Branchenanalyse der österreichischen Hotellerie
»Steuern, Abgaben und Gebühren galoppieren den Raten davon«

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Österreichs Hotellerie braucht einen Belastungsstopp und aktivierende Maßnahmen um Innovation und Wachstum weiter zu forcieren. Das war ein Ergebnis des ÖHV-Hotelierkongress 2017 von 15. bis 17. Januar in Bad Ischl. Darüber hinaus würde ein Exit-Szenario für hochverschuldete Verlustbetriebe der gesamten Branche helfen.

Der langjährige Branchenexperte Mag. Clemens Westreicher hat mehr als 3.000 Bilanzen aus 2010 und 2015 analysiert. Das Ergebnis: Über die gesamte Hotellerie hinweg sind die Umsätze im Beobachtungszeitraum um 27 % gestiegen, die Kosten um 29 %: „Das rückt die oft gefeierten Nächtigungsrekorde ins rechte Licht: Die Steuern, Abgaben und Gebühren galoppieren den Zimmerpreisen davon“, bestätigt Reitterer. Viele Gesetzesänderungen waren teuer für die Branche: die Streichung der Energieabgabenvergütung, die Anschaffung neuer Kassensysteme, die Auflösungsabgabe, die Allergenverordnung, Investitionen in den Nichtraucherschutz.  Ab 2016 wirken sich auch die jüngsten Belastungen wie die Erhöhung der Umsatzsteuer von 10 % auf 13 %, die Verlängerung der Abschreibungsdauer um 7 Jahre und die erhöhte Grunderwerbsteuer in den Bilanzen negativ aus.

Belastungsstopp dringend nötig

"Ein Blick auf die Bilanzen zeigt: Schaffen wir bei Steuern und Bürokratie nicht bald den Turnaround, werden sich die Betriebsschließungen fortsetzen“, warnt Reitterer. Denn die Marktbereinigung hat bereits eingesetzt: Zwischen 2010 und 2015 sank die Zahl der Hotels, Gasthöfe und Pensionen um 6 %. Nur spezifische Maßnahmen für die Branchenspitze, das Mittelfeld und die Low-Performer würden eine optimale Performance gewährleisten, so Reitterer. Gerade jetzt, in Zeiten guter Nachfrageentwicklung, müssen die wirtschaftspolitischen Maßnahmen für die nächsten Jahre gesetzt werden.

Unternehmer benötigen Ausweg aus ihrem Dilemma

Hoch verschuldete Unternehmer, die jeden Tag noch mehr Geld verlieren, schaffen den Turnaround alleine nicht. Greifen keine betrieblichen Restrukturierungsmaßnahmen, müssen gemeinsam andere Lösungen gefunden werden, hält Reitterer fest: „Wir werden die Marktbereinigung nur in geordnete Bahnen bekommen, wenn wir für alle Beteiligten tragfähige Perspektiven entwickeln können.“ Die Hürden sind ja bekannt: die Aktivierung stiller Reserven, allenfalls Nachversteuerungen, Bankschulden, zu geringe Ertragskraft und Betriebsgröße, nicht zuletzt die Kosten für die Grunderwerbsteuer und fehlende Perspektiven. Eine Chance sieht die Branchensprecherin in der alternativen Nutzung vieler Immobilien oder allenfalls Grundstücke: „Sie sind der Schlüssel zu einer attraktiven Option: Gemeinden benötigen Seniorenwohnheime, Jungfamilien Startwohnungen, Betriebe Mitarbeiterhäuser.“ Reitterer will mit dem Wirtschafts- und dem Finanzministerium, der ÖHT und den Gemeinden Lösungen finden.

Keine neuen Belastungen: Politik muss Auswirkungen von Gesetzen besser abschätzen

Reitterers dringendster Wunsch: Schluss mit neuen Belastungen, endlich Entlastungen umsetzen! „Wir brauchen da mehr Mut, mehr Unternehmertum in der Politik, mehr Blick über den Tellerrand: Game-Changer, die mit bestehenden Strukturen und Denkmustern brechen!“ Genauso wichtig: Praxisnähe. „Das hilft, unerwünschte Nebeneffekte und indirekte Belastungen zu verhindern, etwa bei der von Bundeskanzler Christian Kern vorgeschlagenen Begrenzung von Mietzuschlägen und strengeren Regularien für die Befristung von Mietverträgen. Dahinter steckt ein löblicher Gedanke, aber die Folge davon wären wieder mehr Wohnungen für die Sharing Economy und die Verlagerung von Wertschöpfung und Steuern ins Ausland. Das kostet uns Investitionen und Arbeitsplätze. Das müssen wir verhindern. In den vergangenen Jahren wurden schon zu viele Gesetze beschlossen, die die Arbeitgeber im Tourismus belasten: „Wenn ich Bundeskanzler und Vizekanzler richtig verstehe, soll mit arbeitsplatz- und wirtschaftsfeindlichen Gesetzen jetzt Schluss sein.“

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