Steuertipp: Stolperfalle Mindestlohn 2017

Steuertipp

Stolperfalle Mindestlohn 2017

Phantomlohn vermeiden: Während sich Mini-Jobber seit Januar 2017 über den erhöhten Mindestlohn von 8,84 brutto je Arbeitsstunde freuen, kann sich die Erhöhung für Arbeitgeber zu einer Stolperfalle entwickeln.

Beispiel: Eine Servicekraft wurde 2016 für 52,5 Stunden pro Monat zum bisherigen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde beschäftigt. Seit Januar 2017 hat sie einen gesetzlichen Anspruch auf 8,84 Euro pro Stunde. Wird der Vertrag nicht geändert, der höhere Mindestlohn von 464,10 Euro jedoch gezahlt, wird die Mini-Jobberin automatisch zur Midi-Jobberin. Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber fallen Sozialversicherungsbeiträge an; die Lohnsteuerpauschalierung ist nicht mehr zulässig. Die Folge: Die Servicekraft erhält ihren Lohn nicht mehr »brutto für netto«, vielmehr wird dieser nur noch in Höhe von rund 415 Euro ausgezahlt.

Ignoriert der Hotelier die Mindestlohnerhöhung, ändert den Vertrag nicht und zahlt weiterhin 446,25 Euro, verstößt er gegen das Mindestlohngesetz und sozialrechtliche Vorschriften, denn Sozialversicherungsbeiträge fallen auf das Entgelt an, welches der Hotelier zahlen müsste (sogenannter Phantomlohn, hier: 464,10 Euro).

Die Lösung heißt Änderungsvereinbarung. Soll die Beschäftigung weiter als Mini-Job ausgeübt werden, muss die monatliche Arbeitszeit reduziert werden, so dass sich ein Mindestentgelt von 8,84 Euro ergibt, wenn das Entgelt durch die Zahl der regelmäßig zu arbeitenden Stunden geteilt wird. Damit können monatlich nur noch weniger als 51 Stunden vertraglich vereinbart werden.

Achtung: Auch für Überstunden gilt der Mindestlohn. Zuschläge für Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit sind nicht auf den Mindestlohn anrechenbar, sondern fallen zusätzlich an. Diese sind auch beim allgemeinen Urlaubsentgelt zu berücksichtigen. Als Bemessungsgrundlage für dieses Urlaubsentgelt dient der durchschnittliche Arbeitsverdienst der letzten 13 Wochen vor Urlaubsbeginn. Wird dem Mini-Jobber kein bezahlter Urlaub gewährt bzw. das Urlaubsentgelt nicht entsprechend des durchschnittlichen Arbeitsverdienstes dieser 13 Wochen berechnet oder bei Krankheit kein Lohn fortgezahlt, werden die Sozialversicherungsträger bei einer Betriebs­prüfung den tatsächlich gezahlten Lohn um diesen sogenannten Phantomlohn erhöhen und verbeitragen. Aus einem Mini-Job kann damit schnell ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis werden.

Stefan Kröning
RA/StB im ETL ADHOGA Verbund aus Bergen auf Rügen, ist auf die Beratung von Hotels und Gaststätten spezialisiert.
Kontakt: ETL ADHOGA Bergen (Rügen)
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