Hotelaktien
Volle Fahrt durch den Nebel

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Die Hotellerie widerstand in den ersten Monaten dieses Jahres nicht nur weitgehend den Einflüssen der globalpolitischen Wirren, vielmehr wurden vorübergehende Ermüdungserscheinungen der Branche von den auf Expansion getrimmten Hotelmanagern in aller Welt zu verstärkten Aktivitäten genutzt. Das zeigen aktuelle Kennzahlen vom internationalen Hotelmarkt, der sich auch verstärkt mit den Aktionen narzisstischer politischer Führer wie Trump, Erdoğan und Putin sowie Kim Jong Un beschäftigen muss. 

Für die Hotel- und Tourismusbranche sind die oft verwirrenden Aussagen von oberster politischer Stelle – nicht nur in den USA, sondern weltweit – wenig hilfreich, was die Expansion innerhalb der Branche aber keinesfalls nachhaltig gebremst hat. Gleiches gilt für die kriegerischen Auseinandersetzungen des Westens mit einigen islamischen Staaten sowie die Brexit-Debatte in Europa. Dass US-Präsident Donald Trump nicht nur seine eigenen Landsleute, sondern auch die Kapitalanleger in aller Welt verwirrte, überrascht kaum. Im Rahmen seiner Leitlinie »Make America greatagain« hatte Trump anfangs einen starken Dollar angekündigt. Inzwischen scheinen ihm seine ökonomischen Berater jedoch darauf hingewiesen zu haben, dass sich Dollarstärke und Exportwachstum – und damit auch Expansion bei den Ankünften ausländischer Touristen und Geschäftsreisender – so gut wie ausschließen. Trump erklärte in diesem Kontext zuletzt, dass er es begrüßen würde, wenn die Zinsen auf niedrigem Niveau verharren. Dies dürfte Hotelaktien eine Stütze bieten. Was aber sowohl Trump als auch andere Top-Politiker ignorieren, sind die Gefahren, die weltweit auf der einen Seite von der Nullzinspolitik der Notenbanken und auf der anderen Seite von den gigantischen Staatsschulden in fast allen Ländern rund um den Globus ausgehen. 

Vor diesem Hintergrund navigiert die Weltwirtschaft seit geraumer Zeit auf dem Börsenmeer im Nebel: auf bislang unbekannten politischen Routen mit nicht vorhersehbaren Entwicklungen und Hindernissen. Angesichts der Aktionen narzisstischer politischer Führer wie Trump, Erdoğan und Putin sowie Kim Jong Un – um nur einige wenige zu nennen – keinesfalls als sicher, dass die Vorzüge von Demokratie, Globalisierung und Frieden auch morgen noch Wegbegleiter der Menschheit sein werden.   

US-Hotels mit verbesserter Performance

All das – so kritisieren ältere Ökonomen – werde irgendwann in einem Kollaps der Systeme enden. Noch aber lassen sich Touristen und Geschäftsreisende nicht von ihren Reiseaktivitäten abhalten, sodass der RevPAR in den USA nach einer schwächeren Entwicklung während des ersten Quartals in der Folge saison- und wetterbedingt stark gestiegen ist. Die Kapazitätsauslastung der US-Hotels stieg im April und Mai deutlich über die Marke von 70 Prozent, der durchschnittliche Zimmerpreis wies ein Plus von rund vier Prozent auf. Zudem richten sich die Manager in den Vorstandsetagen der amerikanischen Hotelbranche für diesen Sommer auf die höchste Zahl von Reisenden seit rund einer Dekade ein.

Dies hat bei einigen Top-Managern der Branche die mittelfristig generell bestehenden  Zweifel über eine nachhaltige Besserung nicht beseitigt. Im Gegenteil: Arne Sorenson, Vorstandschef von Marriott International, warnt vor negativen Auswirkungen des von US-Präsident Donald Trump verfügten Reisebeschränkungen. Der »Travel-Ban« für Reisende aus von der Trump-Administration kritisch beurteilten Ländern und Regionen dieser Welt gilt als klarer Störfaktor. Dazu müsse man wissen, sagten mehrere Hotelmanager auf einer Konferenz in Florida, dass die Hotel- und Touristikbranche weltweit zehn Prozent aller Arbeitnehmer beschäftige. 

