Frühstück & Brunch: »Je simpler, desto besser«

Frühstück & Brunch

»Je simpler, desto besser«

Das Frühstück ist nicht nur die »wichtigste Mahlzeit am Tag« – für F&B-Trendexperte und Berater Pierre Nierhaus hinterlässt jedes Hotelfrühstück auch einen bleibenden Eindruck. Statt auf hippe Konzepte und große Auswahl setzt er allerdings auf Qualität und einen guten Ton, wie er im Interview erzählt.

Tophotel: Herr Nierhaus, hat das klassische Frühstück ausgedient?
Pierre Nierhaus: Ganz und gar nicht. Insbesondere beim Frühstück werden Gewohnheiten aus der Kindheit gepflegt, es kommt ganz darauf an, wie wir aufgewachsen sind. Ein Deutscher erwartet morgens frische Brötchen vom Bäcker und keine aufgebackenen Industriebrötchen. Ein Amerikaner dagegen bevorzugt einen Bagel. In Asien sind die Frühstücksgewohnheiten ganz anders. Für ein Hotel kommt es darauf an, Charakter in die Frühstücksauswahl zu bringen.

Tophotel: Ist es nicht schwierig, gerade für kleine Hotels, eine große Vielfalt anzubieten?
Nierhaus: Zu einem großen Angebot mit vielen Produkten sehe ich einen Gegentrend: Der Gast legt weniger Wert auf unglaubliche Vielfalt als auf Qualität. Weniger ist mehr. Das Hotel sollte die Wertigkeit ausschildern. Kleine beschriftete Kreidetäfelchen wirken hochwertig – es darf nicht billig aussehen.

Tophotel: Was kann ein Hotel noch tun, um das Frühstückserlebnis zu verbessern?
Nierhaus: Das Frühstück ist meistens der letzte Eindruck, den der Gast vor der Abreise vom Hotel bekommt. Es geht nicht um Trends oder viel Auswahl. Persönlichkeit ist wichtig. Ich werde lieber nett und persönlich begrüßt, statt forsch einfach nur nach der Zimmernummer gefragt. Authentizität und Herzlichkeit sind die Basis. Dazu kommen gute Lebensmittel. Je simpler, desto besser.

Tophotel: Sollten auch große Hotels die Auswahl reduzieren?
Nierhaus: Ich rate den Managern von großen Hotels, lieber nur fünf Sorten Wurst oder Käse von hochwertiger Qualität oder aus regionaler Herstellung anzubieten, als 15 industriell hergestellte Sorten. Meistens haben die Hotelketten ihre Partner, mit denen sie zusammenarbeiten, aber Regionalität ist wichtig. Da sollten sich die Manager durchsetzen – aber dennoch wirtschaftlich bleiben.

Tophotel: Gibt es für Sie ein No-Go beim Frühstück?
Nierhaus: Bitte keine Improvisation. Es muss keine großartige Präsentation mit aufwendiger Anrichte oder Etageren werden – lieber sollten Hoteliers zum Beispiel die echten Materialien, wie den Holztisch, zeigen, statt sie durch ein Skirting zu verstecken. Der Gast merkt intuitiv, wenn ihm etwas an der Präsentation nicht gefällt – da können die Produkte noch so toll sein. Es muss ganzheitlich stimmen.

Pierre Nierhaus
ist Berater, Konzeptentwickler, Trendexperte und Spezialist für die Findung und Implementierung von weltweiten Innovationen in der Foodservice und Hospitality Industrie.  •  www.nierhaus.com