Radhotel als erfolgreiches Nischenprodukt
Auf und davon

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Wolfgang Sommer (Foto: Chr. Schreiber)

Hotelier Wolfgang Sommer setzt auf Radsport und muss deswegen eine zusätzliche Abteilung mit Einkauf, Unterhalt, Personalplanung, Entwicklung und Inves­titionen managen. Viel Arbeit, die sich aber lohnt – sowohl aus privater als auch aus geschäftlicher Sicht.

Ein Wolfgang Sommer mischt vorne mit. Das gilt auf dem Rad, wo er mit seinen kräftigen Wadeln selbst die steilsten Anstiege locker nimmt. Und das gilt auch für sein Hotel Sommer in Füssen, das sich an den Forggensee schmiegt und einen grandiosen Blick auf Schloss Neuschwanstein gewährt. Zahlen muss man dem Allgäuer mühsam entlocken, aber die Auslastung lag in den gut 20 Jahren, seit er das Vier-Sterne-Hotel führt, »immer über 60 Prozent«. In einem Nebensatz lässt er fallen, dass »80 Prozent ja auch über 60 Prozent sind«. So viel zum Allgäuer Understatement. Nun zum Geschäftsmodell. Erfolg schreibt sich bei Sommer im Sommer mit R wie Radfahren. Um sich der Tragweite des Angebots bewusst zu werden, sollte man sich für ein paar Zeilen in einen sportlichen Gast des Hauses hineinversetzen:

Beim Check-in gibt es zunächst die passende Broschüre mit Tourenvorschlägen und Kartenmaterial. Mit der Rezeptionistin vereinbart man am besten gleich anschließend einen Massage-Termin für die Radlerbeine. Wenn die Koffer dann im Zimmer verstaut sind, geht’s ab zur Leistungsdiagnose, bei der Wolfgang Sommer höchstpersönlich mittels Sauerstoff-Test den Fitness-Level des Gastes bestimmt und ihm einen Trainingsplan an die Hand gibt. Danach führt der Weg in den videoüberwachten Keller: Neben Werkzeug und Schmiermitteln stehen rund 30 Leih-Räder bereit – von Rennrad bis Elektro-Mountainbike. »Da muss man richtig was bieten, sonst bringt es nichts«, sagt der Allgäuer Hotelier. Die anschließende Tour führt mit Guide Sommer über Hügel und Berge im Allgäu. Fünf Minuten nach der Rückkehr ins Hotel serviert der Kellner einen großen Teller dampfender Spaghetti, damit die Kohlenhydrat-Speicher schnell wieder aufgefüllt sind.

Das ist natürlich ein Extrem-Beispiel, aber gerade sportliche Fahrer sind es, die derartige Rundum-Sorglos-Pakete buchen. Fünf Mal im Jahr bietet Sommer spezielle Rennradcamps an. Aber auch Mountainbiker und Tourenradler zählen zu seinen Gästen. Sie reisen individuell an und genießen die Infrastruktur des Hotels.