von mir, dass ich eine Kreditkarte vorlege oder mich zumindest ausweise. Beides lehne ich ab, woraufhin die gestrenge, sehr kühl ( und nicht cool) wirkende Rezeptionistin I. kurz und bündig erklärt: Dann könne ich eben nicht einchecken. Der Hinweis, dass mein/e Partner/in doch eine Kreditkartennummer hinterlassen habe und bei Anreise die Formalitäten erledigen könne, fruchtet nicht – I. bleibt hart.

So weit, so gut, Sicherheit ist wichtig. Ich rufe deshalb meine/n Partner/in an und reiche das Telefon an I. weiter, damit diese aus berufenem Munde vernimmt, dass ich im Doppelzimmer mitgebucht bin und dieses beziehen darf. Auch die Kreditkartennummer wird noch einmal durchgegeben und von I. bestätigt. Dann allerdings schießt die Dame über jegliches Ziel hinaus und den Vogel ab, fordert sie meine/n Partner/in doch auf, mich, also die Begleitung, zu beschreiben. Bei aller Liebe: Ein solches Verhalten ist für den Gast entwürdigend und nicht zu rechtfertigen. Diesen Fauxpas macht auch das Glas Sekt zur Begrüßung nicht wett, das mir Praktikantin G. reicht. Der hübschen Deutsch-Italienerin scheint das alles sehr unangenehm. Zu Recht. Das restliche Check-in-Prozedere verläuft fehlerfrei, sodass aus dem »indiskutabel« noch ein »befriedigend« wird.
Wertung: befriedigend

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