Karriere: Hotelausbildung ohne Hotel

Bildquelle: Für Kira Heide (kl. Foto oben) und Mehmet Aydogan (re.) waren die ersten drei Monate ihrer Ausbildung sehr aufschlussreich – in jeder Hinsicht

Karriere

Hotelausbildung ohne Hotel

Die Azubis des Holiday Inn Frankfurt Airport verbrachten die ersten Monate ihrer Ausbildung nicht im Hotel – denn das eröffnete erst drei Monate später.

Im vergangenen September begannen Kira Heide und Mehmet Aydogan zum gleichen Zeitpunkt wie Tausende andere junge Frauen und Männer ihre Ausbildung als Hotelfachleute. Der einzige Unterschied: Die beiden starteten diese in einem Hotel, das es noch gar nicht gab. Das Holiday Inn Frankfurt Airport eröffnete nämlich erst Anfang Dezember. So arbeiteten die beiden Azubis zusammen mit drei weiteren Jugendlichen in den ersten drei Monaten keinen einzigen Tag im Hotel, sondern in den Büroräumen der Primestar Hospitality GmbH, die das Holiday Inn betreibt. Dort durchliefen sie alle Abteilungen, bekamen Einblicke in Frontoffice, Personalwesen, Buchhaltung, Sales und Marketing. Die angehenden Köche gingen morgens mit Küchenchefin Daniela Krakow zum Supermarkt und bereiteten anschließend in der Büroküche für 20 Primestar-Kollegen das Mittagessen zu.

Der 22-jährige Mehmet fand die Zeit im Büro »cool«: »Das war wie in einer WG, wenn man füreinander kocht und dann von jedem ein paar Euro für den Einkauf einsammelt. Im Gegensatz zu anderen Azubis, die direkt im Hotel mit der Ausbildung beginnen, verstehe ich jetzt wahrscheinlich die Abläufe im Hintergrund eines Hotelbetriebs viel besser.« Erstaunt war er über den Stress im Vorfeld der Hoteleröffnung: »Die Handwerker haben Tag und Nacht gearbeitet. Als ich in den Badezimmern Shampoo und Bodylotion eingeräumt habe, wurde rings um mich herum noch mit Hochdruck geschraubt und gepinselt.«

Seit der Eröffnung des Hotels mit 50 Mitarbeitern arbeitet Mehmet oft in der Frühschicht von 6 bis 14:45 Uhr in der Küche und erinnert sich schmunzelnd an die beengten Kocherlebnisse in der Büroküche mit vier Herdplatten. Begeistert ist er über seine Zukunftsperspektiven bei seinem Arbeitgeber. »Primestar eröffnet alle paar Monate ein Hotel in einer deutschen Großstadt. Da kann ich, wenn es mir in Frankfurt nicht mehr gefällt, auch in Berlin, Hamburg, München, Freiburg oder Dresden arbeiten und schnell Karriere machen, denn für die neuen Hotels wird ja immer neues Personal benötigt.«

Aufschlussreich war die Erfahrung der ersten drei Monate auch für die 19-jährigen Kira Heide. Sie hat ihren Ausbildungsvertrag nach ein paar Wochen im Büro geändert – statt Hotelfachfrau wird sie jetzt Restaurantfachfrau. »Ich habe sehr schnell festgestellt, dass ich für Frontoffice und solche Dinge nicht geeignet bin.« Das Telefontraining und die Verwaltungsaufgaben haben ihr nicht gefallen. »Dagegen bin ich im Service goldrichtig, das ist mir schnell klar geworden.« Zugute kommt ihr im Restaurantbereich ihre Gastroerfahrung, denn Kira hat drei Jahre lang neben der Schule in einem Restaurant gejobbt. »Im Kontakt mit Restaurantgästen fühle ich mich am wohlsten.« Jeden Tag fährt sie mit ihrem Kleinwagen von einem Dorf bei Heppenheim rund 60 Kilometer zum Flughafen nach Frankfurt zu ihrem Arbeitsplatz. »Das macht mir nichts aus. Ich wollte unbedingt bei einer international bekannte Hotelkette lernen, weil ich später gerne mal im Ausland arbeiten möchte. Hier bekomme ich alles mit, was ich dafür an Qualifikation brauche.«

Für Primestar-Personalleiterin Christine Schulz war das Ganze auch ein Experiment. »Da alle Jugendlichen im Herbst mit der Ausbildung beginnen, mussten wir das so lösen, auch wenn es in den ersten drei Monaten noch keinen laufenden Hotelbetrieb gab.« Im Nachhinein ist sie froh, dass alles geklappt hat. »Der Zusammenhalt im Team ist groß, ebenso das Verständnis für die Aufgaben der anderen Kollegen. Das wäre ohne die praktischen Einblicke in die weiteren Tätigkeiten sicher nicht der Fall gewesen.« Diesen Herbst beginnen fünf weitere Azubis im Holiday Inn Frankfurt Airport ihre Ausbildung – allerdings anders als Kira und Mehmet bei laufendem Betrieb.