Azubis bewerten
Gastgewerbe schneidet im Ausbildungsreport schlecht ab

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Guido Zeitler ist stellvertretender Vorsitzender der NGG

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat sich zum diesjährigen DGB-Ausbildungsreport geäußert, in dem die Ausbildungsberufe des Gastgewerbes wieder schlecht abschneiden. Der Vize-Vorsitzende der NGG, Guido Zeitler, bezeichnet die Ergebnisse als „neuerlichen Weckruf für die Branche“.

Für die Studie sollten auch angehende Köche, Restaurant- und Hotelfachleute die Ausbildungsqualität und -bedingungen in ihren Berufen bewerten. Dabei schnitten die Ausbildungsplätze im Gastgewerbe erheblich schlechter ab die anderer Branchen. Wie bereits in den Vorjahren landeten die gastgewerblichen Berufe auf den letzten Plätzen der Gesamtbewertung.  Zeitler erklärte, es reiche nicht aus, dass einzelne Betriebe in Bezug auf Ausbildungsqualität und -bedingungen vorangingen. Vielmehr sei es Aufgabe der ganzen Branche, die Rahmenbedingungen für Arbeit und Ausbildung flächendeckend zu verbessern und so die Attraktivität des Gastgewerbes zu erhöhen. „Das Gastgewerbe hat ein Imageproblem. Leider trägt der Arbeitgeberverband Dehoga mit seiner Kampagne für noch längere tägliche Arbeitszeiten und für ein Aufweichen des Arbeitszeitgesetzes dazu bei, den Ruf der Branche weiter zu schädigen.“ Dabei seien die teilweise gesundheitsschädlichen Arbeitszeiten schon heute einer der größten Kritikpunkte von Auszubildenden und Beschäftigten.

Ein „Weiter so“ könne man sich angesichts dauerhaft sinkender Bewerberzahlen und eines für viele Betriebe existenzbedrohenden Fachkräftemangels nicht mehr leisten. Zeitler: „Ein Drittel der Ausbildungsplätze bei den Restaurantfachleuten bleibt unbesetzt, die Hälfte der Koch-Azubis bricht die Ausbildung ab, das ist dramatisch.“ Wegen der Vielzahl von offenen Ausbildungsstellen könnten Jugendliche heute ihre Ausbildung frei wählen, dabei zöge das Gastgewerbe zu oft den Kürzeren: „Die Ausbildungsbedingungen und die spätere Perspektive im Job gelten in anderen Berufen als deutlich attraktiver – darauf müssen Arbeitgeber und ihr Verband endlich bundesweit reagieren.“  Mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit der Branche sei nicht mehr hinnehmbar, dass der Dehoga die Umgehung der in den eigenen Tarifverträgen festgelegten Arbeits- und Ausbildungsbedingungen fördert, indem er die „Mitgliedschaft ohne Tarifbindung“ (OT-Mitgliedschaft) anbiete. „NGG und Dehoga schließen attraktive Vereinbarungen ab, und der Dehoga sorgt selbst dafür, dass davon viele Beschäftigte gar nicht profitieren. Das ist kontraproduktiv und imageschädigend.“  So lägen etwa die tariflich vereinbarten Vergütungen der Auszubildenden im Gastgewerbe inzwischen teilweise über denen anderer Branchen. An den Arbeitgebern und ihrem Verband sei es jetzt, dafür Sorge zu tragen, dass die „Tarifflucht im Gastgewerbe beendet wird und wieder mehr Beschäftigte von den Tarifverträgen profitieren.“

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