»Upcycling« in der Hotellerie
Aus ALT mach STYLE

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Pure Notwendigkeit zwang früher die Menschen dazu, gebrauchte Gegenstände immer wieder zu verwenden. Heute ist es die Überzeugung, dass auch alte Dinge noch einen Nutzen haben, nicht weggeworfen werden sollten und sogar ziemlich stylisch sein können. Der Design-Trend »Upcycling« ist längst in der Hotellerie angekommen.

4 Hotels, 4 Beispiele

Magdas Wien: Low Budget, High Impact
Aus der Not eine Tugend machen – das ist im Wiener magdas mehr als eine hohle Phrase. Das Hotel wurde 2015 als Social Business der Caritas eröffnet (siehe auch Top hotel 5/2015, S. 52 f), das Budget war mit rund 57.000 Euro aus Crowdfunding und einem 1,5-Millionen-Euro-Kredit denkbar knapp. Deswegen wurde so viel wie möglich aus dem umgebauten Seniorenheim up- und recycelt. Aus ehemaligen Einbauschränken wurden Tische, Lampen und Bänke, aus Türen neue Spiegel und alte Stühle wurden halbiert und zum Nachtkästchen umfunktioniert. Ausrangierte Kofferablagen aus Zügen fungieren nun als Garderoben und was sonst noch an Einrichtung fehlte, konnte zum Teil aus dem Caritas-Lager CARLA, durch Sachspenden und die tatkräftige Eigeninitiative fleißiger Helfer herbeigeschafft werden. Das einzig neue in den 78 Zimmern sind die Betten. Dass Upcycling auch auf der Grundlage purer Notwendigkeit stylisch sein kann, beweist der österreichische Staatspreis für Design, der dem magdas 2015 verliehen wurde.

Cocoon München: Alm-Ausstattung
Im dritten Cocoon-Hotel in München, das im Oktober 2016 eröffnete, wurde Upcycling konsequent und themengerecht umgesetzt. Die Besonderheit hier: Das allgegenwärtige Gefühl, sich auf einer Berghütte in den bayerischen Alpen zu befinden. Das funktioniert dank der Einrichtung mit Originalgegenständen wie etwa Kuhglocken, die als Lampen über dem Rezeptionstresen hängen oder Metallsitzen aus alten Traktoren, die als Barhocker eine außergewöhnliche und gute Figur abgeben. Der Schaukelstuhl neben der Bar lädt weniger zum Sitzen als zum Angucken ein: Er besteht aus echten Skiern, die zurechtgesägt und neu zusammengebaut wurden. Auf den Zimmern sind die Leuchten aus Milchkannen und der Handtuchhalter im Bad besteht aus einem Stück Holzleiter (siehe auch Top hotel 11/2016, S. 60).

Stadthalle Wien: Ressourcen schonen...
... will das Hotel Stadthalle in Wien nicht nur mit den hauseigenen Solar- und Fotovoltaikanlagen zur Stromerzeugung für das Passivhaus. Zur Toilettenspülung wird das eigene Brunnenwasser verwendet und ein  Wohnraumlüftungsgerät sorgt für Wärmerückgewinnung. Das Ökohotel hat außerdem erkannt, dass alltägliche Gebrauchsgegenstände nicht ausgemustert werden müssen, sondern auch umfunktioniert noch einen Nutzen haben. In einer Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst in der österreichischen Hauptstadt wurden Anfang 2014 sieben der Gästezimmer komplett renoviert und nach der Upcycling-Idee gestaltet: Koffer wurden zu Regalen und Baumscheiben zu Nachttischen, aus altem Besteck wurden Kleiderhaken, aus Fahrradteilen praktische Garderoben.

Superbude hamburg: Super, diese Bude
Stylisch und nachhaltig präsentiert sich die Superbude im Hamburger Stadtteil St. Georg, nicht erst seit dem Relaunch im Februar 2016. Die Themenzimmer – pardon, Buden – wurden ergänzt durch die »fritz-bude«, benannt nach und gestylt durch fritz-kola, dem Kult-Getränk aus der Hansestadt. Vinyl und Vintage sind das Motto, und so finden sich dort eine Badwand aus original genutzten fritz-Kronkorken, Minibar und Sitzgelegenheiten aus alten Ölfässern sowie Betten aus Paletten und Baugerüsten. Ebenso wie die Macher der Superbuden versuchen auch die fritz-Erfinder bei ihrem unternehmerischen Engagement die Nachhaltigkeit nicht aus dem Blick zu verlieren und schaffen mit ihren Upcycling-Ideen ein ganz besonderes Hamburg-Erlebnis.