Dass die Kurse von Hotelaktien während der ersten fünf Monate ungeachtet der aktuellen politischen Unwägbarkeiten kräftig in die Höhe schossen, war auch eine Folge der anhaltenden Fantasie auf weitere Übernahmen und Fusionen. So bleiben Investments in Hotelaktien für Anleger in diesem Jahr bisher ein »absolutes Muss« wie unter anderem der Baird/STR-Hotelaktienindex verdeutlicht, der in diesem Jahr an der Wall Street zu den großen Gewinnern zählt. Seit Ende 2016 hat dieser Indikator um stolze 33 Prozent zugelegt. Fusionen waren dabei eine Antriebsfeder. 

Fernöstliche Expansionswut

Die »Fusionitis« in der Branche wurde auch durch die jüngste Übernahme von Sweden Hotels durch Best Western sichtbar. Letzterer avancierte durch die Addition von 59 neuen Betrieben zu den bestehenden 76 Hotels in Schweden zu einem der führenden Playern. Interessant sind in diesem Kontext die Aussagen des Managements, das diese Transaktion als »Start einer globalen Initiative« bezeichnete. 

Den großen internationalen Hotelgruppen aus Europa und den USA entsteht seit geraumer Zeit eine immer stärkere Konkurrenz durch die Aktivitäten asiatischer Player. Angefeuert wird all das durch den Hype der anhaltenden Reiselust chinesischer und zunehmend auch indischer Touristen. Hintergrund: Die große Mehrzahl der fast drei Milliarden Menschen in diesen beiden Ländern waren noch nicht im Ausland. Für Furore sorgt in diesem Kontext seit geraumer Zeit der von der Regierung in Peking unterstützte chinesische Unternehmensriese HNA Group, der unter anderem Anteile an den Hotelgesellschaften Carlson Hotels Group, NH Hotels, Hilton Hotels und Park Hotels & Resorts besitzt. HNA hat zuletzt nicht nur durch den Einstieg bei der Deutsche Bank AG, sondern auch durch den Erwerb von Vermögensverwaltern in den USA, in Hongkong und Österreich von sich reden gemacht, sondern kündigte zugleich auch an, weitere Firmenkäufe in der Reise und Tourismusbranche tätigen zu wollen.

Als weiteres Beispiel für die fernöstliche Expansionswut kann auch die Entwicklung des chinesischen Tourismusriesen China Lodging Group gelten, der seine für das Jahr 2016 gesetzten Ziele voll erfüllt hat. Das Unternehmen hat 737 neue Hotels eröffnet, im Rahmen der Marken-Standardisierung allerdings gleichzeitig auch 231 Betriebe geschlossen. Dabei wurde die Anzahl der Häuser im mittleren und oberen Qualitätssegment kräftig erhöht. Die Expansionspläne für das laufende Jahr sind beeindruckend: Mehr als die Hälfte der vor der Neueröffnung stehenden Hotelanlagen betreffen das mittlere und obere Marktsegment. Die Aktie der Gesellschaft hat sich in den vergangenen Monaten sehr stark nach oben entwickelt. 

Hilton als Aktien-Favorit

Wertpapier-Experten weisen bei der Beurteilung der künftigen Chancen von Hotelaktien auf den anhaltenden Wettbewerb zwischen Hotelgesellschaften und  der Parahotellerie – also Firmen wie Airbnb – hin. Immer mehr Analysten haben sich aber inzwischen darauf eingestellt, dass der noch vor Kurzem als »mörderisch« bezeichnete Wettbewerb inzwischen in der Chance auf eine Koexistenz der beiden Wirtschaftsbereiche münden wird.  Derweil gibt es in der Hospitality Industry klare Aussagen zu den Top-Performern: »Unsere Aktien-Favorit unter den US-Hotelgesellschaften ist Hilton Worldwide – bei den Hotel-REIT setzen wir auf Summit, Ryman, LaSalle, Sunstone, Park und Pebblebrook«, sagt Bill Crow vom Finanzhaus Raymond James & Associates, auf dessen Konferenz in Orlando sich zahlreiche Player präsentierten.  Hier meldete sich auch Marriott-CEO Arne Sorenson mit der Vorstellung seiner Drei-Jahres-Strategie zu Wort und erklärte, dass es bei der organisatorischen Fusion mit Starwood noch einiges zu tun gibt. »Wir sind jetzt eine Gesellschaft, die zehn neue Marken integrieren muss«, so Sorenson. Überdies werden in den kommenden drei Jahren weltweit zahlreiche neue Hotels eröffnen. Ebenso wie seine Kollegen sieht auch Sorenson die Maßnahmen zur Stärkung der Loyalität von Gästen und die Stärkung der eigenen Markennamen als wirksamstes Mittel gegen den von Online Travel Agencies (OTA) angezettelten Preiskampf im Beherbergungsgewerbe. 

 

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