Hoteltest: andel’s Berlin

Bunt & bemerkenswert

Professionelle Gastlichkeit wird heute nicht nur in der Luxuskategorie als selbstverständliche Basisleistung vorausgesetzt. Auch im Business-Segment sind die Ansprüche der Geschäftsreisenden stark gestiegen. Tophotel fühlt den bekannten Adressen auf den Zahn. Dieses Mal im Test: das andel’s Hotel Berlin.

FR. 20/01, 17:10 · Telefonische Reservierung

Frau S. meldet sich freundlich und spult den Buchungsvorgang routiniert und standardmäßig ab. Aber eben auch nur das. Wenn sie sich schon danach erkundigt, ob ich schon einmal zu Gast im andel’s gewesen sei – was ich verneine –, warum stellt sie mir das Haus dann nicht in ein paar Sätzen vor oder bietet mir das wenigstens an? Wenn sie mir schon zwei Zimmerkategorien zur Auswahl offeriert, warum informiert sie mich dann nicht über die Möglichkeit, diese Zimmer auf den Executive-Etagen mit Zugang zur »a.lounge« (einem exklusiven Aufenthaltsbereich mit spezieller F&B-Offerte) zu buchen? Warum beschreibt sie mir nicht das Fine Dining-Restaurant und verlockt mich zu einer Tischreservierung? Und warum sagt sie kein einziges Wort zum attraktiven Spa-Bereich mit seinen Massage- und Beauty-Angeboten? Schade. Schade für den Gast, dessen Entscheidung für das Hotel so noch positiver besetzt werden könnte und der sich noch besser umsorgt fühlte. Und bedauerlich für das Hotel, das eine bessere Auslastung seiner Zusatzofferten sicherlich begrüßen würde.

Umso erfreulicher ist dagegen die zügige Reaktion des Concierges, der mich wenige Minuten nach dem Telefonat mit der Reservierungsabteilung anruft, um die Details für den von mir gebuchten Airport-Shuttle zu klären. Die schriftliche Reservierungsbestätigung wird erst am Montag in die Post gegeben und trifft somit nach vier Tagen bei mir ein. Sie ist korrekt und informativ, die gewünschten Broschüren sind beigelegt.
Wertung: noch gut

Internet-Auftritt / Online-Buchung

Die Website des andel’s ist grafisch nicht so anspruchsvoll, wie man es bei einem derart designorientierten Hotel erwarten könnte. Aber sie ist übersichtlich und bietet detaillierte Informationen, auch zu den 3.800 Quadratmetern Konferenz- und Eventfläche, die hier zur Verfügung stehen. Ein E-Mail-Anfrageformular zur Veranstaltungsplanung ist ebenfalls vorhanden. Die Online-Buchung funktioniert unkompliziert und offeriert neben den »Best Rates« auch interessante ­Packages wie das »book.eat.sleep«, bei dem neben der Übernachtung noch ein Abendessen und die Parkgebühr enthalten sind. Außerdem lassen sich weitere Features wie der Shuttle vom Airport (45 Euro) oder die Nutzung der Executive Lounge (30 Euro) hinzubuchen. Eine Bestätigung kann man sofort ausdrucken, erfolgt jedoch auch noch einmal automatisch generiert per E-Mail.
Wertung: sehr gut

Lage / Anfahrt

Einem modernen Kirchenbau gleich ragt der Tower des andel’s in den Himmel über Ostberlin, während der rhombusförmige Korpus des Hotels sich in den Winkel zwischen Landsberger Allee und Storkower Straße schmiegt. Fluch und Segen zugleich sind die Bahngleise, die an einer dritten Seite den Gebäudekomplex begrenzen. Sie sorgen zwar für optimale S-Bahn-Anbindung durch eine Haltestelle direkt vor der Tür, aber eben auch für Rund-um-die-Uhr-Verkehr und entsprechende Geräuschkulisse, zusätzlich zu dem hohen Lärmpegel, den die mehrspurige Landsberger Allee schon hervorbringt. Die Lärmschutzfenster des Hotels haben infolgedessen einiges zu schlucken – mit gutem Erfolg.

Vom Flughafen Tegel aus braucht man zum andel’s mit Bus und S-Bahn etwa eine halbe Stunde, mit dem Taxi oder dem Hotelshuttle je nach Tageszeit mindestens genauso lange. Der Flughafen Schönefeld liegt etwas weiter weg, der Hauptbahnhof ist ein wenig schneller zu erreichen. 550 Pkw-Stellplätze umfasst die hauseigene Tiefgarage, was nahezu exakt der Anzahl der Hotelzimmer (557) entspricht. Mit zehn Euro pro Nacht ist das Parken hier günstig.
Wertung: sehr gut

Donnerstag 02.02 · Anreise

Ich lasse mich vom Flughafen abholen. Meine Erwartung, dass der gebuchte »Shuttle/Limousinen-Service« zum Vier-Sterne-Superior-Hotel per komfortablem Wagen und durch einen schnieken Chauffeur erfolgt, wird jedoch nicht erfüllt. Zwar steht da jemand und hält ein Schild mit meinem Namen hoch, doch handelt es sich dabei um einen schlecht rasierten Herrn in Trainingsjacke und Pudelmütze, der mich auf dem Rücksitz eines Vans verstaut, in dem es während der Fahrt durch das eiskalte Berlin nicht richtig warm wird. Jedes halb so teure Taxi wäre da genauso gut, wenn nicht besser gewesen.

Der Eingangsbereich des andel’s ist unspektakulär – es gibt eine Vorfahrt, ein paar große Blumenkübel und die unvermeidlichen ­Standascher mit den ebenso unvermeidlichen Rauchern drum herum. Alles wirkt gepflegt, der Raucherbereich ausgeklammert.
Wertung: gut