Hotelverband Deutschland: Otto Lindner warnt vor zu großer Euphorie

Bildquelle: Otto Lindner

Hotelverband Deutschland

Otto Lindner warnt vor zu großer Euphorie

Parallel zur Veröffentlichung des positiven Halbjahresergebnisses vom Statistischen Bundesamt (wir berichteten) legte der IHA sein jährliches Sommerkonjunkturbarometer vor, das ebenfalls mit erfreulichen Ergebnissen gespickt ist. Der neue Vorsitzende Otto Lindner freut sich in seinem Statement einerseits, dass "die heimische Hotellerie mit einem herausragend gutem Preis-Leistungs-Verhältnis punktet", andererseits hat sprach er auch eine Warnung aus.

Das Statement zum Sommerkonkunkturbarometer von Otto Lindner im Wortlaut:

Die deutsche Wirtschaft wächst solide, das Reiseland Deutschland zieht immer mehr ausländische aber auch inländische Gäste an und die heimische Hotellerie punktet mit einem herausragend gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Die positiven  Kennziffern sind noch kein Garant für positive wirtschaftliche Betriebsergebnisse. Der Hotelmarkt ist trotz der positiven Ergebnisse von Überkapazitäten geprägt. Wir erleben derzeit eine beispiellose Konsolidierungswelle. Die Unternehmens- und Markenkonzentration nimmt zu. Mehr denn je zählen ein klares Profil und eine konsequente Positionierung. Zudem gilt es, die Balance zwischen den Chancen und Risiken der Digitalisierung zu finden, unfaire Marktpraktiken im Online-Vertrieb zu bekämpfen, die Mitarbeiterführung an die gesellschaftliche Realität anzupassen und die Zukunftsfähigkeit unserer Ausbildungssysteme in Angriff zu nehmen. Dabei kommt es auch auf wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen an. Vor weiteren Reglementierungen und Kostenbelastungen, wie sie z.B. das neue Pauschalreiserecht mit sich zu bringen droht, können wir nur warnen.

Die Zahlen des IHA-Konjunkturbarometers im Detail

Laut dem IHA-Konjunkturbarometer konnten bei den hotelspezifischen Kennziffern wie Zimmerauslastung, Zimmerpreis und Zimmerertrag über alle Segmente hinweg Zuwächse erreicht werden. Die Daten basieren dabei auf dem Hotelbenchmark von MKG Hospitality. An letzterem nehmen größere Hotels in Städtedestinationen überproportional häufig teil, sodass die Ergebnisse für die Hotellerie im engeren Sinne, jedoch nicht für den deutschen Beherbergungsmarkt in seiner gesamten Bandbreite als repräsentativ gelten können.

Nach dieser Auswertung erzielten die Hotels in Deutschland von Januar bis Juni 2016 eine durchschnittliche Zimmerauslastung von 69,0% (+1,7%) und steigerte ihren Zimmerertrag (RevPAR) um 5,2% auf 63 Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der durchschnittliche Netto-Zimmerpreis (ohne Mehrwertsteuer und ohne Frühstück) stieg auf 92 Euro (+3,4%).

Auch im europäischen Vergleich erwies sich die Entwicklung in Deutschland im ersten Halbjahr 2016 als erfreulich: Europaweit wurde ein Anstieg der Zimmerauslastung von 0,3% auf 67,5% gemessen. Der Netto-Zimmerpreis stieg im europäischen Durchschnitt um 1,4% auf einen Wert von 93 Euro, so dass die deutschen Hotelpreise nur noch minimal unter dem europäischen Durchschnitt liegen.

In Bezug auf den Zimmerertrag (RevPAR) konnte die deutsche Hotellerie mit einem Zuwachs von 5,2% ihre durchschnittlichen Erträge pro Zimmer deutlich stärker steigern als der europäische Durchschnitt (+1,7%). Ein Blick auf die absoluten Zahlen zeigt, dass der RevPAR in Deutschland mit 63 Euro, erstmals seit dem Jahr 2006, dem Jahr der Fußball WM in Deutschland, über dem europäischen Durchschnittswert von aktuell 62 Euro liegt.